Panorama

Wegen vieler ReiserückkehrerBerlin stößt bei Testkapazitäten an Grenzen

24.08.2020, 12:32 Uhr
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Ein erheblicher Teil der Corona-Infektionen geht auf Reiserückkehrende zurück. (Foto: picture alliance/dpa)

In Berlin gehen die Corona-Tests zur Neige. Das sagt die Gesundheitssenatorin Kalayci und verweist auf die massiven Testungen der vielen Reiserückkehrer. Kritik an der Methode weist sie allerdings zurück - die Zahlen würden zeigen, dass das Testen an Flughäfen und Bahnhöfen wichtig sei.

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci hat eingeräumt, dass die Kapazitäten für Tests auf Covid-19 in Berlin an Grenzen stoßen. Sie seien durch die massiven Testungen der Reiserückkehrenden ausgeschöpft. "Wir sind jetzt bei 93 Prozent", sagte die SPD-Politikerin im Gesundheitsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Hinzu komme die Information durch die Labore, dass die Knappheit von Verbrauchsmaterialien die Testkapazitäten weiter einschränken werde.

Das Gesundheitsministerium hat eine Überprüfung der Test-Strategie nach dem Ende der Reise-Saison angekündigt. Ein Sprecher warnt in Berlin vor einer Überlastung des Systems, wenn es weiter auf Hochlast gefahren werde. Derzeit gebe es eine "theoretische Testkapazität" von 1,2 Millionen Tests pro Woche. Aktuell sei man bei 875.000 tatsächlichen Tests pro Woche, sagte der Sprecher. "Die Labore sind aktuell stark belastet." Wenn man dieses Niveau aufrechterhalte, seien personelle und materielle Engpässe zu befürchten. "Es wäre dann absehbar, dass das System an seine Grenzen stößt."

In den Ländern sei die Situation unterschiedlich. "Es ist ein Thema, das muss man einfach zur Kenntnis nehmen. Wir werden uns heute in der GMK-Schalte austauschen, wie wir weiter verfahren mit den Reiserückkehrenden." Die Gesundheitsminister der Länder wollen sich bei einer Schaltkonferenz am Nachmittag austauschen.

Berlins Bürgermeister Müller will über Kapazitäten beraten

Die Konferenzvorsitzende Kalayci verteidigte die Entscheidung, Tests für Reiserückkehrer etwa an Flughäfen und Bahnhöfen einzuführen. "Es war Konsens bundesweit, hier einen Fokus zu setzen, weil wir über die Reiserückkehrenden ein Einschleppungsrisiko gesehen haben." Die Zahlen in Berlin und bundesweit in den letzten Wochen bestätigten das auch. Ein erheblicher Teil der Infektionen gehe auf Reiserückkehrende zurück.

"Auf der einen Seite zeigen die Testungen an den beiden Flughäfen, am ZOB und Hauptbahnhof, dass ein Prozent ungefähr positiv sind. Man kann sagen, das ist eine sehr geringe Quote", erklärte Kalayci. "Auf der anderen Seite, wenn man einige Zehntausend Testungen macht, dann geht es um einige Hundert Positive, die so identifiziert werden. Ich glaube, das ist es tatsächlich wert. Ich finde diesen Beschluss der Gesundheitsminister nach wie vor richtig."

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller sieht Abstimmungsbedarf zwischen Bund und Ländern bei den Corona-Tests für Reiserückkehrer. Bei der Videokonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel an diesem Donnerstag müsse eine Rolle spielen, "wie wir zu mehr Kapazitäten kommen, wenn wir sagen, wir wollen die Tests hochfahren", sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Darüber zu Verabredungen zu kommen, sei ihm wichtig.

Ähnlich wie der Virologe der Berliner Charité, Christian Drosten, hält Hamburgs Bürgermeister Tschentscher kostenlose Tests für Reiserückkehrer für falsch. "Die Test-Kapazitäten sind begrenzt, deswegen sollte nicht ziellos getestet werden, sondern in den Fällen, in denen es erforderlich, es sinnvoll ist, dringlich ist", sagte Tschentscher mit Verweis auf Fälle, in denen ein besonderes Infektionsrisiko bestehe oder wo es typische Symptome gebe.

Quelle: ntv.de, vmi/dpa/rts

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