Panorama

Mordprozess von Höxter Christel P. über das Leben im Horrorhaus

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Zunächst mochte die Frau aus Magdeburg das Leben in dem Haus in Höxter.

(Foto: dpa)

Wie sah das Leben im Horrorhaus von Höxter wirklich aus? Christel P. war dort und berichtet vor dem Landgericht davon. Sie lernte einen netten Wilfried W. kennen und erlebte, wie der sich in ein Monster verwandelte.

Im Mordprozess um das sogenannte Horrorhaus von Höxter hat eine Frau ausgesagt, die einen längeren Aufenthalt in dem Haus überlebte. Christel P. aus Magdeburg war Anfang Dezember 2011 in Höxter-Bosseborn angekommen und zunächst für drei Wochen geblieben.

In dieser ersten Zeit habe sie sich in dem Haus wohl gefühlt, es sei zwar nicht immer geheizt gewesen und habe auch nur einmal in der Woche warmes Wasser gegeben. Aber sie habe sich mit Wilfried W. gut verstanden und sei mit ihm auch auf der Couch im Wohnzimmer intim geworden. Ansonsten habe man tagsüber geschlafen, dann die Tiere versorgt und vor allem abends auch mal Ausflüge gemacht, berichtet die "Neue Westfälische" aus der Aussage der heute 52-Jährigen.

Angelika W. sei immer dabei gewesen, habe sich aber häufig eifersüchtig verhalten. Wenn Christel P. mit Wilfried W. allein sein wollte, sei Angelika "zickig" geworden. Angelika W. habe ihr bei ihrer Ankunft massive Verbrennungen an der Schulter und am Arm gezeigt und gesagt, dass sie sich dort verbrüht habe. Das habe sie zwar nicht geglaubt, aber auch nicht nachgefragt. Insgesamt habe es ihr in dem Haus gefallen, sie habe sich in Wilfried W. verliebt, deshalb sei sie einen Tag vor Silvester 2011 auch zurückgekehrt.

Schluss mit den Gefühlen

Als im Februar 2012 der Geburtstag von Wilfried W. gefeiert wurde, sei es mit der guten Stimmung jedoch schon vorbei gewesen. Ihr eigener Geburtstag wenige Tage zuvor sei nicht gefeiert worden. Das habe Angelika W. so bestimmt, sagt Christel P. aus. Außerdem hatte Wilfried W. ihr "aus heiterem Himmel" eine Backpfeife verpasst. "Danach war Schluss mit den Gefühlen." In der ersten Zeit sei Wilfried W. nett und höflich gewesen, habe viel gefragt. Nach der Backpfeife gab es den zweiten Wilfried: "Er war ein Monster."

Sie habe nach dem Schlag geweint und nur nach Hause gewollt, Wilfried und Angelika W. hätten ihr aber Handy, Schlüssel, Geldbörse, Führerschein und ihr Gepäck weggenommen. So habe sie nicht gehen können, außerdem sei sie nie allein gewesen, alle Türen waren zugeschlossen.    

Christel P. beschreibt, wie sie im Schweinestall angekettet wurde, Angelika W. habe ihr die Haare kurz geschnitten. Auch ihre Geldkarte habe sie abgeben müssen, mit der PIN hätten Wilfried und Angelika W. dann alles Geld abgehoben. Sie sei nur von Wilfried geschlagen worden, er habe sie körperlich gequält und Angelika seelisch. Wilfried habe wiederum Angelika misshandelt und angeschrien. Umgekehrt habe sie nie erlebt, dass Angelika gegenüber Wilfried tätlich wurde.

Schließlich habe Wilfried W. ihr beim Stallausmisten eine Schaufel an die Stirn geschlagen und dabei gelacht, berichtet Christel P weiter. Danach habe sie versucht, die Wunde zu reinigen und gesagt, wie wolle nicht länger bleiben.

Nachdem Christel P. eine Erklärung unterzeichnet hatte, dass sie sich alle Verletzungen selbst zugefügt habe, hätten Angelika und Wilfried W. sie zum Bahnhof gebracht. In Magdeburg habe sie sich vor Angst zu Hause verbarrikadiert, erzählt Christel P. Angelika W. hatte ihr gedroht, sie umzubringen, wenn sie sich an die Polizei wenden würde. Bis heute habe sie Schlafstörungen und sei in psychologischer Behandlung. Auch nachdem die beiden festgenommen worden waren, habe sie sich nicht gemeldet. Sie sei vor dem Fernseher zusammengebrochen, zwei Tage später habe die Mordkommission bei ihr vor der Tür gestanden.

Quelle: n-tv.de, sba