Panorama

Synode tagt im Vatikan Bischöfe nennen Frauenmangel "Verarmung"

85270376c57c84389f4a6535a20ed4c5.jpg

Das Treffen der Bischöfe dauerte drei Wochen an.

(Foto: imago/Independent Photo Agency Int.)

270 Bischöfe treffen sich im Vatikan, um über heikle Themen wie Missbrauch oder Homosexualität zu sprechen. Im Abschlussdokument zeichnen sich kleine Schritte in Richtung Zukunft ab. Auch für Frauen will sich die katholische Kirche öffnen, allerdings nur einen Spalt breit.

Frauen sollen mehr in der katholischen Kirche zu sagen haben, Missbrauch muss an der Wurzel bekämpft werden: Bei der Bischofssynode im Vatikan sind bei einigen heiklen Themen Fortschritte beschlossen worden. Im Abschlussdokument des drei Wochen langen Treffens wurde allerdings die Spaltung der Kirche bei der Frage nach dem Umgang mit Homosexuellen deutlich. In dem Dokument, das die Bischöfe verabschiedeten, fehlt zudem ein klares Schuldeingeständnis für jahrzehntelange Vertuschung von Missbrauch durch katholische Geistliche.

Sexskandale in Ländern wie Chile, den USA aber auch Deutschland haben die Kirche stark in Bedrängnis gebracht. In seinen Abschlussworten kritisierte Papst Franziskus eine Art "Verfolgung" der Kirche. "Im Moment klagt man uns sehr heftig an", sagte der Pontifex, allerdings ohne das Thema Missbrauch zu nennen. Die Kirche werde kontinuierlich angeprangert, um sie zu "beschmutzen". "Doch die Kirche darf nicht beschmutzt werden, wir Kinder sind schmutzig, aber die Mutter nicht." Deshalb müsse sie vor dem Teufel verteidigt werden. Franziskus wurde von einem konservativen Kritiker, Erzbischof Carlo Maria Viganò, beschuldigt, selbst Missbrauch zu vertuschen. Seitdem tobt ein Richtungsstreit in der Kirche zwischen konservativen Franziskus-Gegnern und "Modernisierern".

Bei dem Weltbischofstreffen ging es um das Thema Jugend. Rund 270 Bischöfe kamen dazu nach Rom. Für die deutschen Teilnehmer waren die Themen Missbrauch und Frauen in der Kirche die drängendsten. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, zeigte sich zufrieden mit dem Dokument - auch wenn aus Deutschland teils klarere Stellungnahmen erwünscht waren. In dem Abschlussdokument sprechen sich die Geistlichen dafür aus, mit "rigorosen Mitteln" sexuellem Missbrauch durch Geistliche vorzubeugen. Keine Reue könne für die lebenslangen Leiden der Opfer ein Gegenmittel sein. Obwohl Sex-Skandale die Kirche in mehreren Ländern erschüttert haben, stimmten 30 Teilnehmer gegen den Paragrafen mit dem Titel "Wahrheit suchen und um Vergebung bitten" (208 dafür).

Am umstrittensten war aber die Passage über Homosexualität. "Gott liebt alle Menschen und so macht es die Kirche", heißt es darin. Niemand dürfe wegen seiner Sexualität diskriminiert werden. Homosexuelle müssten in ihrem Glauben begleitet werden. Das fand 65 Gegenstimmen (178 stimmten zu). Zum Thema Frauen in der Kirche heißt es, Frauen sollten auch auf Führungsebene mehr mitwirken - die Rede ist dabei allerdings nicht davon, Frauen den Weg für das Priesteramt zu öffnen. Die "Abwesenheit der weiblichen Stimme lässt die Debatte und den Weg der Kirche verarmen", heißt es in dem Dokument. Auch hier gab es Dutzende Gegenstimmen.

"Text hat an Kraft verloren"

Die Bischofssynode ist ein Beratungsorgan des Papstes, das im Gegensatz zum Konzil allerdings keine Entscheidungen vorgibt. Über das Abschlussdokument durften nur Männer abstimmen. In der Regel finden Synoden alle drei Jahre statt, daneben kann es auch außerordentliche Versammlungen geben. Natürlich hätte man immer die ein oder andere Stelle anders formulieren können, sagte Kardinal Marx. Er habe aber am Ende "ein sehr positives Gefühl." Marx lag vor allem die Frauenfrage und das Thema Missbrauch am Herzen. Die Menschen kritisierten zu Recht, "was bei uns nicht gut läuft. Das ist ja offenbar, das müssen wir ausräumen, das müssen wir ausmerzen." Kritik gab es aus dem deutschen Lager beim Punkt Sexualität. "Beim Thema Sexualmoral hätten wir uns mehr erhofft", sagte Thomas Andonie, Vorsitzender des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend, "da sind wir enttäuscht."

Der Jesuitenpater der Frankfurter Zukunftswerkstatt, Clemens Blattert, monierte: "Beim Lesen des überarbeiteten Abschlusstextes bestätigte sich übrigens eine Vorahnung: Durch die Einarbeitung der vielen Anmerkungen hat der Text an Kraft verloren", schrieb er in seinem Blog auf der Vatikan-Medienplattform. "Man merkt, dass der Text nur versucht, gegensätzliche Positionen so aufzunehmen, dass sich alle Seiten darin wiederfinden können. Ich muss ehrlich sagen, dass mich das betrübt."

Quelle: n-tv.de, lou/dpa

Mehr zum Thema