Fliegerbombe statt Weihnachten54.000 Augsburger müssen Häuser verlassen

Während viele Deutsche den ersten Weihnachtstag zu Hause verbringen, verläuft er für Tausende Augsburger anders als geplant: Wegen eines Bombenfundes müssen sie die Wohnungen verlassen. Es ist die größte Evakuierungsaktion seit dem Zweiten Weltkrieg.
Ausgerechnet an Weihnachten bereitet sich die Stadt Augsburg für eine Bombenentschärfung auf die bundesweit größte Evakuierung seit dem Zweiten Weltkrieg vor. Am ersten Weihnachtsfeiertag müssen dafür etwa 54.000 Menschen ihre Wohnungen verlassen.
Allein die Polizei werde mit etwa 800 Beamten im Einsatz sein, um die betroffenen 32.000 Haushalte zu kontrollieren, sagte Polizeisprecher Siegfried Hartmann. "Wir müssen alle Straßen abgehen und an den Wohnungen klingeln." Nach Angaben der Augsburger Behörden hat es eine ähnlich große Evakuierung noch nie in der Bundesrepublik gegeben.
Größter Blindgänger der Stadt
Der Kampfmittelräumdienst korrigierte inzwischen das Gesamtgewicht der britischen Fliegerbombe auf 1,8 Tonnen. Zunächst war von 3,8 Tonnen die Rede gewesen. Der festgelegte Evakuierungsradius von 1,5 Kilometern rund um die Fundstelle und die Angaben zur möglichen Sprengkraft des Blindgängers blieben aber weiter gültig, teilte die Stadtverwaltung mit. Die Bombe war am Dienstag bei Bauarbeiten entdeckt worden. Derzeit gehe keine Gefahr von der Fliegerbombe aus, heißt es auf einer Informationsseite der Stadt Augsburg. Der Fund sei gesichert und werde überwacht.
Der Stadt ist durchaus bewusst, dass der Termin für die Betroffenen äußert unpassend ist. Dass die Entschärfung ausgerechnet am ersten Weihnachtstag erfolgen soll, hat den Angaben zufolge mehrere Gründe. Zum einen erfordere der relativ hohe Organisationsaufwand der Evakuierung einige Tage Vorlauf, heißt es von der Stadt.
Zum anderen wäre die Evakuierung an einem Werktag ungleich schwieriger, da auch Arbeits- und Geschäftsbetrieb beeinträchtigt wären. An einem Feiertag gibt es zudem weniger Verkehr. Es wurde deshalb der erste mögliche Sonn- oder Feiertag genommen, wie die Stadt mitteilte.
Die bislang größte Evakuierungsaktion in Deutschland wegen einer Fliegerbombe fand im Jahr 2011 in Koblenz statt, dort waren 45.000 Bewohner betroffen. Eine weitere große Aktion gab es im Jahr 2015 in Köln. Damals wurden 20.000 Menschen in Sicherheit gebracht, um einen Blindgänger zu entschärfen.