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Angriff vor der libyschen Küste Bericht: Küstenwache attackiert Flüchtlinge

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Die Sea-Watch 2 lief Ende März aus dem Hamburger Hafen aus und ist seitdem im Mittelmeer im Einsatz.

(Foto: picture alliance / dpa)

Als private Hilfsinitiative ist Sea-Watch im Mittelmeer im Einsatz, um Flüchtlinge zu retten. In der Nacht zu Freitag wollen die Retter einem völlig überladenen Boot vor der libyschen Küste helfen, als plötzlich ein drittes Boot angreift.

Vor der libyschen Küste sind bei einem Angriff auf ein Flüchtlingsboot nach Angaben der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch mindestens zehn Menschen getötet worden. 15 weitere Flüchtlinge würden noch vermisst, sagte ein Sprecher der Organisation in Rom. Demnach wurde das Flüchtlingsboot von einem Schiff mit dem Zeichen der libyschen Küstenwache darauf angegriffen.

Zum dem Angriff kam es nach Angaben von Sea-Watch in der Nacht zu Freitag. Die Organisation sei von der italienischen Küstenwache zu Hilfe gerufen worden, um ein völlig überladenes Flüchtlingsboot mit 150 Menschen an Bord zu retten, heißt es. Das Boot habe sich etwa 14 Seemeilen vor der libyschen Küste in internationalen Gewässern befunden.

Die Mannschaft habe dann begonnen, Schwimmwesten an die Flüchtlinge auszugeben, berichtete der Sprecher von Sea-Watch. Plötzlich sei das Schnellboot mit dem Zeichen der libyschen Küstenwache aufgetaucht. Die Männer darauf hätten nur Arabisch gesprochen, das Flüchtlingsboot geentert und mit Knüppeln auf die Flüchtlinge eingeschlagen. Unter den Flüchtlingen sei Panik ausgebrochen, ihr Boot sei gekentert und ein Großteil der Menschen sei ins Wasser gestürzt.

Den Angaben zufolge konnte die Sea-Watch-Mannschaft 120 Flüchtlinge retten. Eine zweistellige Zahl von Menschen sei jedoch ertrunken.

Nicht der erste Vorfall

Die italienische Küstenwache bestätigte die Rettung von 120 Flüchtlingen durch Sea-Watch, über die Umstände konnte sie keine Auskunft geben. Ein Sprecher der libyschen Marine in Tripolis erklärte, er habe nichts von dem Vorfall gehört. Auch ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr konnte nichts zu dem Vorfall sagen.

Mitte August hatte bereits das Rettungsschiff "Bourbon Argos" von Ärzte ohne Grenzen einen Vorfall mit der libyschen Küstenwache gemeldet. Bewaffnete hätten von einem Speedboot in mehrere hundert Metern Entfernung zunächst auf das Schiff gefeuert und seien dann an Bord gekommen, teilte die Hilfsorganisation damals mit. Etwa 50 Minuten später hätten sie das Schiff verlassen, ohne etwas mitzunehmen. Die Helfer hätten solange in einem geschützten Bereich ausgeharrt. Nach dem Zwischenfall war unter anderem das deutsche Versorgungsschiff "Werra" zur Position der "Bourbon Argos" geeilt.

Quelle: n-tv.de, chr/AFP/rts

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