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Zu den Opfern gehört auch eine Zweijährige in Hamburg-Neuwiedenthal , die vermutlich von ihrem Vater getötet wurde.
Zu den Opfern gehört auch eine Zweijährige in Hamburg-Neuwiedenthal , die vermutlich von ihrem Vater getötet wurde.(Foto: picture alliance / Daniel Bockwo)
Dienstag, 05. Juni 2018

Schläge, Missbrauch, Mord: 2017 wurden 143 Kinder getötet

Wenn Kinder Opfer von Verbrechen werden, ist das Entsetzen besonders groß. Dennoch liegt die Zahl der getöteten Kinder in Deutschland seit Jahren auf dem gleichen Niveau. Und viele Taten bleiben wahrscheinlich unentdeckt.

Im vergangenen Jahr sind in Deutschland 143 Kinder Tötungsdelikten zum Opfer gefallen. Das ergab eine Sonderauswertung der polizeilichen Kriminalitätsstatistik, die die Kinderschutzorganisation Deutsche Kinderhilfe sowie das Bundeskriminalamt und der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung in Berlin vorstellten.

Die Statistik zeigt: Zehntausende Kinder werden alljährlich Opfer. 13.539 Kinder unter 14 Jahren wurden demnach sexuell missbraucht, 4208 Kinder wurden misshandelt.

Die Zahl berücksichtigt Delikte wie Mord, Totschlag, fahrlässige Tötung und Körperverletzung mit Todesfolge. Sie schwankte in den vergangenen zehn Jahren zwischen 108 und 186, einen Trend gab es nicht. Im Vergleich zum Vorjahr war das ein Plus von 7,52 Prozent. Dazu kamen 77 Fälle von versuchten Mord und versuchtem Totschlag.

Kein wirklicher Abwärtstrend

Die Zahl der Misshandlungen stagnierte demnach. Sie hatte 2017 bei 4204 gelegen. Seit 2008 pendelt sie um die Marke von 4000 pro Jahr. Bei den Sexualdelikten gab es im Vorjahresvergleich einen Rückgang um 3,64 Prozent. Das war der niedrigste Stand seit 2008. Die Zahl der Fälle schwankte seither ebenfalls ohne klaren Trend in einem relativ engen Bereich zwischen rund 14.000 und 15.500. Besitz und Verbreitung von Kinderpornografie werden gesondert erfasst. Hier gab es im vergangenen Jahr der Auswertung zufolge rund 16.300 Fälle.

Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Wilhelm Rörig, bezeichnete "Cybergrooming, sexuellen Missbrauch und das Filmen dieser entsetzlichen Taten" als Realität für tausende Kinder. "Besonders erschreckend sind der Anstieg härtester Gewaltszenen sowie die zunehmende Zahl von Missbrauchsabbildungen von Kleinkindern und Babys. Wir müssen davon ausgehen, dass sich der Missbrauch tausender Kinder unerkannt fortsetzt." Rörig forderte mehr geschultes Personal bei Justiz und Strafverfolgung. Auch die Ermittlungsmöglichkeiten müssten rechtlich und technisch verbessert und dem Internetzeitalter angepasst werden: "Sexualstraftäter dürfen sich in Deutschland nicht länger sicher fühlen."

Kinderhilfe-Vorstandschef Rainer Becker forderte eine bessere Erkennung von "Risikofaktoren wie Trennungskonflikte und psychische Störungen bei Eltern". Das sei Aufgabe verschiedener Institutionen von der Kita bis zur Polizei. BKA-Chef Holger Münch verwies auf die potenziell hohe Zahl von Verbrechen, die nicht in der offiziellen Kriminalitätsstatistik der Polizei erfasst würden. "Wir müssen davon ausgehen, dass viele Taten unentdeckt bleiben", erklärte er.

Quelle: n-tv.de