Panorama

Reproduktionsfaktor zu hoch Berliner Infektionsampel springt auf Rot

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In Berlin könnten die gelockerten Ausgangsregeln bald wieder verschärft werden.

(Foto: imago images/Seeliger)

Anfang Juni könnten in Thüringen und Sachsen die bundesweiten Corona-Beschränkungen bereits aufgehoben werden. In Berlin sieht es anders aus. Dort hat einer von drei Indikatoren der sogenannten Infektionsampel den festgelegten Wert bereits überschritten.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow will bereits ab dem 6. Juni bundesweit geltende Corona-Beschränkungen wie das Tragen von Mund-Nasen-Schutz und Abstandsregelungen aufheben und durch regionale Regeln ersetzen. Ähnliches ist für Sachsen geplant. In Berlin sieht die Lage dagegen etwas anders aus: Die Infektionsampel, anhand derer der Senat das Infektionsgeschehen in der Hauptstadt bewertet, liegt mit einem von drei Indikatoren - dem Reproduktionsfaktor R - bereits seit drei Tagen über dem festgelegten Grenzwert.

Dass R nun bei 1,37 und damit zum dritten Mal in Folge über dem Wert von 1,2 liege, könne ein Indiz für einen Trendwechsel bei den Neuinfektionen sein, sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci im Gesundheitsausschuss des Abgeordnetenhauses. Man müsse nun schauen, ob sich Werte in dieser Höhe verfestigten. Die Entwicklung sei wegen möglicher Schwankungen bei niedrigen Infektionszahlen aber mit Vorsicht zu genießen, sagte Kalayci. Die Zahl der bekannten Corona-Fälle in Berlin war von Samstag auf Sonntag um nur fünf auf 6641 gestiegen.

Der R-Wert zeigt an, wie viele weitere Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Er bezieht sich auf Infektionen vor 8 bis 13 Tagen. Bleibt der Wert länger stabil über 1, besteht die Gefahr eines wieder exponentiellen Anstiegs der Fallzahlen. Bundesweit lag der am Sonntag vom Robert Koch-Institut gemeldete R-Wert bei knapp unter 1,0.

Berlin hat zur Bewertung der Infektionslage ein Ampelsystem. Die Reproduktionszahl ist dabei einer von drei Indikatoren: Liegt der R-Wert mindestens drei Mal in Folge über 1,2, zeigt diese Ampel Rot. Die beiden anderen Ampeln - für Neuinfektionen im Verhältnis zur Einwohnerzahl und Intensivbettenkapazität - seien derzeit allerdings deutlich unterhalb der gelben Linie, erklärte Kalayci. Erst bei zwei roten Ampeln würden Maßnahmen erforderlich, bei zwei gelben Ampeln gebe es "Erörterungsbedarf".

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Müller: Bei Lockerungen kein Automatismus

Der Senat berät an diesem Dienstag auch über weitere Lockerungen der Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller stellte weitere Lockerungen in Aussicht - wenn der Pandemieverlauf das zulasse. "Natürlich ist uns ein uneingeschränktes Demonstrationsrecht besonders wichtig", sagte Müller. Infrage kämen auch Freizeitbereiche wie Open-Air-Kinos oder Fitnessstudios. Allerdings gibt es Müller zufolge hier keinen Automatismus.

"Weitere mögliche Lockerungen sind vom Infektionsgeschehen in der Stadt abhängig", betonte er. "Der Senat beobachtet den Verlauf hier sehr genau und ordnet die Entwicklung der Pandemie auch mit Hilfe des Ampelsystems ein, das der Senat beschlossen hat und das bundesweit einmalig ist", sagte Müller. "Aber in der kommenden Woche werden wir uns in zwei Senatssitzungen darüber verständigen, wann die nächsten Lockerungen umgesetzt werden können."

Dennoch müsse allen klar sein, dass die Corona-Pandemie längst nicht vorüber sei, so der Regierende Bürgermeister. "Die positiven Entwicklungen der Infektionszahlen sind das Ergebnis unserer Maßnahmen und des besonnenen Verhaltens der Berlinerinnen und Berliner. Diesen Vorsprung dürfen wir nicht verspielen."

Quelle: ntv.de, nan/fzö/dpa