Panorama

Engpässe bei Kontaktermittlung Berlin und vier Kreise bereits überlastet

136223374.jpg

Im Corona-Behandlungszentrum auf dem Berliner Messegelände telefonieren Bundeswehrsoldaten die Kontakte von Infizierten ab.

(Foto: picture alliance/dpa)

Eine rigorose Kontaktverfolgung gilt als schärfste Waffe im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Nun belegt ein vertrauliches Papier, dass einige deutsche Kreise bei den Infektionsketten nicht mehr hinterherkommen. Auch die Hauptstadt ist dabei.

Vier Landkreise und das Land Berlin sind zuletzt mit der Verfolgung von Kontakten von Corona-Infizierten nicht mehr hinterhergekommen. Das geht aus einem vertraulichen Regierungspapier zur Infektionslage in Deutschland hervor, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Es ist auf den Montag datiert, die Angaben zur Überlastung geben allerdings den Stand vom 6. Oktober wieder. "Durchführung von Infektionsschutzmaßnahmen absehbar nicht mehr sichergestellt" steht zur Erläuterung auf einer Karte, in der die betroffenen Kreise und das Land Berlin markiert sind.

Unterstützungsbedarf meldeten demnach der schleswig-holsteinische Landkreis Pinneberg an, das Land Berlin, der Lahn-Dill-Kreis und der Kreis Offenbach in Hessen sowie der Landkreis Esslingen in Baden-Württemberg. In allen Fällen gab es demnach Engpässe bei der Nachverfolgung von Kontaktpersonen, in Berlin zusätzlich unter anderem auch bei der Betreuung und Überwachung von Menschen in Quarantäne und der Entnahme von Abstrichen für Tests. Als Reaktion sollte das Robert Koch-Institut Mitarbeiter in Berliner Behörden entsenden, der Lahn-Dill-Kreis leitete die Suche nach zusätzlichen Mitarbeitern ein.

Dabei unterstützt die Bundeswehr die Kommunen bei der Nachverfolgung von Kontakten bereits täglich mit bis zu 1400 Soldaten. Laut Streitkräftebasis der Bundeswehr liegt hier der Schwerpunkt der Amtshilfe-Leistungen für die Gesundheitsämter. Von den mehr als 1000 Amtshilfeersuchen von Kommunen in der Corona-Pandemie seien 67 Prozent positiv beschieden worden. Schon jetzt sei die Zahl der Amtshilfeanträge an die Bundeswehr wegen der pandemiebedingten Anfragen mehr als dreimal so hoch wie im gesamten Vorjahr. Notfalls könnte die Bundeswehr mit bis zu 15.000 Personen bei der Bekämpfung des Coronavirus helfen. Das gab ein Sprecher des Verteidigungsministeriums bekannt.

Zwei Berliner Ampeln auf Rot

Derweil zeigen in Berlin bereits zum zweiten Mal innerhalb einer Woche zwei Corona-Ampeln auf Rot. Neben der - mittlerweile schon dauerhaft - hohen 7-Tage-Inzidenz gilt auch die Reproduktionszahl des Virus als kritisch. Nach einer Mitteilung des Senats steht der Reproduktionswert für die Hauptstadt bei 1,2. Damit geben zehn mit Corona infizierte Personen in Berlin das Virus durchschnittlich an zwölf Personen weiter. Am vergangenen Dienstag sprang diese Ampel zum ersten Mal seit ihrer Einführung auf die höchste Stufe. Dauerhaft rot ist auch die Ampel für die 7-Tage-Inzidenz. Dieser Wert soll berlinweit nicht über 50 liegen. Am Montag betrug er 63,2. Am stärksten betroffen sind die Bezirke Neukölln (138,8), Mitte (103,2) und Tempelhof-Schöneberg (88,6). Die niedrigsten Werte haben die drei östlichen Bezirke Lichtenberg (22,1), Marzahn-Hellersdorf (22,2) und Treptow-Köpenick (26,7).

Nachdem der Start der Herbstferien für viele Hauptstädter ins Wasser gefallen ist, warf CDU-Fraktionschef Burkard Dregger dem Senat vor, schuld an den Beherbergungsverboten zu sein. Der Regierende Bürgermeister, Michael Müller, beklage die Verbote, trage aber selbst die Verantwortung dafür, kritisierte Dregger. "Der Senat hat es zu verantworten, dass die Infektionszahlen den vereinbarten Grenzwert übersteigen." Denn er setze die Infektionsschutzregeln in Berlin nicht ausreichend durch.

"Der Regierende Bürgermeister hat zu verantworten, dass Berlin als Ganzes dem Beherbergungsverbot unterliegt, obwohl viele Bezirke noch unterhalb der Risikogrenze liegen und zumindest für diese auch heute gar kein Beherbergungsverbot bestehen müsste", argumentierte Dregger. Und Müller sei es auch zuzuschreiben, dass es für reisewillige Berliner nicht möglich ist, sich in der Stadt innerhalb von 48 Stunden auf Corona testen zu lassen und die Testergebnisse zu bekommen, um dem Beherbergungsverbot zu entgehen.

Quelle: ntv.de, mau/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen