Panorama

Prozess gegen "Kapitän Feigling" Berufungsverfahren beginnt ohne Schettino

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32 Menschen waren beim Untergang der Costa Concordia ums Leben gekommen.

(Foto: dpa)

In Italien als "Kapitän Feigling" verspottet und in erster Instanz zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt - lebt Francesco Schettino immer noch in Freiheit. Er hofft, in der Berufung das erste Urteil umzukehren. Die Chancen dafür sind allerdings alles andere als gut.

Mehr als vier Jahre nach der Schiffskatastrophe der "Costa Concordia" hat in Florenz das Berufungsverfahren gegen Kapitän Francesco Schettino begonnen. Der 55-Jährige war am ersten Verhandlungstag nicht im Gericht, weil zunächst nur technische Fragen geklärt werden sollten, teilten seine Anwälte mit.

Schettino war im Februar 2015 in erster Instanz zu 16 Jahren und einem Monat Haft wegen fahrlässiger Tötung verurteilt worden. Er ist nach wie vor auf freiem Fuß, weil das Urteil noch nicht rechtskräftig ist. Ob er an den nächsten Verhandlungen teilnehmen wird, werde von Mal zu Mal entschieden, sagte sein Anwalt Donato Laino.

Bei der Havarie des mit 4200 Passagieren und Crewmitgliedern besetzten Kreuzfahrtschiffes vor der toskanischen Insel Giglio waren im Januar 2012 insgesamt 32 Menschen gestorben, darunter zwölf Deutsche. Das Gericht in Grosseto hatte in erster Instanz entschieden, Schettino trage Verantwortung für das Unglück. Gegen das Urteil hatten sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung Berufung eingelegt.

Während Schettinos Anwälte erneut auf Freispruch für ihren Mandanten plädieren wollen, wird die Anklage wie schon im ersten Verfahren voraussichtlich wieder eine langjährige Haftstrafe für den früheren Kapitän fordern - in erster Instanz hatte die Staatsanwaltschaft 26 Jahre und drei Monate verlangt.

Auch andere tragen eine Mitschuld

Der Staatsanwalt von Grosseto, Alessandro Leopizzi, sagte vor Gericht, die Tatsache, dass auch andere Mitschuld an dem Unglück trügen, lösche die Schuld Schettinos nicht aus. Vier Crewmitglieder und ein Manager der Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere hatten eine Mitschuld eingeräumt und sich 2013 ohne Prozess auf Haftstrafen von bis zu knapp drei Jahren geeinigt.

Schettino hatte die Costa Concordia in einem Rettungsboot verlassen, obwohl noch Menschen an Bord waren. Er begründete das damit, dass er in das Boot gefallen sei. Aus einem Funkgespräch mit dem wütenden Leiter der Küstenwache ging später hervor, dass er sich anschließend geweigert hatte, auf das sinkende Schiff zurückzukehren und sich seiner Verantwortung als Kapitän zu stellen.

In Italien wurde Schettino auch als "Kapitän Feigling" verspottet. Bereits im Januar hatte Schettino den Berufungsrichtern ein Schreiben vorgelegt, in dem er seine Version des Unglücks schildert. Der Gedanke an die Opfer habe ihn nie verlassen. Für ihn gebe es keinen Frieden mehr, schrieb er. "Mein Leben ist an diesem Tag zu Ende gegangen." Das Urteil wird Berichten zufolge Ende Mai erwartet.

Quelle: ntv.de, dsi/dpa