Entführt, erwürgt und verscharrtAnnelis Eltern fordern lebenslang für Mörder

Ihr sinnloser Tod erschütterte Deutschland. Anneli-Marie wurde entführt und ermordet - ihre Eltern hatten nicht die geringste Chance, sie zu retten. Vor Gericht fordern sie nun die Höchststrafe für die Mörder ihrer Tochter.
Anneli-Maries Schicksal berührte ganz Deutschland: Vier Tage war die 17-jährige Gymnasiastin aus Klipphausen (Sachsen) im vergangenen August verschwunden. Vier Tage lang hofften Eltern, Freunde und Polizei, dass die Suche nach ihr ein glückliches Ende findet. Doch die Hoffnung erfüllte sich nicht.
"Ich denke immer, sie muss doch gleich kommen", sagt Annelis Mutter heute und schaut auf das riesige Holzkreuz mit dem Namen ihrer Tochter. Vom Friedhof aus ist der Hof in Lampersdorf zu sehen, wo Anneli-Marie Opfer eines niederträchtigen Verbrechens wurde. Laut Anklage musste Anneli-Marie "zur Verdeckung einer anderen Straftat" sterben.
Rund zehn Monate nach dem Mord beginnt vor dem Landgericht Dresden der Prozess gegen die beiden mutmaßlichen Täter – dem 40 Jahre alten Markus B. und seinem 62-jährigen Komplizen Norbert K.. Der Jüngere soll Anneli-Marie am Tag nach der Entführung getötet haben - trotz der Bereitschaft ihres Vaters, zu zahlen, und ohne Billigung von Norbert K..
Die beiden Kidnapper sollen der Jugendlichen am Nachmittag des 13. August im kleinen Dorf Luga, wo sie mit der Familienhündin Paula und ihrem Rad unterwegs war, aufgelauert haben. Wenig später erhielt Anneli-Maries Vater einen Anruf. Der Mann am anderen Ende - laut Anklage Markus B. - verlangte 1,2 Millionen Euro Lösegeld. Im Hintergrund waren damals Schreie zu hören - erst später zeigte sich, das dies das letzte Lebenszeichen von Anneli-Marie war. Ihre Entführer wollten das Lösegeld per Online-Banking überwiesen haben - in dieser Höhe eine Sache der Unmöglichkeit.
Tätern droht lebenslange Haft
Eine fieberhafte Suche mit Hubschraubern und Spürhunden begann. Weitere Anrufe der Täter folgten, dann brach der Kontakt ab. Die Ermittler gingen mit einem Zeugenaufruf an die Öffentlichkeit. Das SEK durchkämmte Höfe und Wälder - auch den in Lampersdorf. Allerdings ohne Erfolg.
Doch dort, in einer Scheune auf dem Hof, soll Anneli, mit Äther betäubt, auf einem Plastikstuhl gefesselt gefangen gehalten worden sein. Laut Anklage hat Markus B. am Mittag des Tages nach der Entführung der Schülerin eine Plastiktüte über den Kopf gestülpt und mit Kabelbindern und einem Spanngurt erstickt. Danach fuhr er zu seiner Familie nach Bayern.
DNA-Spuren, die an Anneli-Maries Fahrrad gesichert wurden, brachten schließlich den Durchbruch. Ein Abgleich führte zu Markus B., sein Handy wurde in Bayern geortet, wo er vier Tage nach der Entführung festgenommen wurde. Seinen Kumpan Norbert K. fasste die Polizei zur gleichen Zeit in Dresden. Bei der Vernehmung gestand Norbert K. die Entführung und belastete Markus B. schwer. Er selbst habe vom Mord nichts gewusst, wisse aber, wo die Leiche liegt. Am Abend des 17. August 2015 wird diese auf dem verlassenen Grundstück des 40-Jährigen hinter einer Mauer gefunden.
Markus B. muss sich wegen Mordes, sein Komplize Norbert K. "nur" wegen erpresserischen Menschenraubes mit Todesfolge verantworten. Beiden droht lebenslange Haft. Die 1. Große Strafkammer hat vorerst 15 Verhandlungstage geplant, will 21 Zeugen hören und voraussichtlich Ende August urteilen. Drei Gutachter werden im Prozess sitzen: ein Pathologe und zwei Psychiater.
Anneli-Maries Eltern und große Schwester sind Nebenkläger im Prozess. Auf der Gedächtnisseite für Anneli-Marie schreiben sie: "Eine gerechte Strafe wird es für solche Kindermörder - Monster in unseren Augen - kaum geben. Wir wollen gemeinsam unsere Abscheu ausdrücken und die Höchststrafe kämpfen."