Panorama

Wie eine Zeitreise Belgier findet 30 Oldtimer unter der Erde

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In einem Stollen in Frankreich entdeckt ein Belgier ein regelrechtes Auto-Grab.

flickr/Vincent Michel

Für ein paar Fotos betritt Vincent Michel einen verlassenen Stollen. Was er dann entdeckt, übersteigt selbst die Vorstellungskraft des erfahrenen Hobbyfotografen. Denn irgendjemand hat dort vor Jahren einen Schatz zurückgelassen.

Eigentlich war der Belgier Vincent Michel auf der Suche nach einem verborgenen Steinbruch. Diesen fand er auch. Doch über das, was er dort entdeckte, konnte der erfahrene Hobbyfotograf selber nur staunen: Unter der Erde parkten Dutzende Oldtimer. Die meisten von ihnen Modelle aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg.

Der 56-jährige Michel ist hauptberuflich Sportlehrer. Doch in seiner Freizeit ist er sogenannter Urbexer. Menschen wie er sind auf der Suche nach Orten, an denen jahrelang niemand war. Orte wie Katakomben, Dächer oder Ruinen, wo sich in der Regel niemand hin verirrt.

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Die Autos sind durch die vielen Jahrzehnte im Stollen von Rost zerfressen.

(Foto: flickr/Vincent Michel)

Michel hatte von einem Gerücht gehört, in dem von einem verlassenen Stollen in Zentralfrankreich die Rede war. Das klang nach einem weiteren guten Fotomotiv für seine umfangreiche Sammlung. Und dann entdeckte Michel etwa 30 Fahrzeuge, die offenbar seit mehr als 70 Jahren unter der Erde parkten. "Bei dem Anblick fühlte ich mich, als hätte ich eine Zeitreise gemacht und fragte mich, was um alles in der Welt es mit den Autos auf sich hat", so der 56-Jährige, über den etliche internationale Medien berichten.

Der Großteil der Fahrzeuge stammt von französischen Herstellern wie Citroën, Renault und Peugeot. Einige Fabrikate lassen sich aber nicht mehr eindeutig bestimmen. Denn der feuchte Stollen hat den Fahrzeugen erheblich zugesetzt. Außerdem war Michel offenbar nicht der erste, der die Fahrzeuge entdeckte. Denn die Autos sind bereits ausgeschlachtet, oftmals ist nur noch die rostige Karosserie übrig.

1940 vor den Deutschen versteckt?

Es kann nur darüber spekuliert werden, wie und warum die Fahrzeuge in den Stollen gebracht wurden. Michel vermutet, dass die Fahrzeuge 1940 versteckt wurden. Seinerzeit wurde Frankreich von der deutschen Wehrmacht angegriffen und besetzt. Die Franzosen versteckten deswegen ihre Wertgegenstände, um zu verhindern, dass sie den Besatzern in die Hände fielen. Deswegen könnten die Autos in den Stollen gefahren worden sein. Dort wurden sie dann nie wieder hervorgeholt. Vielleicht weil sie nicht mehr fahrtüchtig waren.

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Die Fahrzeuge sind schon erheblich ausgeschlachtet.

(Foto: flickr/Vincent Michel)

Allerdings ist die Theorie nicht in allen Punkten stichhaltig. Denn: Neben Modellen aus Vorkriegsjahren stehen in dem Stollen auch modernere Fabrikate. Auf den Fotos ist unter anderem ein Opel Kapitän aus den frühen Sechzigerjahren sowie ein Citroën Typ H zu sehen, dessen Produktion erst im Juni 1948, also drei Jahre nach Kriegsende, anlief. Doch dafür hat Michel eine Erklärung: "Wahrscheinlich hat der spätere Besitzer der Mine noch ein paar Autos hier abgestellt, ehe er verstarb und die Geschichte damit völlig in Vergessenheit geriet."

Vincent Michel wird jedenfalls weiterhin nach verlassenen Orten forschen und sie im Bild für sein Publikum festhalten. "Der Stollen in Frankreich war wirklich eine einzigartige Erfahrung, und ich hoffe, ich werde in Zukunft noch mehr solcher Plätze finden", schreibt er.

Quelle: n-tv.de, kpi