Panorama

Tödliche "Cold Water Challenge"Baggerfahrer bricht vor Gericht zusammen

25.09.2015, 16:37 Uhr
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Unglück mit tödlichem Ausgang: Mit 1800 Litern Wasser ist der Lader überladen und kippt vorne über - auf die Menschen, die unter der Schaufel stehen. (Foto: dpa)

Die "Cold Water Challenge" sollte ein lustiges Video fürs Internet werden. Doch dann stirbt ein Kegelbruder vor den Augen seiner Freunde. Der Angeklagte muss das Unglück nun noch einmal vor Gericht Revue passieren lassen.

Mehr als ein Jahr nach einem tödlichen Bagger-Unfall bei einer "Cold Water Challenge" hat der Fahrer im Prozess gegen ihn das Unglück unter Tränen geschildert. Der Bagger sei mit der Schaufel voran in die Gruppe seiner Kegelfreunde gestürzt, sagte er vor dem Amtsgericht Bocholt. Er habe aus der Fahrerkabine mit ansehen müssen, wie Mütter mit Kindern flüchteten - und wie ein Freund erschlagen wurde. Während seiner Aussage rang der 37-Jährige minutenlang um Fassung.

Der Kegelclub hatte im Juli 2014 in Isselburg im westlichen Münsterland filmen wollen, wie aus einem Teleskoplader Wasser über die Gruppe geschüttet wird. Mit 1800 Litern war das Fahrzeug aber überladen und kippte vornüber auf die Kegelgesellschaft. Ein 34-jähriger Familienvater wurde von der Baggerschaufel erschlagen, weitere Menschen wurden verletzt.

Mit der Frau seines getöteten Kegelbruders sei er immer noch gut befreundet, sagte der 37-Jährige.

Die Witwe und auch die verletzten Kegelbrüder hätten ihm nie Vorwürfe gemacht. Auch der Richter ließ beim ersten Prozesstag deutliche Zweifel, ob der 37-Jährige und der ebenfalls angeklagte Besitzer des Fahrzeugs strafrechtlich zu Verantwortung gezogen werden sollten. Er schlug vor, das Verfahren gegen eine Geldauflage einzustellen. Die beiden Angeklagten würden damit nicht verurteilt.

Baggerfahrer und Besitzer sind angeklagt

Weil die Staatsanwaltschaft dem Vorschlag aber noch nicht zustimmte, wird es eine Entscheidung erst nächste Woche geben. Angeklagt sind der 37-jährige Baggerfahrer und der 51 Jahre alte Besitzer des Fahrzeugs wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung. Dem Besitzer des Fahrzeugs wirft die Staatsanwaltschaft vor, den Fahrer nicht ausreichend eingewiesen zu haben. Außerdem habe ein Signal, das den Fahrer vor einer Überladung der Schaufel warnen sollte, nicht funktioniert.

Bei der "Cold Water Challenge" haben sich Vereine gegenseitig aufgerufen, etwas mit kaltem Wasser zu veranstalten und das Ganze möglichst witzig auf Video festzuhalten. Wer sich dem Wettstreit nicht stellen wollte, sollte den Verein, von dem er nominiert wurde, zur Grillparty einladen.

Quelle: ntv.de, kpi/dpa

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