Panorama

8888 Mal auf 1141 Meter Höhe "Brocken-Benno" muss nach oben

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1141 Meter ist der Brocken hoch - und war zu DDR-Zeiten gesperrt.

(Foto: imago stock&people)

Benno Schmidt und der Brocken gehören zusammen - und das seit fast neun Jahrzehnten. In den knapp 30 Jahren, in denen die Mittelgebirgskuppe gesperrt war, ist die Sehnsucht nur gewachsen. Seit dem Ende der DDR bezeugt "Brocken-Benno" dem Berg aber wieder seine Liebe - täglich und zum Nutzen aller.

Der 1141 Meter hohe Brocken zieht ihn an wie ein Magnet. Der deutschlandweit bekannte Wanderführer "Brocken-Benno" aus dem Harz hat es mit seinen Tausenden von Auf- und Abstiegen mehrfach ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft. Bei Wind und Wetter ist er seit 30 Jahren fast täglich zum Brocken gelaufen, Zehntausende Kilometer über Stock und Stein. Hunderte Höhenmeter hat er dabei jeweils überwunden, mit eiserner Disziplin und Faszination für das Schauspiel der Natur.

Zu seinem 88. Geburtstag am 22. Mai will er zum 8888. Mal auf dem Berg sein, der vom Nationalpark Harz umgeben ist. Ursprünglich hatte er nach dem Aufstieg eine große Feier geplant, doch die Corona-Pandemie und eine Krebserkrankung halten Benno Schmidt, wie der Rekordwanderer heißt, davon ab. Entmutigen lasse er sich nicht. "Ich werde oben sein, ausnahmsweise hochgefahren", sagt er.

Die Abstands- und Kontaktregeln wegen Corona halte er ein. "Ich kann es mir nicht erlauben, dass ich angesteckt werde", sagt er. Drei Operationen und die Chemotherapie stecken ihm in den Knochen. Doch Rasten komme für ihn nicht infrage, sagt der abgehärtete Mann, den selbst strömender Regen beim 7000. Aufstieg nicht aufhielt.

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Benno Schmidt, wie er meist anzutreffen ist - auf dem Weg zu Brocken.

(Foto: picture alliance/dpa)

Statt wie sonst fast täglich am Brocken zwölf Kilometer Wanderstrecke zu absolvieren, dreht er derzeit in der Umgebung von Wernigerode (Landkreis Harz) seine Runden. Mit Ehefrau Helga, die ihn auf seinen Gipfelwanderungen strammen Schrittes bisher 1250 Mal begleitet habe, treibt er zu Hause Sport - mit Blick auf den Brocken, so Benno Schmidt.

"Das war schlimm"

Der Berg war bis zum Fall der Mauer militärisches Sperrgebiet. Heute gilt der Brocken als Symbol der Einheit. Wanderfreunde aus der ganzen Welt zieht es hinauf - vom Tal in Sachsen-Anhalt oder Niedersachsen aus. Für sein Engagement für die Natur wurde "Brocken-Benno" - den Spitznamen haben ihm Wanderfreunde verliehen - mehrfach geehrt, bekam Anerkennung von Prominenten wie etwa dem weltberümten Bergsteiger Reinhold Messner.

Den 3. Dezember 1989 werde er nie vergessen, erzählt Schmidt. "Das war ein Glücksgefühl ohnegleichen, dass wir wieder auf den Brocken hoch durften", sagt er. Seit 1961 war der Berg für Wanderer gesperrt. "Ich konnte ihn sehen, ich durfte 28 Jahre lang nicht hoch, das war schlimm", sagt der frühere Verwaltungsangestellte, der in Bochum geboren wurde.

"Ich habe viel erlebt", sagt er. In Büchern, Vorträgen und auf unzähligen Führungen durch die Natur hat "Brocken-Benno" seine Erfahrungen weitergegeben, wurde deutschlandweit bekannt. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff verlieh ihm 2018 den Verdienstorden des Landes für sein großes ehrenamtliches Engagement um den Brocken und die gesamte Harzregion. Seiner Initiative sei die Ausweisung zweier neuer Wanderwege zu verdanken, der "Harzer Grenzweg" und der "Teufelsstieg". Darüber hinaus habe Schmidt die Harzer Wandernadel ins Leben gerufen.

"Man muss immer ein Ziel haben", sagt "Brocken-Benno". Für ihn sei das, wieder richtig auf die Beine zu kommen. In zwei Jahren, zum 90. Geburtstag, will er zum 9000. Mal auf den Brocken. "Das ist locker zu schaffen", sagt er mit fester Stimme. Etliche Schuhe ("gut gedämmt müssen sie sein und passen") habe er abgelaufen, stets seinen Rucksack mit etwas Proviant - Apfelstückchen, Müsliriegel, Nüsse - und eine Thermoskanne mit Tee und Wechselsachen dabei. "Langweilig wird es nie", sagt Schmidt.

Quelle: ntv.de, Petra Buch, dpa