Panorama

Tödliche Attacke auf Daniel H. Alaa S. muss neuneinhalb Jahre in Haft

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Alaa S. hatte in einem Interview kurz vor dem Urteilsspruch seine Unschuld beteuert.

(Foto: dpa)

Im Prozess um die tödliche Messerattacke am Rande des Chemnitzer Stadtfestes wird der Angeklagte Alaa S. zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Landgericht Chemnitz spricht den 24-Jährigen wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung schuldig. Doch die Verteidigung geht in Revision.

Knapp ein Jahr nach dem tödlichen Messerangriff auf einen 35-Jährigen in Chemnitz ist ein 24 Jahre alter Angeklagter zu neun Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Das Landgericht Chemnitz sprach den Syrer in Dresden wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung schuldig. Alaa S. soll Ende August vergangenen Jahres am Rande des Chemnitzer Stadtfests gemeinsam mit einem flüchtigen Iraker den 35-jährigen Daniel H. erstochen haben. Nach dem zweiten Verdächtigen wird nach wie vor mit einem internationalen Haftbefehl gefahndet.

Das Chemnitzer Landgericht, das den Prozess aus Sicherheitsgründen im Oberlandesgericht Dresden führte, folgte mit seinem Urteil weitgehend dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die zehn Jahre Haft gefordert hatte. Die Verteidigung hatte hingegen auf einen Freispruch aus Mangel an Beweisen plädiert. Sie legte nach der Urteilsverkündung Rechtsmittel ein. Anwalt Frank Wilhelm Drücke bezeichnete das Urteil als "falsch". Wegen der Revision der Verteidiger wird der Schuldspruch der Chemnitzer Richter nun zunächst nicht rechtskräftig.

Während eines Streits sollen Alaa S. und der flüchtige Verdächtige beide mehrfach mit Messern auf H. eingestochen haben. Dieser starb unmittelbar nach der Tat. Zudem sollen die Angeklagten einen weiteren Mann durch einen Stich in den Rücken verletzt haben. Der damals verletzte Zeuge sowie die Mutter und die Schwester von Daniel H. treten im Prozess als Nebenkläger auf.

Die Gewalttat löste in Chemnitz eine Reihe ausländerfeindlicher Demonstrationen und teils gewaltsame Ausschreitungen von Rechtsextremen aus, die bundesweit für Schlagzeilen sorgten. Auch die AfD und Pegida versuchten, den Fall für ihre politischen Zwecke zu missbrauchen.

Die Verteidigung sieht den Prozess auch von politischer Seite unter Druck. "Man brauchte ja irgendeinen Schuldigen, damit in Chemnitz Ruhe herrscht", sagte Verteidigerin Ricarda Lang. Alaa S. sagte in seinem Schlusswort, er hoffe, "dass die Wahrheit ans Licht gebracht wird". Es tue ihm leid, was der Familie von Daniel H. widerfahren sei. Er hoffe aber, nicht "das zweite Opfer dieses Täters zu sein", sagte der 24-Jährige mit Blick auf das erwartete Urteil.

Quelle: n-tv.de, ftü/AFP

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