Panorama

Explosion in Bangladesch Berstender Dampfkessel tötet Textilarbeiter

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Bangladesch zählt aufgrund extrem niedriger Produktionskosten zu den "Nähstuben" der internationalen Textilindustrie: Blick auf den Kreisverkehr am Kawran-Basar.

(Foto: REUTERS)

Ein gewaltiger Donnerschlag erschüttert die Millionenmetropole Dhaka: In einer Textilfabrik in Bangladesch hält ein Dampfkessel dem Druck nicht mehr stand. Dach und Außenwände der Firma, die auch für Aldi produziert, stürzen ein.

Bei der Explosion einer Dampfkesselanlage in einer Textilfabrik in Bangladesch sind mehrere Menschen ums Leben gekommen. Dutzende weitere wurden verletzt. Die Druckwelle habe in der Fabrik in einem Industrievorort der Hauptstadt Dhaka Wände und ein Dach zum Einsturz gebracht, teilten die Behörden mit. "Acht Menschen wurden getötet und fast 50 wurden verletzt", bestätigte ein Feuerwehrmann.

Sechs Leichen seien vor Ort geborgen worden, zwei Schwerverletzte seien im Krankenhaus ihren schweren Wunden erlegen, hieß es. Unter den Opfern seien auch Passanten, die zum Zeitpunkt der Explosion in der Nähe des sechsstöckigen Gebäudes gewesen seien.

Arbeiten am Heizkessel

"Es ist ein schreckliches Bild", sagte ein Polizeibeamter, der vor Ort im Einsatz war. Die Wucht der Explosion des Dampfkessels sei so groß gewesen, dass auch Gebäude in der Nähe der Fabrik Schaden genommen hätten.

Nach Informationen des Fabrik-Chefs Mesba Faruqui war die Hauptwerkstatt zu Wochenbeginn geschlossen. Einige Arbeiter hätten aber Reparaturarbeiten an dem Heizkessel beaufsichtigt. Die Fabrik gehört dem Textilhersteller Multifabs, der hauptsächlich für europäische Marken produziert. Zu den Kunden zählen laut Angaben von Multifabs auch Takko Fashion und Aldi-Süd. Eine Takko-Sprecherin wies allerdings darauf hin, dass Takko Fashion die Zusammenarbeit mit Multifabs bereits im Januar 2015 beendet hat.

Erst vor wenigen Tagen hatten die beiden Discounter Aldi-Süd und Aldi-Nord eigenen Angaben zufolge "als erste Lebensmitteleinzelhändler" den sogenannten Folgevertrag des Bangladesch-Abkommens unterzeichnet. Damit habe Aldi "den Brandschutz und die Gebäudesicherheit von Textilfabriken in Bangladesch gestärkt", hieß es. Der Vertrag tritt allerdings erst ab 2018 in Kraft.

"Gemeinsam mit anderen großen Textilhändlern möchten wir eine nachhaltige Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Produktionsstätten erreichen", hatte Aldi-Manager Sven van den Boomen erklärt, der bei Aldi-Süd für den Bereich Unternehmensverantwortung zuständig ist.

Niedriglohn, Niedrigstandards

In Bangladesch gibt es mehr als 4500 Textilfabriken. Dort arbeiten vornehmlich Frauen zu Hungerlöhnen von umgerechnet knapp 60 Euro pro Monat. In den Fabriken ereignen sich aufgrund unzureichender Sicherheitsstandards immer wieder tödliche Unglücke.

Im April 2013 war der Textilfabrikkomplex Rana Plaza in einem Vorort von Dhaka eingestürzt. Bei dem Unglück kamen 1138 Menschen ums Leben. Im November 2012 starben bei einem Brand in einer Textilfabrik in Dhakas Vorort Ashulia 111 Menschen.

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Quelle: n-tv.de, mmo/AFP

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