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Was hat der NSU damit zu tun? Böhnhardts DNA nahe Peggys Leiche entdeckt

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Erst in diesem Jahr wurden die sterblichen Überreste von Peggy gefunden.

(Foto: picture alliance / dpa)

An der Stelle, wo die sterblichen Überreste der im Jahre 2001 verschwundenen Peggy entdeckt wurde, werden DNA-Spuren des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt gefunden. Bisher gab es keine Verbindung zwischen dem Fall Peggy und der NSU-Mordserie - aber einen einschlägigen Verdacht.

Ermittlungen der bayerischen Polizei legen den Verdacht nahe, dass es einen Zusammenhang zwischen der Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund und der im Jahre 2001 verschwundenen Peggy gibt. An dem Fundort ihrer Leiche seien DNA-Spuren des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt gefunden worden, teilten das Polizeipräsidium Oberfranken und die Staatsanwaltschaft Bayreuth mit.

Die damals neun Jahre alte Peggy war im Mai 2001 in ihrem Wohnort Lichtenberg in Bayern verschwunden. Ein Pilzsammler fand ihre sterblichen Überreste im Juli dieses Jahres in einem Wald in Thüringen, wenige Kilometer von Lichtenberg entfernt.

"Im Rahmen der Spurensuche am Fundort wurden zahlreiche Spurenträger sichergestellt und werden derzeit untersucht", teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. "Hierbei wurde jetzt DNA festgestellt, die Uwe Böhnhardt zuzuordnen ist."

Ob diese DNA-Spur in Verbindung zu Peggys Tod stehe, "bedarf weiterer umfassender Ermittlungen in alle Richtungen, die derzeit geführt werden und ganz am Anfang stehen", heißt es in der Presseerklärung. Generalbundesanwalt, Bundeskriminalamt, das bayerische Landeskriminalamt und die thüringische Polizei seien in die Ermittlungen eingebunden.

Ein Mann, der wegen des Mordes an Peggy 2004 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden war, wurde zehn Jahre später freigesprochen. Wer Peggy ermordet hat, ist bis heute unklar.

Kinderporno-Verdacht gegen Zschäpe

Eine Verbindung zwischen dem Fall Peggy und der Mordserie des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds gab es bisher nicht. Böhnhardt und sein Kumpan Uwe Mundlos nahmen sich 2011 in Eisenach das Leben, nachdem die Polizei sie nach einem Banküberfall verfolgt hatte. Als einzige Überlebende des NSU-Trios steht Beate Zschäpe seit 2013 in München vor Gericht.

Die Linken-Politikerin Katharina König wies am Abend darauf hin, dass es Ermittlungen gegen Zschäpe wegen des Verdachts der Kinderpornographie gab. Tatsächlich wurden nach einem Bericht der "Stuttgarter Nachrichten" pornographische Bilder auf einem Computer gefunden, den Zschäpe genutzt hatte. Einige dieser Bilder legten den Verdacht nahe, sexuellen Missbrauch von Kindern darzustellen.

Das Ermittlungsverfahren wurde eingestellt, weil die Staatsanwaltschaft Zwickau davon ausging, dass die in München verhandelten Vorwürfe schwerwiegender sind und härter bestraft werden dürften. Dem Bericht zufolge stand zudem Böhnhardt im Verdacht, einen neunjährigen Jungen in Jena ermordet zu haben.

Kindersachen im NSU-Wohnmobil

Mehrere Mitglieder des Thüringer NSU-Untersuchungsausschusses verwiesen zudem darauf, dass im ausgebrannten NSU-Wohnmobil Kindersachen gefunden worden seien, deren Herkunft bis heute unklar ist. Die Linke-Obfrau des Ausschusses, Katharina König, forderte, nun müsse es einen Abgleich der DNA von Böhnhardt sowie der DNA von Mundlos und Zschäpe mit allen ungeklärten Fällen geben, bei denen Kinder und Menschen mit Migrationshintergrund zu Tode gekommen seien. Zudem sei aus ihrer Sicht derzeit völlig offen, ob der Münchner NSU-Prozess gegen Zschäpe so weitergehen könne wie bisher.

König und die Vorsitzende des Thüringer NSU-Untersuchungsausschusses, Dorothea Marx, sagten, nach ihrem Kenntnisstand sei die Herkunft der Kindersachen aus dem Wohnmobil bis heute ungeklärt. Diese müssten nun unbedingt auch in den Fokus der Ermittlungen im Fall Peggy rücken. "Die meisten der Kindersachen wurden nie auf DNA untersucht", sagte Marx. In dem Wohnmobil waren unter anderem Kinderschuhe gefunden worden.

DNA-Spuren gelten als sehr sicheres Indiz. Allerdings gab es vor sieben Jahren eine schwere Panne bei der Spurensuche mit Hilfe von DNA-Spuren. Eine vermeintliche Serienmörderin, deren DNA an rund 40 Tatorten gefunden wurde, stellte sich 2009 als Mitarbeiterin einer Firma heraus, die Wattestäbchen produzierte, mit denen DNA-Proben gesichert wurden.

Quelle: n-tv.de, hvo/dpa

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