Panorama

Eklat bei Poetry Slam AfD-Politikertochter reimt rechte Parolen

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Beim Poetry Slam zum Thema "Zivilcourage" kam es in Speyer zum Eklat.

imago/Science Photo Library

Bei einem Poetry Slam im Einkaufszentrum von Speyer in Rheinland-Pfalz soll es eigentlich um "Zivilcourage" gehen. Stattdessen rückt die 14-jährige Tochter einer AfD-Politikerin mit rechten Gedichten in den Fokus des Events. Andere Slammer stellen sich dem entgegen.

Bei dem vom Jugendstadtrat und der Initiative "Speyer ohne Rassismus - Speyer mit Courage" veranstalteten Poetry Slam traten am Wochenende fünf Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit ihren Texten gegeneinander an. Unter ihnen auch die 14 Jahre alte Tochter der AfD-Bundestagsabgeordneten Nicole Höchst.

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Nicole Höchst sitzt für die AfD im Bundestag.

(Foto: picture alliance / Michael Kappe)

Höchst hatte im März im Bundestag für Empörung gesorgt, als sie von der Bundesregierung wissen wollte, wie sich die Zahl der Behinderten in Deutschlands seit 2012 entwickelt habe - und zwar "insbesondere die durch Heirat innerhalb der Familie entstandenen". Dem folgte dann auch noch die Frage, wie viele dieser Fälle einen Migrationshintergrund hätten.

"Deutschland, heilig Aufnahmeland"

Dass die Tochter von Nicole Höchst einen ähnliche politische Auffassung wie ihre Mutter vertritt, zeigte ihr Auftritt am Wochenende. Statt sich des vorgegebenen Themas "Zivilcourage" anzunehmen, präsentierte sie schon in der ersten Runde des Wettbewerbs Zeilen wie "Multikulti trallala, die ganze Welt ist da" und "Deutschland, heilig Aufnahmeland".

Im zweiten Text führte sie den Gedanken fort: "Der Neger ist kein Neger mehr. Zigeuner darf man auch nicht sagen. Rassistisch ist das beides sehr, so hört man es an allen Tagen." Buhrufe und Pfiffe waren zu hören, als sie sagte, Zivilcourage sei "für'n Arsch". Als Reaktion darauf stellten ihr die Veranstalter den Strom ab - was jedoch ebenfalls für hörbaren Unmut beim Publikum sorgte. Am Ende erntete die 14-Jährige genug Applaus, um ins Finale einzuziehen.

AfD übt Kritik am Veranstalter

Ihren Finalbeitrag schloss sie mit den Worten: "Und die Moral von der Geschicht? Nun steckt das Messer dir im Bauch, denn so ist's im Orient der Brauch. Rufen alle mit Applaus: 'Nazis raus!'". Wieder gab es den lautesten Beifall und fast hätte sich die Schülerin als Siegerin des Titels bezeichnen können. Allerdings schlossen die Veranstalter sie kurzerhand vom Wettbewerb aus - mit der Begründung, ihre Texte hätten das Thema "Zivilcourage" ins Lächerliche gezogen.

Vonseiten der AfD gab es dafür heftige Kritik. Der Kreisverbandsvorsitzende Benjamin Haupt sprach davon, dass die Vorträge "einigen Ideologen nicht gepasst" hätten. Nicole Höchst feierte ihre Tochter bei Facebook als "Heldin" und postete sogar ihr Gedicht, das inzwischen allerdings wieder gelöscht wurde. Außerdem kritisierte die Mutter die Ausschluss-Entscheidung der Veranstalter als undemokratisch.

Spende für "Hotline für besorgte Bürger"

Poetry Slammer Lars Ruppel reagierte auf den Auftritt der 14-Jährigen mit einer Gegeninitiative. Er rief ein Preisgeld von 200 Euro für ein Gedicht aus, das noch bis zum 3. Oktober auf seiner Facebook-Seite gepostet werden kann. Inzwischen haben viele Kollegen etwas draufgelegt und das Preisgeld auf 1700 Euro erhöht.

Ruppel schreibt dazu: "Der Tochter ist kein Vorwurf zu machen. Sie ist das wahrscheinlich einzige Opfer von Gewalt in dieser Geschichte. Nazis haben keine Gedichte, sie haben nicht mal eine Meinung, sie verdienen die dazugehörige Freiheit nicht. Für Hass gibt es keine Freiheit. Poetry Slam ist die Freiheit des Wortes und der Meinung, deswegen haben Nazis auf Poetry Slams nichts zu suchen."

Das Geld soll allerdings nicht wirklich an den Gewinner gehen, sondern für die "Hotline für besorgte Bürger" gespendet werden. Die wurde vor zwei Jahren vom Journalisten Ali Can und seinem Verein "Interkulturell Leben e.V." ins Leben gerufen. Mit diesem Projekt will der ehemalige Asylbewerber Menschen die Angst vor Geflüchteten nehmen. Jeden Mittwoch und Donnerstag kann dort jeder kostenfrei anrufen.

Quelle: n-tv.de, nan

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