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"Verstoß gegen Verhaltenskodex" Ärzte wollen Vergewaltiger nicht kastrieren

Unterschiedliche Medikamente, darunter überlagerte Kapseln, sind am wahllos zu einem bunten Wirrwarr aufgehäuft. Foto: Hans-Jürgen Wiedl/Archivbild

Bei einer "chemischen Kastration" wird der Sexualtrieb mit Medikamenten dauerhaft unterdrückt.

(Foto: Hans-Jürgen Wiedl/dpa-Zentralbild/dpa)

Weil er neun Kinder sexuell missbraucht hat, wird ein Pädophiler aus Indonesien von einem Gericht zu einer chemischen Kastration verurteilt. Der 20-Jährige erklärt, lieber sterben zu wollen. Auch die Ärzte weigern sich, das Urteil zu vollstrecken.

Wegen der Vergewaltigung mehrerer Kinder ist ein Indonesier dazu verurteilt worden, sich kastrieren zu lassen - jetzt findet sich allerdings kein Arzt, der das machen würde. Der 20-jährige Mann aus dem Osten der Insel Java wurde im Juli von einem Gericht für schuldig befunden, neun Kinder sexuell missbraucht zu haben.

Die Richter verhängten zwölf Jahre Haft. Zudem ordneten sie an, dass sich der Mann mit Medikamenten oder Hormonen behandeln lassen muss, die seinen Sexualtrieb dauerhaft unterdrücken. Im Unterschied zu vielen anderen Ländern - auch Deutschland - ist eine solche sogenannte chemische Kastration gegen den eigenen Willen in Indonesien grundsätzlich erlaubt. Die Behörden scheiterten jedoch daran, einen Mediziner zu finden.

Indonesiens Ärzteverband erklärte nun: "Unsere Haltung ist klar. Dies wäre ein Verstoß gegen die Grundsätze des Arztberufs und gegen den Verhaltenskodex." Der Mann selbst erklärte, lieber sterben zu wollen als sich kastrieren zu lassen. "Ich lehne eine medizinische Kastration ab, weil die Folgen das ganze Leben lang dauern können", sagte er dem Online-Portal Tribunnews. "Lieber verbringe ich 20 Jahre im Gefängnis oder werde zum Tode verurteilt."

Nach der Gruppenvergewaltigung und Ermordung eines 14-jährigen Mädchens wurden die Strafen für Kindesmissbrauch in Indonesien drastisch verschärft. Vergewaltigern von Minderjährigen drohen nun chemische Kastrationen oder gar die Todesstrafe. Kinderschändern können zudem nach der Haftentlassung zum Tragen elektronischer Chips gezwungen werden.

Quelle: n-tv.de, lri/dpa/AFP

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