Panorama

Entwarnung am Nachmittag Berliner Intensivbetten-Ampel auf Rot

In jedem vierten Berliner Intensivbett liegt inzwischen ein Corona-Patient. Das entsprechende Warnsystem schlägt am Mittag Alarm. Inzwischen müssen hier mehr Menschen behandelt werden als in der ersten Pandemie-Phase. Erste Spitäler sollen bereits von Rettungsdiensten nicht mehr angefahren werden. Am Nachmittag kommt Entwarnung.

Erstmals seit Einführung des Ampelsystems zur Bewertung der Corona-Lage in Berlin ist der Warnwert für Intensivbetten am Mittag kurzzeitig überschritten worden. Mehr als ein Viertel dieser Betten (25,3 Prozent) in der Hauptstadt war am Samstag mit Covid-19-Patienten belegt, wie aus dem Lagebericht der Gesundheitsverwaltung hervorgeht. Damit stand die Corona-Ampel in Berlin bei zwei Indikatoren auf Rot, wechselte allerdings am Nachmittag wieder auf Gelb. Nach den aktualisierten Werten sind derzeit 24,2 Prozent der Intensivbetten mit Covid-19-Patienten belegt. Bei den Fallzahlen der vergangenen sieben Tage pro 100.000 Einwohner zeigt das Berliner Ampelsystem schon länger Rot an.

Laut Berliner Krankenhausgesellschaft verfügen die Spitäler der Hauptstadt derzeit über 1260 betreibbare Intensivbetten. Kurzfristig könnten 424 weitere Intensivbetten in Betrieb genommen werden. Aktuell werden 1128 Corona-Patienten stationär behandelt. Von denen liegen den weiteren Angaben zufolge 320 auf Intensivstationen, 255 davon müssen beatmet werden. Seit dem 29. Oktober habe sich damit die Zahl der Covid-19-Patienten auf Intensivstation verdoppelt.

Am Vortag hatte der "Tagesspiegel" berichtet, dass wegen vieler Corona-Patienten das Vivantes-Klinikum Neukölln - immerhin eines der größten Krankenhäuser Deutschlands - vor einem Aufnahmestopp stehe. Es soll bei den Rettungsdiensten abgemeldet werden. Dadurch müssten Feuerwehr und Krankentransporter andere Kliniken anfahren. Grund sei, dass 85 Prozent der 1200 Betten belegt seien. Zudem seien auch zwei andere Vivantes-Kliniken, das Humboldt-Krankenhaus in Reinickendorf und das Auguste-Viktoria-Klinikum in Schöneberg bei den Rettungsdiensten abgemeldet, berichtete die Zeitung weiter. Schwer erkrankte Patienten können demnach dort derzeit nicht aufgenommen werden, da die Intensivstationen fast komplett ausgelastet seien.

Sorge um Personalmangel

Die Corona-Ampel berücksichtigt insgesamt drei Indikatoren: die Reproduktionszahl (kurz R-Wert), die Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen und die Auslastung der Intensivbetten mit Covid-19-Patienten. Für jedes Kriterium wurden Grenzwerte definiert. Werden diese mindestens drei Mal in Folge überschritten, wechselt die entsprechende Ampelfarbe auf Gelb oder Rot.

Für den Fall zweier roter Ampeln hatte der Senat vereinbart, dass dies Handlungsbedarf bedeutet. Bereits ab Anfang Oktober waren Corona-Maßnahmen wieder verschärft worden, nachdem die Werte bei den Fallzahlen und der Reproduktionszahl (R-Wert) in den roten Bereich gerutscht waren.

Der R-Wert, der über die Dynamik des Infektionsgeschehens Auskunft gibt, war in den vergangenen Tagen der einzige der drei Indikatoren des Ampelsystems im grünen Bereich. Aktuell steht er bei 0,82. Um die Welle zu brechen, müssten laut Robert Koch-Institut über längere Zeit Werte von deutlich unter 1 erreicht werden - das bedeutet, dass ein Infizierter weniger als einen anderen Menschen ansteckt.

Zuletzt galt die Sorge weniger der Verfügbarkeit von Betten, Beatmungsgeräten und Schutzkleidung - befürchtet wurden vielmehr Engpässe beim Pflegepersonal. Die Versorgung von Covid-19-Patienten gilt als aufwendig, gefürchtet sind zudem Ansteckungen und Quarantäne-Fälle auch in Reihen der Pflegekräfte. Um für solche Lagen gerüstet zu sein, starteten Krankenhäuser kürzlich einen Aufruf, dass sich ehemalige und frei verfügbare examinierte Pflegefachkräfte bewerben sollen. Gleichzeitig wurde betont, man sei gut vorbereitet und habe bessere Voraussetzungen als im Frühjahr.

Derzeit werden mehr Covid-19-Intensivpatienten in Berlin behandelt als während der ersten Pandemie-Phase, wie aus dem Divi-Register hervorgeht: Der damalige Höchststand war demnach im April mit rund 150 Fällen erreicht worden.

Verbund zur Verteilung

Das im Frühjahr errichtete Behandlungszentrum auf dem Messegelände, das seitdem mit 488 Betten im Bereitschaftsmodus ist, kommt laut Gesundheitsverwaltung zum Einsatz, wenn Berlins Krankenhäuser mit nicht-intensivpflichtigen Covid-19-Fällen überlastet sind. Vorrangig sollen dort Menschen mit leichteren Verläufen behandelt werden. Wann es an den Start gehen könnte, ist offen. "Die Lage wird sorgfältig beobachtet. Zu gegebener Zeit wird der Berliner Senat darüber entscheiden", teilte die Gesundheitsverwaltung jüngst mit.

Ein bundesweiter Notfallplan sieht vor, dass Covid-19- Intensivpatienten auch in andere Bundesländer verteilt werden könnten. Berlin bildet dabei einen Verbund mit Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen: Zwischen diesen Bundesländern könnten Betroffene verlegt werden, um eine Überlastung bestimmter Krankenhäuser und Regionen zu verhindern.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa

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