Panorama

UNHCR geht vom Schlimmsten aus Boot mit 85 Flüchtlingen wohl gekentert

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Die Seenotretter haben es derzeit noch schwerer, sichere Häfen zu finden.

(Foto: picture alliance/dpa)

Auch in Zeiten der Corona-Pandemie versuchen Menschen die Flucht über das Mittelmeer. Nur haben sie jetzt noch schlechtere Chancen, das sichere Festland zu erreichen. Nun wird ein Schlauchboot mit 85 Menschen an Bord vermisst.

Internationale Organisationen sorgen sich um das Schicksal von dutzenden Flüchtlingen, deren Schlauchboot im Mittelmeer seit dem Wochenende vermisst wird. "Wir sind sehr beunruhigt", sagte eine Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR. Das Boot sei offenbar gekentert. Die EU-Grenzschutzagentur Frontex teilte mit, sie habe bereits nach dem Boot gesucht. Ein Frontex-Flugzeug werde die Suche am Montag fortsetzen.

Nach Angaben der deutschen Seenotrettungsorganisation Sea Watch befanden sich mutmaßlich 85 Menschen auf dem Schlauchboot. Sea Watch sowie die ebenfalls deutsche Organisation United4Rescue hatten nach eigenen Angaben am Wochenende dieses Boot sowie drei weitere Flüchtlingsboote in Seenot vor der Südküste von Malta gesichtet. Von den übrigen drei Booten hat eines laut Frontex inzwischen Italien erreicht. Die beiden anderen seien zuletzt weiterhin auf See gesichtet worden. Auf diesen drei Booten befanden sich nach Angaben von Sea Watch insgesamt 173 Menschen.

Italien hatte in der vergangenen Woche wegen der Coronavirus-Pandemie alle seine Häfen geschlossen, auch für Schiffe mit aus Seenot geretteten Flüchtlingen. Die Entscheidung wurde von Sea Watch und anderen Seenotrettungsorganisationen heftig kritisiert. Die unter der Corona-Krise leidenden Bürger Italiens dürften nicht der Grund dafür sein, "jenen Hilfe zu verwehren, die nicht Gefahr laufen, in einem Intensivbett zu ersticken, sondern zu ertrinken", schreiben die Seenotretter in einer gemeinsamen Erklärung.

Quelle: ntv.de, ino/AFP