Panorama

1041 Franzosen infiziert Corona grassiert auf Flugzeugträger

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Die "Charles de Gaulle" wurde 2001 in Dienst gestellt.

(Foto: dpa)

Die "Charles de Gaulle" ist Frankreichs einziger Flugzeugträger und der hat nun seine eigene Corona-Krise. Hunderte Infektionen sind aufgetreten. Dabei ist rätselhaft, wie sich die Soldaten an Bord überhaupt anstecken konnten.

1041 Besatzungsmitglieder des französischen Flugzeugträgers "Charles de Gaulle" sowie der Begleitschiffe sind positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden. Mehr als 2000 Militärs, die auf dem Flugzeugträger oder ihren Begleitschiffen unterwegs waren, seien getestet worden, sagte Frankreichs Verteidigungsministerin Florence Parly. Einige warten immer noch auf ihre Testergebnisse, die Zahl könnte also noch steigen. Inzwischen seien alle 2300 Besatzungsmitglieder getestet worden.

645 Tests seien negativ ausgefallen, sagte die Generaldirektorin des Gesundheitsdienstes der Armee (SAS), Marilyne Gygax Généro, vor dem Verteidigungsausschuss des französischen Senats. Die übrigen Testergebnisse liegen noch nicht vor. "Wir sind und werden transparent sein", betonte die Generaldirektorin laut einer Erklärung des Senatsausschusses. Die Durchseuchung des Flugzeugträgers mit dem Coronavirus sei ein "absolut einschneidender" Vorfall. "Am Ende dieser Krise werden zweifellos Konsequenzen zu ziehen sein", betonte sie weiter.

500 der Seeleute zeigten den Angaben zufolge Symptome. 24 wurden ins Krankenhaus gebracht, einer von ihnen wird auf der Intensivstation behandelt. Der republikanische Senator Christian Cambon erklärte, es sei nicht nachvollziehbar, dass die Armeeangehörigen vor einem Einsatz nicht auf das Coronavirus getestet würden - "zu ihrer eigenen Sicherheit und wegen der Betriebseffizienz" des Militärs. Er kündigte an, Verteidigungsministerin Florence Parly um systematische Tests bei Soldaten zu bitten.

"Armee hat mit unserem Leben gespielt"

Wie das Coronavirus das Flaggschiff der französischen Armee erreichen konnte, bleibt weiter unklar. Seit einem Zwischenstopp in Brest vom 13. bis 16. März hatte die Besatzung keinen Kontakt mehr zur Außenwelt. Zuvor war sie zu einem dreimonatigem Einsatz im Atlantik unterwegs. Am Sonntag fuhr die "Charles de Gaulle" in ihren Heimathafen Toulon ein - zwei Wochen früher als geplant. Die Soldaten wurden in Toulon und Umgebung für zwei Wochen isoliert.

Bei der Entscheidung, den Zwischenstopp in Brest beizubehalten, sei das Wissen über das Virus begrenzter als heute gewesen, sagte Verteidigungsministerin Parly. "Die während dieses Zwischenstopps geplanten Aktivitäten und insbesondere die Ankunft der Familien an Bord wurden abgesagt." Auf der anderen Seite hätten die Soldaten ihre Familien an Land sehen können. "Es wurden Vorkehrungen getroffen, um die Risiken während dieser Ausflüge zu begrenzen." 

Nach dem Coronavirus-Ausbruch wurde Kritik an den Bedingungen auf dem Schiff laut. Nach Angaben des Investigativportals Mediapart wurde der erste Fall auf dem Schiff Anfang April bekannt. Mediapart berichtete unter Berufung auf Matrosen, dass Vorsichtsmaßnahmen nach dem Halt in Brest zu früh gelockert worden seien. "Die Armee hat mit unserem Leben gespielt", zitierte der Sender France Bleu einen Matrosen, der anonym bleiben wollte. Ihm zufolge haben bereits in Brest Besatzungsmitglieder Symptome gezeigt. Parly betonte, es sei zurzeit unklar, ob das Virus bereits vor dem Aufenthalt in Brest an Bord gewesen sei. Es werde untersucht, wie die vorgeschriebenen Vorsichtsmaßnahmen eingehalten wurden.

Quelle: ntv.de, vpe/AFP/dpa