Panorama

Weiterflug nach Istanbul Clan-Mitglied verlässt Klinik in Hannover

21.02.2020, 13:16 Uhr
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Ein Helikopter der Bundespolizei bringt den Mann zum Flughafen. (Foto: picture alliance/dpa)

Ein Clan-Mitglied aus Montenegro, das in einer Hannoveraner Klinik behandelt wurde, verlässt Deutschland. Nach seiner Ausweisung fliegt der Mann nach Istanbul. Die Unterbringung des mutmaßlichen Mafia-Mitglieds war heftig umstritten.

Das mutmaßliche Clan-Mitglied, an dessen Aufenthalt in der Medizinischen Hochschule Hannover es tagelang heftige Kritik gab, hat das Klinikum verlassen. Der 35-Jährige sei per Helikopter der Bundespolizei auf dem Weg zum Flughafen, sagten Sprecher des niedersächsischen Innenministeriums und der Polizei. Das Ziel des mutmaßlichen Mafia-Mitglieds ist demnach Istanbul. Die Stadt Hannover hatte zuvor beschlossen, den Mann ausweisen zu lassen. Er soll in eine blutige Clan-Fehde um Drogengeschäfte verwickelt sein.

Am 7. Februar war das mutmaßliche Mafia-Mitglied aus Montenegro eingeflogen, um seine Ende Januar erlittenen Schussverletzungen in der Uni-Klinik Hannover behandeln zu lassen. Mit Maschinenpistolen bewaffnete Polizisten postierten sich daraufhin am Haupteingang des Krankenhauses, weitere Beamte standen mit schusssicheren Westen an Aufzügen oder in der Notaufnahme.

Der Direktor der Unfallchirurgie hatte nach eigener Aussage erst bei der Ankunft des Mannes erfahren, dass dieser während des Klinikaufenthalts in seiner Heimat von der Polizei bewacht worden war, und schaltete die Polizei Hannover ein. Nach Darstellung des Mediziners schützten zunächst zwei Beamte den Patienten, was weder selten noch ungewöhnlich sei. Erst als das Spezialeinsatzkommando hinzugezogen wurde, informierte der behandelnde Arzt die Klinikleitung und diese wiederum das Wissenschaftsministerium als Aufsichtsbehörde.

Reisefähig und vor der Abschiebung

Der 35-Jährige und seine Frau, beide aus Montenegro, seien per Privatflugzeug abgereist, teilte ein Sprecher des niedersächsischen Innenministeriums mit. Im Bett liegend wurde der Schwerverletzte auf dem Dach der Klinik zu einem Hubschrauber der Bundespolizei gebracht. Damit flog er dann zum Flughafen und von dort weiter in Richtung Istanbul. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius sprach von einer guten Nachricht für das Personal sowie die Patientinnen und Patienten der Krankenhauses - und für die Polizei. "Ich bin froh, dass diese unnötige Episode jetzt ein Ende gefunden hat", sagte er.

Schon am Vortag hatte der SPD-Politiker unter Berufung auf Klinik-Einschätzungen erklärt, der Patient sei reisefähig, seiner Ausreise stehe daher nichts im Wege. Nach Übergabe der Ausweisungsverfügungen hatten die beiden Montenegriner sieben Tage Zeit, um Deutschland freiwillig zu verlassen. Danach wären sie abgeschoben worden. Ministerpräsident Stephan Weil sagte: "Man muss sich ja fragen, warum dieser Herr überhaupt an der MHH aufgenommen worden ist." Diese Frage bedürfe der Klärung. "Ich bin sicher, wenn alle Beteiligten an der MHH geahnt hätten, um wen es sich da handelt, dann hätten sie eine Aufnahme sehr viel kritischer geprüft." So etwas dürfe in dieser Form nie wieder passieren.

Quelle: sgu/dpa

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