Panorama
Die Polizei fand das Opfer in seiner eigenen Wohnung, zerstückelt in der Tiefkühltruhe.
Die Polizei fand das Opfer in seiner eigenen Wohnung, zerstückelt in der Tiefkühltruhe.(Foto: picture alliance / Paul Zinken/d)
Freitag, 23. Februar 2018

Leiche in Tiefkühltruhe: Angeklagter bestreitet Mord an Rentner

Seit viereinhalb Monaten steht in Berlin ein Mann vor Gericht, der seinen früheren Nachbarn ermordet haben soll. Zehn Jahre lang kassierte er die Rente des Toten. Im Prozess ergreift der Angeklagte nun das Wort.

Dem Angeklagten wird Habgier, Heimtücke und Mord zur Ermöglichung einer anderen Straftat zur Last gelegt. Er soll einen Rentner in Berlin erschossen und anschließend zehn Jahre dessen Rente kassiert haben. Sein Opfer zerstückelte er der Staatsanwaltschaft zufolge und versteckte es in einer Tiefkühltruhe.

An den bisherigen Prozesstagen schwieg der 56-Jährige zu den Vorwürfen, doch nach fast viermonatiger Verhandlung äußerte er sich doch überraschend. Vor dem Landgericht Berlin wies Josef S. den Vorwurf zurück, er habe den Rentner umgebracht. Der 80-jährige Witwer sei bereits tot gewesen, als er ihn im Dezember 2006 in dessen Wohnung gefunden habe.

Ihm sei dann der Gedanke gekommen, den Tod zu verschleiern und die Rente des Bekannten zu kassieren. Dass er die Leiche zerstückelte, räumte er ein. Der Angeklagte erklärte weiter, er habe sich schuldig gemacht und mit dem Geld des Rentners vor allem seine Spielsucht finanzieren wollen. Um das Geschehen zu verdrängen, habe er noch mehr gespielt. Jahrelang habe er ein Doppelleben geführt.

Eine psychiatrische Gutachterin war in dem Prozess zu dem Schluss gekommen, S. habe keine pathologische Spielsucht und sei voll schuldfähig. Die Anklage geht davon aus, dass S. sein Opfer mit einem Kopfschuss tötete. Die Tatwaffe wurde bis heute nicht gefunden. Der angeklagte Trödelhändler habe nach dem Verbrechen großen Aufwand betrieben, um den Tod seines Opfers zu verschleiern. Er hatte unter anderem die Miete für die Wohnung des Rentners weiter überwiesen, die Steuererklärung gefälscht und den Briefkasten geleert.

S. hatte noch zu Lebzeiten der Frau des Rentners in der Nähe gewohnt und dem zurückgezogen lebenden Paar immer wieder bei kleineren Handwerksarbeiten geholfen.  Deshalb wunderte sich niemand, dass er in der Wohnung des Mannes ein und aus ging. Der Fall war schließlich aufgeflogen, als Polizisten Anfang Januar 2017 die Wohnung öffneten und die zerteilte Leiche fanden, nachdem ein Nachbar jahrelang immer wieder insistiert hatte.

Quelle: n-tv.de