Panorama

Behörden in Polen ermitteln Afghanische Kinder nach Pilzvergiftung tot

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Der Grüne Knollenblätterpilz wird auch von einheimischen Pilzsammlern immer wieder mit dem Champignon verwechselt.

(Foto: picture alliance / blickwinkel/H. Duty)

Ein afghanischer Helfer der britischen Armee erreicht mit seiner Familie einen polnischen Evakuierungsflieger aus Kabul. Doch der erste Spaziergang im Wald um das Auffanglager bei Warschau endet für seine beiden Söhne tödlich. Sie sterben im Krankenhaus an einer Vergiftung mit Knollenblätterpilzen.

In Polen ist auch der zweite afghanische Junge gestorben, der nach der Machtübernahme der Taliban in Kabul ausgeflogen worden war und nach der Ankunft in dem EU-Land wie sein Bruder giftige Pilze gegessen hatte. Das Kinderkrankenhaus CZD in Warschau teilte mit, dass der Sechsjährige - wie sein fünfjähriger Bruder am Tag zuvor - gestorben sei. Die Ärzte hatten versucht, den Sechsjährigen durch eine Leber-Transplantation zu retten.

Der Fünfjährige starb den ersten Untersuchungen zufolge am Verzehr von Grünen Knollenblätterpilzen. Die Jungen und ihre Familie waren am 23. August in Polen eingetroffen und in einer Flüchtlingsunterkunft in Podkowa Lesna in der Nähe von Warschau untergebracht worden. Einen Tag nach ihrer Ankunft in dem Auffanglager sei die Familie auf dem waldigen Geländes des Lagers Pilze sammeln gegangen und habe sich daraus eine Suppe zubereitet. Ein Sprecher der polnischen Ausländerbehörde sagte, nach der Pilzmahlzeit hätten sich mehrere Familienmitglieder mit Magenproblemen gemeldet, aber die Pilze nicht erwähnt. Die beiden Jungen waren zusammen mit ihrer Schwester am 26. und 27. August im Krankenhaus aufgenommen worden. Die Schwester wurde später entlassen.

Zu wenig zu essen: Ausländerbehörde dementiert Vorwürfe

Der Vater arbeitete nach einem Bericht des Nachrichtenportals Oko.press mehrere Jahre für die britische Armee in Afghanistan. Nach der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban in Kabul wurde die Familie von der polnischen Armee auf Wunsch der britischen Regierung ausgeflogen. Die polnische Regierung brachte mit ihren Rettungsflügen insgesamt 1231 Menschen aus der afghanischen Hauptstadt.

Die polnische Staatsanwaltschaft eröffnete ein Ermittlungsverfahren wegen der Todesfälle. Ein Sprecher der Ausländerbehörde, Jakub Dudziak, dementierte einen Pressebericht, wonach die Kinder die Pilze aßen, weil sie in der Flüchtlingsunterkunft nicht genug zu essen bekommen hätten. Er kündigte an, dass nach diesem "Unglücksfall" die Angestellten von Flüchtlingsunterkünften darauf hingewiesen würden, dass Afghanen keine "Produkte unbekannter Herkunft" zu sich nehmen sollten.

Quelle: ntv.de, mau/AFP

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