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Homosexualität als Krankheit Brasilien erlaubt Schwulen-"Therapie"

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Seit 2013 können auch gleichgeschlechtliche Paare in Brasilien heiraten.

imago/ZUMA Press

Durch einen richterlichen Beschluss ist es Psychologen in Brasilien erlaubt, damit zu werben, homosexuelle Menschen "heilen" zu können. Das Urteil rührt von einer christlichen Bewegung, die im südamerikanischen Land immer mehr Zuspruch widerfährt.

Ein brasilianischer Richter hat in einem Urteil die psychologische "Umwandlungstherapie" von Homosexuellen genehmigt. Bundesrichter Waldemar de Carvalho entkräftete mit seinem Urteil in der Hauptstadt Brasilia eine Bestimmung des Bundesrates für Psychologie, der die Behandlung von Schwulen und Lesben unter dem Aspekt der "Heilung" öffentlich diskreditiert hatte.

Der Richter entsprach damit einem Einspruch der Psychologin Rozangela Justino, die ihre Lizenz verloren hatte, weil sie eine "Umwandlungstherapie" angeboten hatte. Der Zeitung "Folha de Sao Paulo" gegenüber bezeichnete sie Homosexualität als "Krankheit" und sie fühle sich "von Gott geleitet, homosexuellen Menschen zu helfen." Justino gehört den evangelikalen Chrisen an.

In Brasilien wächst die Bewegung der Evangelikalen, die sich vehement gegen Homosexualität stellen. 35 Prozent der Bevölkerung gehören dieser religiösen Richtung des Protestantismus an. Sie setzen sich sogar dafür ein, dass in TV-Seifenopern keine Schwulen, Lesben oder Transgender in den Geschichten vorkommen.

Der Bundesrat für Psychologie bezeichnete das Urteil als großen Rückschritt und kündigte an, dagegen vorzugehen. "Es gibt keinen Weg etwas zu heilen, das keine Krankheit ist", sagte Ratspräsident Rogério Giannini dem "Guardian". Er warnte, dass diese ernsthafte akademische Debatte nicht von religiös-konservativen Haltungen beeinflusst werden sollte.

Quelle: n-tv.de, mba

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