Panorama

400 Meter überm Abgrund 45 Menschen übernachten in Seilbahn

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Die Passagiere sollen mit Hilfe von Hubschraubern gerettet werden.

(Foto: dpa)

120 Menschen sitzen in den Gondeln, als die Seilbahn über den Gletschern des Mont-Blanc-Massivs zum Stehen kommt. Eine technische Panne verhindert die Weiterfahrt. Weil die Rettung so knifflig ist, müssen viele die Nacht in luftiger Höhe verbringen.

Infolge eines technischen Defekts müssen 45 Menschen die Nacht zu Freitag in einer Seilbahn hoch über den Gletschern des Mont-Blanc-Massivs verbringen. Die Behörden unterbrachen den Rettungseinsatz in den französischen Alpen am Donnerstagabend, nachdem 65 Fahrgäste aus ihrer prekären Lage befreit werden konnten. Die meisten von ihnen wurden mit dem Hubschrauber aus den Kabinen der blockierten Seilbahn gerettet. An manchen Stellen schwebt die Seilbahn 400 Meter über dem Abgrund.

Die Arbeiten zur Rettung der übrigen Gäste sollten am Freitagmorgen gegen 06.30 Uhr wieder aufgenommen werden, wenn das Wetter es zulasse, sagte der Präfekt des Départements Haute-Savoie, Georges François Leclerc, am Abend auf einer Pressekonferenz. "Wir haben alles getan, was uns möglich ist", sagte Leclerc. "Wir hoffen, am Freitag im Laufe des Vormittags jeden retten zu können." Die sehr aufwändige Bergungsaktion per Hubschrauber habe aus Sicherheitsgründen in den Nachtstunden unterbrochen werden müssen.

Den Eingeschlossenen wurden Decken, Wasser und Energienahrung zur Verfügung gestellt. In einer der festsitzenden Kabinen war nach Behördenangaben ein zehnjähriges Kind. Ein Gendarm stieg in die Kapsel, um dort mit der Familie die Nachtstunden zu verbringen.

"Ich habe die Augen geschlossen"

Insgesamt 110 Passagiere waren am Donnerstagnachmittag in der Seilbahn steckengeblieben. Ihre Gondeln wurden angehalten, nachdem sich zwei Kabel der Seilbahn verheddert hatten. Die Seilbahn verbindet im Mont-Blanc-Massiv die Aiguille du Midi mit der Pointe Helbronner. Die Ursache der Panne war nach Angaben der Betreiber zunächst unklar. Jede der Gondeln bietet Platz für vier Personen. An der Bergungsaktion waren vier Hubschrauber aus Frankreich und Italien beteiligt.

Einer der Geretteten berichtete im Radiosender France Bleu Pays vom Ablauf der Aktion. Das Abseilen mit dem Hubschrauber sei sehr schwierig gewesen: "Ich habe die Augen geschlossen, um an etwas anderes zu denken", sagte er. An Bord der Kabine hatte sich zuvor zunehmend Ungeduld breit gemacht. "Die letzte Stunde war sehr, sehr lang."

Quelle: ntv.de, ino/kpi/AFP