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"Sie wollte ein Reh sein" Charakter-Kuh Yvonne stirbt auf Gnadenhof

Im Sommer 2011 wird Yvonne ein internationaler Star: Sie flieht vor ihrem neuen Besitzer, entkommt Suchtrupps und erkämpft sich am Ende ein angenehmes Leben. Jetzt muss die Charakter-Kuh in Bayern eingeschläfert werden.

Sie wurde bekannt als "Kuh, die ein Reh sein will": Acht Jahre nach ihrer spektakulären Flucht durch bayerische Wälder samt Versteckspiel ist Kuh Yvonne auf einem Gnadenhof in Deggendorf gestorben. "Zwei Tage kämpften Tierärzte und Pfleger um das Leben der berühmten Kuh, leider vergebens", teilte Gut Aiderbichl mit. "Mit Yvonne verabschiedet sich eine der herausragendsten vierbeinigen Persönlichkeiten Gut Aiderbichls für immer." Die Kuh musste nach einer schweren Beckenverletzung eingeschläfert werden. Yvonne wurde 14 Jahre alt.

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Nach einer monatelangen Verfolgungsjagd wird Yvonne im September 2011 schließlich eingefangen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Aiderbichl-Geschäftsführer Dieter Ehrengruber beschrieb Yvonne in einer Mitteilung als "beeindruckende Vertreterin ihrer Art" und "einmalige Charakter-Kuh". Sie hatte acht Jahre lang auf dem Gut gelebt. Gutsleiter Benedikt Gruber nannte Yvonne eine "echte Persönlichkeit mit Ecken und Kanten".

Yvonne war die Protagonistin der großen Sommerloch-Geschichte 2011: Monatelang hielt die flüchtige Kuh die Behörden in Atem. Das Rindvieh, das damals noch auf den Namen Angie hörte, war im Mai aus dem österreichischen Kärnten nach Bayern verkauft worden - und wollte nicht in den Stall. Dem neuen Besitzer, der sie angeblich irgendwann schlachten wollte, entkam sie gleich bei der Ankunft. Schnurstracks lief Yvonne in den Wald - und fiel dort wochenlang nicht besonders auf. Erst als sie beinahe in ein Polizeiauto rannte, wurden die Behörden aufmerksam und Yvonne ein ganz offizielles Sicherheitsrisiko. Eine Problemkuh, sozusagen. Das Landratsamt Mühldorf erließ eine Anordnung zum Abschuss aus Sicherheitsgründen.

Zum Abschuss freigegeben: CNN und New York Times berichten

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Der flotte Ex-Zuchtstier Ernst wurde als Lockvogel bei der Suche nach Yvonne eingesetzt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Verfügung sorgte weit über Deutschlands Grenzen für einen Aufschrei der Empörung. CNN und die "New York Times" berichteten. Indiens Medien forderten eine Rücknahme und boten eine Adoption an; dort gelten Kühe als heilige Tiere. Helfer des Gnadenhofs Gut Aiderbichl strömten aus, die Kuh zu retten. Sie dachten sich immer neue Lockmittel aus: Futter, der flotte Ex-Zuchtstier Ernst, Schwester Waldtraut, Pferde, Dackel Mirko, ein Spurensucher und ein Medium. Doch die Kuh mit der Ohrmarke 6403 narrte die Verfolger, versteckte sich im Unterholz - und sorgte für Riesenrummel. Mit Helikopter, Wärmebildkamera und Geländewagen suchten Wintersteller und andere Helfer Yvonne, vergeblich.

Immerhin fanden die Tierschützer immer mal wieder frische Spuren: Einmal meldeten sie einen maximal einen Tag alten Kuhfladen, ein andermal einen umgerannten Zaun. Der örtliche Jagdpächter Erich Loserth, sprach von "Klamauk": "Die ganze Region ist bedeppert." Dabei wuchs die Yvonne-Fangemeinde im Internet, es gab T-Shirts mit der Forderung "Esst mehr Gemüse! Freiheit für Yvonne!", einen Twitter-Account für die Kuh und Lieder über das ausgebüxte Rindvieh. "Hey Yvonne, du wuide Kuh, lebst im Wald, wuist nur dei Ruh", sang die Gruppe "Gnadenkapelle".

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Auch mit Hilfe von Wärmebild-Kameras versuchte man Yvonne zu finden.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ihre Anhänger feierten sie als freiheitsliebend und unbeirrbar - ein bisschen wie der "Problembär" Bruno, der fünf Jahre zuvor durch Bayerns Wälder gestreift war. Sogar ein Film über die Kuh als Reh war zeitweise in Planung. Am 2. September 2011 dann wurde Yvonne von dem ehemaligen Münchner Tierparkdirektor Henning Wiesner und Aiderbichl-Mitarbeitern mit Hilfe von Betäubungspfeilen und Haltegurten eingefangen. Fast auf den Tag genau acht Jahre danach ist die Kuh nun gestorben - wieder im bayerischen Sommerloch. Ihr Ende dürfte aber wenig rühmlich werden: Sie wird wohl in eine Tierkörperbeseitigungsanlage gebracht.

Quelle: n-tv.de, Sabine Dobel und Britta Schultejans, dpa

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