Panorama

David und Nathan kehren zurück Buchstabier-Alphabet wird entnazifiziert

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Deutschlands Buchstabieralphabet wurde seit der Nazizeit nur geringfügig überarbeitet.

(Foto: imago images/fossiphoto)

In der deutschen Buchstabiertafel ist festgelegt, mit welchen Wörtern wir welche Buchstaben diktieren. Die dazugehörige DIN-Norm 5009 ist keineswegs unpolitisch. Die Nazis tilgten einst mehrere jüdische Namen aus der Tafel. Nun sollen sie zurückkehren - zeitweise.

D wie Dora, N wie Nordpol: Wer heute diese Buchstaben mithilfe der deutschen Buchstabiertafel angibt, dürfte sich kaum darüber bewusst sein - aber dass gerade diese Wörter genutzt werden, ist ein Erbe des Nationalsozialismus. Und das soll nun 75 Jahre nach Kriegsende aufgearbeitet werden.

Die offizielle deutsche Buchstabiertafel war 1934 von den Nazis geändert worden. Jüdisch klingende Namen wie David für D oder Nathan für N wurden getilgt. Dafür wurden Dora und Nordpol aufgenommen. Nach dem Krieg, 1950, wurde die Tafel vom zuständigen Deutschen Institut für Normung (DIN) einmal überarbeitet. Doch der Austausch einiger jüdischen Namen wurde dabei nicht angetastet.

An dieses antisemitische Erbe erinnerte im vergangenen Jahr der Antisemitismusbeauftrage des Landes Baden-Württemberg, Michael Blume. Er schrieb an das DIN mit der Bitte, die jüdischen Namen in die entsprechende Diktier-Norm DIN 5009 wieder aufzunehmen.

Das soll nun geschehen, allerdings nur vorübergehend. Für eine Übergangszeit bis 2022 soll die alte Buchstabiertafel aus der Weimarer Zeit wieder gelten. Für die Zeit danach arbeitet das DIN an einer generellen Reform der Tafel, für die vor allem Städtenamen verwendet werden sollen.

Initiator Blume zeigte sich zufrieden mit der Entscheidung des DIN zu einer übergangsweisen Verwendung der Weimarer Tafel. "Mir geht es darum, dass die Tabelle der Nationalsozialisten nicht einfach weiter übernommen wird", zitiert die Katholische Nachrichtenagentur Blume. "Es ist ein schönes Signal für das Jahr, in dem wir 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland feiern, deutlich zu machen, wie die Tabelle ursprünglich aussah."

Quelle: ntv.de, mbo