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Bluttat in Brüssel Attentäter überfallen Jüdisches Museum

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Ein Tatverdächtiger wurde inzwischen festgenommen.

AP

In der belgischen Hauptstadt Brüssel schießt ein unbekannter Täter am Jüdischen Museum um sich und tötet drei Menschen. Die Polizei hat einen Verdächtigen im Visier. Zeuge des Attentats wird der Außenminister, der nebenan im Café sitzt.

Ein Mann hat im Jüdischen Museum in der Brüsseler Innenstadt drei Menschen erschossen. Eine weitere Person wurde schwer verletzt und ins Krankenhaus eingeliefert. Der Mann sei in einem "extrem kritischen Zustand", hieß es. Zwei der Toten waren Touristen aus Israel, bestätigte das israelische Außenministerium. Es handele sich um ein Paar aus Tel Aviv. Die Leichen sollten in die Heimat überführt werden.

Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen die Festnahme eines Verdächtigen bestätigt, der den Tatort mit einem Auto verließ. Die Ermittler fahnden nach einem weiteren Mann, der zu Fuß flüchtete. Augenzeugen berichteten von einem Mann, der mit einem Rucksack in das Museum kam, um sich schoss und dann die Flucht ergriff.

Auf die Frage von Journalisten, ob es sich um ein antisemitisches Attentat handele, sagte Ministerin Milquet: "Es gibt eine starke Vermutung." Aber es sei Sache der Ermittler, dies festzustellen. Sie kündigte verstärkten Polizeischutz für jüdische Einrichtungen an. Die tödlichen Schüsse eines Unbekannten am Vortag würden in Israel als Terroranschlag eingestuft, so das Außenministerium in Jerusalem. Regierungschef Benjamin Netanjahu verurteilte die Tat als Folge der Aufstachelung gegen Juden.

"Klar gegen Juden gerichtet"

Der Jüdische Weltkongress (WJC) verurteilte den Anschlag als eine "abscheuliche terroristische Tat". Diese habe sich klar gegen Juden gerichtet, erklärte WJC-Präsident Ronald Lauder. Das Museum hatte vor neun Jahren eröffnet. Es hat eine bedeutende Sammlung mit Objekten der jüdischen Tradition. Die Bluttat überschattet die anstehenden Parlaments-, Regional- und Europawahlen in Belgien.

Außenminister Didier Reynders hielt sich zum Zeitpunkt nach eigenen Angaben etwa 100 Meter entfernt in einem Lokal auf. Reynders sagte der Deutschen Presse-Agentur an Ort und Stelle: "Ich habe mehrere Schüsse gehört. Ich bin zu dem Museum gelaufen und habe im Eingang zwei Menschen liegen sehen. Ich habe die Rettungsdienste und die Polizei angerufen." Reynders zeigte sich im Kurzbotschaftendienst Twitter "schockiert von den Morden". Weiter schrieb er: "Ich bin in Gedanken bei den Opfern, die ich dort gesehen habe, und bei ihren Familien."

Die vom sozialistischen Premier Elio Di Rupo geführte Regierung stellte sich in einer Erklärung hinter die jüdische Gemeinschaft. "Unser Land und alle Belgier, welche Sprache, welchen Ursprung und welchen Glauben sie haben mögen, sind vereint und solidarisch gegenüber einem Angriff in einer jüdischen Kultureinrichtung", schrieb die Regierung.

In der Brüsseler Innenstadt waren zur Tatzeit viele Menschen unterwegs. Auf dem nahe gelegenen Sablon-Platz lief das Brüsseler Jazzmarathon-Festival zunächst weiter, wurde dann aber unterbrochen.

Quelle: n-tv.de, nsc/jwu/dpa

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