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Erkenntnisse aus Drosten-Labor Corona-Tests haben ein "Temperaturproblem"

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Es kommt nicht nur auf die richtige Anwendung, sondern auch auf die Lagerung an.

(Foto: dpa)

Den Schnelltest zu lange in der Hosentasche getragen oder in die Sonne gelegt: Schon bei 37 Grad zeigen viele Antigentests ein falsches Ergebnis. Das könnte im Sommer zum Problem werden, wenn immer häufiger Schnelltests von Laien, aber auch in kommunalen oder betrieblichen Testzentren eingesetzt werden. Das stellte eine neue Studie der Charité heraus, die Virologen aus dem Labor von Christian Drosten hier veröffentlicht haben. Demnach zeigen die Tests auch bei niedrigen Temperaturen nicht mehr korrekt an, ob eine Infektion vorliegt. Das Team um den Studienleiter Jan Felix Drexler hat elf gängige Schnelltests unter die Lupe genommen, nachdem sich im Winter mehrere Testzentren über falsch-positive Ergebnisse gewundert hatten. Doch die falschen Ergebnisse kann man vermeiden, erklärt der Professor im Interview.

ntv: Sie haben festgestellt, dass Selbsttests und Schnelltests, die in Deutschland eingesetzt werden, bei bestimmten Temperaturen nicht mehr richtig wirken. Was sind genau die Ergebnisse Ihrer Studie?

Prof. Jan Felix Drexler: Wenn die Tests zu warm gelagert werden, aber auch, wenn man sie in einer zu warmen Umgebungstemperatur deutlich über 30 Grad anwendet, werden sie unsensitiv. Das bedeutet, dass sie falsch negativ sein können. Und das ist nicht gut: Wenn ich das jetzt machte und ich glaube, ich bin nicht infiziert, also gibt es auch kein Risiko, dass von mir ausgeht, und dann treffe ich vielleicht meine Familie ohne Mundschutz zu Hause und könnte sie dabei anstecken.

Wie viele Tests haben Sie untersucht und bei welchen Temperaturen kamen diese falschen Ergebnisse zustande?

Wir haben elf verschiedene Antigentests untersucht. Es gibt inzwischen über 200 auf dem Markt. Wir haben uns elf angeguckt, die von großen Herstellern sind und die auch global deshalb verfügbar sind, weil uns ganz wichtig ist, dass die Studie für die warmen Sommermonate in Deutschland nützlich ist, aber auch für die gesamten Tropen. Deshalb haben wir auch einen Test, der zum Beispiel auch in Brasilien verkauft wird. Von diesen elf Tests haben eigentlich alle so ein Temperaturproblem. Wir haben das getestet, indem wir Proben, die Sars-Coronavirus-2 enthalten, warm gemacht haben, auf 37 Grad Celsius. Also das wären sehr warme Sommertage für deutsche Verhältnisse …

… aber es ist ja auch die Körpertemperatur! Also so warm ist es ja eigentlich gar nicht …

Genau. Das Hauptproblem ist aber tatsächlich die Umgebungstemperatur. Wir haben gesehen, dass sowohl die Lagerung - und zwar auch schon ganz kurz - auf 37 Grad die Tests schlechter macht. Selbst 10 Minuten auf 37 Grad reichen aus, damit sie an Sensitivität, also an der Frage, wie viel Virus sie nachweisen können, deutlich verlieren. Das heißt, es ist insgesamt ganz wichtig, dass diese Tests nicht draußen an der Sonne liegen oder wenn man sie zu Hause hat, dass die nicht am Fenster liegen.

Was ist, wenn ich mir zum Beispiel einen Test kaufe, ich stecke den in die Hosentasche - quasi Körpertemperatur - dann würde der ja auch nicht mehr wirken?

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Professor Jan Felix Drexler forscht an der Berliner Charité.

(Foto: ntv)

Dafür haben wir keine Daten, aber sie haben nicht unrecht. Im Prinzip ist das eine der zwei Kernaussagen der Studie: Die Lagerung muss adäquat sein. Das beinhaltet die Lagerung zu Hause, aber auch die Lagerung zum Einsatzort. Sie erwähnen die Hosentasche. Wenn man jetzt an große Teile der tropischen Länder in Südamerika, Afrika oder Asien denkt, dann müsste man sich fragen, wie die dahin kommen. Stellen Sie sich vor, es sind Millionen an Warenwert auf einem Laster und der fährt die vielleicht ohne Kühlung durch ein sonniges, warmes Land. Das ist eine ganz schlechte Idee, weil wir dann vielleicht, wenn's ganz schlecht läuft, dafür sorgen, dass es Ansteckungsketten gibt, die wir hätten verhindern können, wenn wir die Tests richtig gelagert hätten.

Welche Tests sind denn besser als andere?

Es ist ganz wichtig zu betonen, dass die Tests als solche alle super sind. Das ist also gar nicht ein Problem der Tests, sondern ein Problem der nicht korrekten Anwendung. Es geht nicht darum zu sagen, ein Test ist schlechter als der andere. Die Tests sind alle unter den korrekten Bedingungen ziemlich gut. Aber die verlieren alle, wenn sie zu warm angewendet, zu warm gelagert oder transportiert werden.

Das mit den Transportwegen würde ja auch für Deutschland gelten. Bei uns kann es im Sommer auch ziemlich warm werden.

Ja. Mann muss einfach sagen, das ist eine Logistikfrage, die durchaus auf den Beipackzetteln der Hersteller auch auftaucht, die aber nicht immer wahrgenommen wird. Wir wollen dazu beitragen, dass das den Leuten bewusst wird. Man muss sich das klarmachen, dass das ganz, ganz wichtig ist, damit man nicht mehr Schaden anrichtet, als es nützt!

Sie haben auch den Einfluss von Kälte untersucht. Bei welchen Temperaturen wird es denn im Winter kritisch?

Wir haben etwa zwei bis vier Grad untersucht. Das war etwas, was wir in unseren Laboren gut nachstellen konnten und im deutschen Winter sind zwei bis vier Grad nichts Ungewöhnliches. Da passiert das Gegenteil: Bei Hitze verlieren die Tests an Sensitivität und bei Kälte verlieren sie an Spezifität. Das bedeutet, dass es ein falsch positives Ergebnis geben kann. Auch das ist nicht gut: Man wird getestet, vielleicht in einem Testzelt, das ein Arzt aufgebaut hat - davon gab es in Berlin etliche - und die waren nicht beheizt. Es war also kalt. Dann kann es passieren, dass man als Nichtinfizierter positiv getestet wurde und sich Sorgen macht.

Was raten Sie jetzt den Leuten?

Es ist vielleicht etwas platt und trivial, aber im Endeffekt heißt das: Lest den Beipackzettel! Das muss man einfach allen sagen! Man muss diese Forderung an alle stellen: auch an die Ärzte, auch an die Spezialisierten und Hochspezialisierten, die vielleicht glauben, sie wüssten das alles. Es geht vielleicht doch im Detail mehr schief, als man denkt. Man muss sich klarmachen, es gibt eine Lagertemperatur, die empfohlen wird - meistens zwischen fünf Grad und 30 Grad - und es gibt eine Anwendungstemperatur und die liegt meistens so zwischen 15 und 30 Grad. Und man sollte Temperaturschwankungen vermeiden.

Das heißt also: Wenn ich in die Drogerie gehe und mir einen Selbsttest hole, lagere ich den am besten bei den Kartoffeln oder bei den anderen Medikamenten.

Ja, genau! Alles Wichtige steht im Beipackzettel. Aber eben im Kleingedruckten und man kann wirklich nicht erwarten, dass das alle Leute lesen und verstehen - vor allem, wenn die Tests im Heimgebrauch sind. Ich hätte das auch nicht gesehen und das ist ein Riesenproblem, finde ich.

Mit Jan Felix Drexler sprach Nina Lammers

Quelle: ntv.de

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