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Parasitenmittel gegen Covid-19? Australien warnt Impfgegner vor Ivermectin

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Ivermectin wird vor allem in der Tiermedizin eingesetzt, um Parasiten und Würmer abzutöten.

(Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Sie wollen sich nicht impfen lassen, vertrauen aber auf ungeprüfte Medizin gegen Covid-19: In Australien nehmen die Einfuhren des Pferdemittels Ivermectin drastisch zu - wie zuvor schon in den USA.

In Australien haben sich die Einfuhren von Ivermectin im August verzehnfacht - mutmaßlich, weil viele Menschen das Entwurmungsmittel im Selbstversuch als Medikament gegen eine Covid-19-Erkrankung einnehmen wollen. Das teilte die staatliche Regulierungsbehörde für therapeutische Arzneimittel TGA mit. Demnach war das Mittel im freien Verkauf bereits ausverkauft. Die TGA warnt die Bevölkerung "eindringlich vor der Selbstmedikation mit dem Mittel", weil es gesundheitsgefährdend sein könne. Es sei weder in Australien noch in einem anderen OECD-Land für die Behandlung von Covid-19 zugelassen.

Ivermectin wird hauptsächlich in der Tiermedizin eingesetzt, um Pferde, Rinder, Schafe oder Schweine zu entwurmen. Unter anderem in Afrika kommt es auch im Kampf gegen die Humankrankheiten Flussblindheit und Elephantiasis zum Einsatz, die ebenfalls durch Parasiten verursacht werden. Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie wird untersucht, ob der Wirkstoff auch gegen Covid-19 helfen könnte. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hält die bisherigen Erkenntnisse aber für nicht schlüssig und ausreichend. Sie empfiehlt, das Medikament in klinischen Studien weiter zu testen.

"Hört auf damit"

Das Interesse vieler Covid-19-Patienten an Ivermectin hat seine Ursprünge in den USA. Prominente Impfgegner, aber auch mehrere Moderatoren des rechtskonservativen TV-Senders Fox News haben das Mittel öffentlich als mögliches Heilmittel im Falle einer Erkrankung bezeichnet. Nach Angaben des amerikanischen Rundfunksenders NPR ist es deshalb zu einem drastischen Anstieg von Ivermectin-Vergiftungen gekommen. Immer mehr Menschen würden deshalb in der Notaufnahme behandelt, heißt es. Von Juli bis August seien die Zahlen einer solchen Vergiftung von 133 auf 459 angestiegen. Auch in der australischen Großstadt Sydney musste mindestens ein Covid-19-Patient nach einer Selbstmedikation mit Ivermectin im Krankenhaus behandelt werden.

Angesichts dieser besorgniserregenden Entwicklung hat die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA zuletzt eine deutliche Warnung für Ivermectin ausgesprochen. "Du bist kein Pferd. Du bist keine Kuh", schrieb sie auf Twitter. "Ernsthaft, Leute. Hört auf damit." Um die Gefahren zu verdeutlichen, führte die Behörde mögliche Nebenwirkungen auf, die nach der Einnahme auftreten können: Hautausschlag, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Schwellungen am ganzen Körper, Krampfanfälle, Leberentzündungen (Hepatitis) und mehr.

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Auch in Australien wird Ivermectin allerdings von einflussreichen Kanälen als Behandlungsmethode gegen Covid-19 angepriesen. So hat Youtube jüngst den Kanal von Sky News Australia für eine Woche gesperrt, nachdem der Sender wiederholt falsche Informationen über das Coronavirus verbreitet hatte. So wurde in mehreren Youtube-Videos, die Sky News Australia hochgeladen hatte, die Existenz von Covid-19 geleugnet oder dazu aufgerufen, im Falle einer Erkrankung das Malariamittel Hydroxychloroquin oder Ivermectin einzunehmen. Wie Fox News gehört Sky News Australia zum Imperium von Medienzar Rupert Murdoch.

Anfang August erklärte der frühere konservative australische Politiker Cory Bernardi auf Twitter: "Ivermectin wird euch befreien."

Quelle: ntv.de, chr

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