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Zuletzt von Ämtern freigestellt Hoher Geistlicher nach Vorwürfen tot aufgefunden

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Das Priesterseminar des Bistums Limburg.

(Foto: picture alliance / dpa)

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Christof May leitet das katholische Priesterseminar des Bistums Limburg seit 2018. In dieser Woche wird er nach "Vorwürfen übergriffigen Verhaltens" von allen Ämtern freigestellt. Nun wird der Theologe tot aufgefunden.

Der Leiter des katholischen Priesterseminars im Bistum Limburg ist tot aufgefunden worden. Christof May sei am Donnerstag leblos entdeckt worden, sagte eine Sprecherin des Bistums. Bischof Georg Bätzing hatte ihn erst am Mittwoch in einem persönlichen Gespräch zu Vorwürfen übergriffigen Verhaltens angehört.

In den Wochen zuvor sind den zuständigen "Ansprechpersonen für Hinweise auf tatsächliche Anhaltspunkte für den Verdacht eines sexuellen Missbrauchs im Bistum Limburg" Beschuldigungen gegen May bekannt geworden, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schreibt. Um die Vorwürfe zu prüfen und aufzuklären, war May gemäß der Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz für den Umgang mit sexuellem Missbrauch von allen seinen Ämtern mit sofortiger Wirkung freigestellt worden.

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"Leider müssen wir Ihnen eine bestürzende Nachricht übermitteln", schrieb der Sprecher des Bistums Limburg, Stephan Schnelle, in einer E-Mail an Mitarbeitende des Bistums. "Regens Dr. Christof May ist heute tot aufgefunden worden. Wir sind erschüttert und voller Trauer." Man habe einen engagierten und sehr geschätzten Seelsorger verloren. Die örtlichen Ermittler gehen nach bisherigen Erkenntnissen von einem Suizid aus.

May war seit 2018 Leiter des Priesterseminars im Bistum Limburg. Zu seinen Aufgaben als Regens gehörten neben der Leitung der Abteilung Personalausbildung und des Limburger Priesterseminars Aufgaben im Bereich der Kirchenentwicklung. Mays Tod sei für das Bistum und für Bätzing "sehr bedrückend" und hinterlasse offene Fragen, erklärte das Bistum nun und sprach der Familie seine Anteilnahme aus. "Zugleich sind wir in Gedanken auch bei denen, die die Vorwürfe gemeldet haben", hieß es seitens der Diözese.

Der 49-Jährige hatte im Oktober 2020 für Aufsehen gesorgt, als er sich in einer kirchenkritischen Predigt für die Erteilung der Sakramente an wiederverheiratete, geschiedene und homosexuelle Paare, die Weihe von Frauen und Homosexuellen und das gemeinsame Abendmahl über Konfessionsgrenzen hinweg aussprach. Mays Kritik an veralteten Strukturen brachte ihm Kritik aus Teilen seiner Kirche ein, begeisterte aber auch viele Gläubige. Der Regens habe Themen angesprochen, die anstehen und auch bearbeitet würden, sagte Bistumssprecher Schnelle damals der "Frankfurter Neuen Presse" auf die Frage, ob May für seine offenbar nicht mit der Spitze des Bistums abgestimmten Predigt Sanktionen zu erwarten habe. "Als Bischofsvikar für die Kirchenentwicklung gehört das zu seinen Aufgaben." Für Sanktionen seitens des Bistums "gibt es keine Anzeichen".

Rücktritt im Bistum Limburg

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In der vergangenen Woche war im Bistum Limburg ein hoher Geistlicher nach einem von Bätzing mitverantworteten Skandal zurückgetreten: Winfried Roth, Dekan des katholischen Bezirks Westerwald, schied aus seinem Amt, nachdem öffentlich geworden war, dass Bätzing ihn trotz mehrerer Vorwürfe sexueller Gewalt auf seinen Posten befördert hatte. Der Vorfall liege schon viele Jahre zurück und der Priester habe Reue gezeigt und sich entschuldigt, hatte Bätzing seine Entscheidung zunächst verteidigt.

Wenige Tage später ruderte Bätzing zurück: Er nehme "wahr, dass meine Entscheidung für die Betroffenen nur schwer zu ertragen ist und darüber hinaus Irritation und Ärgernis auslöst. Dies hatte ich bei meiner Entscheidung vor zwei Jahren so nicht gesehen. Diese Entscheidung war falsch", wird Bätzing in einer Mitteilung seines Bistums zitiert, "ich bitte die Betroffenen um Verzeihung". Das Rücktrittsangebot Roths habe er sofort angenommen.

(Dieser Artikel wurde am Freitag, 10. Juni 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, ter

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