An Privatkliniken in Uganda800 Menschen Fake-Vakzin gespritzt

Die Delta-Variante breitet sich in Uganda rasend schnell aus. Gleichzeitig erhalten mehrere Hundert Menschen ein gefälschtes Vakzin gegen Corona. Es ist nicht der einzige Grund, der den Menschen in dem Land das Vertrauen in Privatkliniken nimmt.
Mindestens 800 Menschen sind in dem ostafrikanischen Land Uganda mit einem gefälschten Corona-Impfstoff geimpft worden. Das Fake-Medikament sei zwischen Mitte Mai und Mitte Juni überwiegend in Privatkrankenhäusern in der Hauptstadt Kampala verabreicht worden, bestätigte ein Mitarbeiter des Präsidialamtes. Es habe bereits zwei Festnahmen gegeben, ein Mediziner werde polizeilich gesucht, sagte Warren Namara.
In Uganda, wie auch in 13 weiteren afrikanischen Ländern, breitet sich die ansteckendere Delta-Variante des Coronavirus rasant aus. Nach Angaben der WHO gab es bisher mehr als 79.000 Infektionsfälle, 956 Menschen sind nach einer Infektion gestorben. Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF erklärte kürzlich, in Uganda sei die Zahl der Ansteckungen zwischen März und Juni um 2800 Prozent angestiegen.
Wie in anderen afrikanischen Ländern ist Impfstoff aber knapp. Diese Woche konnten erstmals Zweitimpfungen an Mitarbeiter des Gesundheitswesens verabreicht werden. Die Gesamtlage, was den Impfstoff betrifft, ist weiterhin extrem heikel. Von den rund 44 Millionen Einwohnern des ostafrikanischen Landes waren zum vergangenen Wochenende noch nicht einmal ein Prozent geimpft, wie die Nachrichtenagentur AP berichtete.
Rechnungen in verstörender Höhe
Darüber hinaus geht vielen Krankenhäusern, auch in der Hauptstadt Kampala, der Sauerstoff zur Beatmung der Covid-19-Patienten aus. Bei einigen werden auch die Betten knapp, erst recht, wenn eine Intensivbehandlung nötig ist. Außerdem gibt es gerade einen Aufschrei wegen horrender Rechnungen nach Behandlungen gegen Corona an Privatkliniken.
Auf Rechnungen, die entlassene Corona-Patienten nach einer Intensivbehandlung vorzeigen, sind der AP zufolge Summen bis zu umgerechnet nahezu 13.000 Euro zu lesen. In einem Land mit einem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von nicht einmal 850 Euro ist das für die allermeisten nie zu stemmen.
Cissy Kagaba, eine bekannte Anti-Korruptions-Aktivistin in Uganda, sagte der AP, sie habe eine Rechnung in Höhe von umgerechnet mehreren Tausend Euro bekommen. "Als wir die Rechnung sahen, konnten wir einfach nicht glauben, wie hoch sie war", zitiert sie die US-Nachrichtenagentur.
Geschäftemacherei und Korruption
Vor seinem Tod habe ihr Vater noch auf der Intensivstation gelegen. Die Rechnung, die die Familie dafür bekommen habe, belief sich demnach auf rund 5000 Euro. Risikozuschläge und weitere Posten hätten sie stutzen lassen, sagte Kagaba. Für sie spiegele die mutmaßliche Geschäftemacherei nur die weit verbreitete Korruptionspraxis im Land wider. "Wenn man eine Regierung hat, die ihre eigenen Leute ausnimmt, was soll man dann vom privaten Sektor erwarten?"
Von der ugandischen Presse angesprochen, verteidigen private Kliniken die Summen mit Verweis auf die hohen Kosten der Behandlung und auf das Risiko fürs Personal. Die Gesundheitsbehörden versicherten, Vorwürfen von überzogenen Rechnungen nachzugehen.