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Explosion bei Test in Russland Behörde gibt höhere Strahlung zu

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Russische Militärmusiker spielten auf der Trauerfeier der fünf verstorbenen Atomrüstungsexperten.

(Foto: AP)

Fünf Tage nach dem atomaren Unfall auf einem Militärstützpunkt am Weißen Meer gibt die russische Wetterbehörde an: In der betroffenen Gegend ist weit mehr Radioaktivität freigesetzt worden als bislang bekannt. Rätselhaft ist zudem eine angeordnete Evakuierung.

Bei der Explosion eines Raketenmotors mit sieben Toten im Norden Russlands ist über einen längeren Zeitraum radioaktive Strahlung freigesetzt worden als bislang bekannt. Das in der Natur vorkommende Niveau sei in der Spitze um das 16-Fache überschritten worden, teilte der russische Wetterdienst Rosgidromet mit. Erhöhte Werte seien innerhalb von zwei Stunden gemessen worden. Die Werte seien jedoch noch am selben Tag wieder in den Normalbereich gesunken.

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Die Verwaltung der nordrussischen Stadt Sewerodwinsk am Weißen Meer hatte zuvor lediglich von einem kurzzeitigen Anstieg von bis zu einer Stunde gesprochen. Viele Menschen deckten sich danach mit Jodtabletten ein. Es gab auch im Ausland die Befürchtung, dass die russischen Behörden - wie in der Vergangenheit - nicht über das wahre Ausmaß informiert hätten.

Der Wetterdienst gab den Höchstwert der atomaren Verstrahlung mit 1,78 Mikrosievert pro Stunde an. Der natürliche Wert im Raum von Sewerodwinsk liege bei 0,11 Mikrosievert. Die Umweltorganisation Greenpeace sprach unter Berufung auf die Stadt von 2,0 Mikrosievert pro Stunde. Deren Experten hielten den Wert "an sich für nicht dramatisch". Es komme vielmehr darauf an, welche strahlenden Stoffe freigesetzt worden seien. Dazu gebe es aber keine offiziellen Angaben. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) steigt das Krebsrisiko jedoch erst ab 50.000 Mikrosievert.

"Isotopische Energiequelle" getestet

Der Kreml versicherte, dass alle Behörden die vollständige Sicherheit der Bevölkerung gewährleistet hätten. "Daran sollte kein Zweifel bestehen", sagte Sprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge.Wie CNN unter Berufung auf die russische Nachrichtenagentur Ria-Novosti berichtet, wurden Bewohner des Dorfes Njonoksa aufgefordert, den Ort am Mittwochmorgen zu verlassen. Das Dorf liegt 30 Kilometer von der Hafenstadt Sewerodwinsk entfernt, nahe dem Unglücksort. Ein Korrespondent der Zeitung "Nowaja Gaseta" berichtete CNN zufolge, dass Armeevertreter den Dorfbewohnern gesagt hätten, die zweistündige Evakuierung am Mittwochmorgen habe nichts mit dem Unfall zu tun.

Zu dem Vorfall kam es am vergangenen Donnerstag in der Nähe der Hafenstadt Sewerodwinsk nahe Archangelsk während eines Raketentests auf einer Plattform im Meer. Die Explosion ereignete sich der Atombehörde Rosatom zufolge, als Treibstoff in Brand geriet. Rosatom teilte mit, seine Beschäftigten seien damit beauftragt gewesen, neue Waffen zu testen und technische Unterstützung für die "isotopische Energiequelle" einer Rakete zu leisten. US-Spezialisten vermuteten, dass Russland an einer neuen atomar betriebenen Rakete arbeitet.

Quelle: n-tv.de, fzö/dpa/AFP

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