Panorama

Verunglückter Höhlenforscher Countdown für die Bergung läuft

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Eng und schmierig: Die Rettung aus der Tiefe ist eine Herausforderung.

(Foto: dpa)

Noch immer muss der schwer verletzte Höhlenforscher in der Tiefe ausharren. Doch zahlreiche Helfer tun alles, um seine Rettung zu ermöglichen. Dabei könnte noch so einiges schiefgehen.

Der Transportbeginn des schwer verletzten Höhlenforschers Johann Westhauser in der Riesending-Schachthöhle bei Berchtesgaden steht nach Angaben der Bergwacht bevor. "In den nächsten Stunden wird es losgehen", sagte eine Sprecherin am Morgen. Die Einsatzkräfte arbeiteten noch daran, den Weg in der Höhle mit Seilzügen zu sichern und Hindernisse aus dem Weg zu räumen, teilte ein Sprecher der Bergwacht Bayern mit: "Für eine Rettung brauchen wir mehr Infrastruktur, für die das Material gebracht und eingebaut werden muss."

Der Zustand des Verletzten, der von zwei Ärzten betreut werde, sei weiterhin stabil. Westhauser hat ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten. Normalerweise sollte er möglichst wenig bewegt und vor allem der Kopf ruhig gehalten werden. In schweren Fällen werden Verunglückte sogar in ein künstliches Koma versetzt. Nun aber muss Westhauser über 1000 Meter Höhe und viele Kilometer transportiert werden.

Ohne Erschütterungen und ohne seine Mithilfe an schwierigen Stellen geht das nicht, erläuterte der höhlenerfahrene Notarzt, Anästhesist und Neurochirurg Michael Petermeyer, der das Einsatzteam verstärkt. "Es wird so sein, dass er für gewisse Passagen die Trage verlassen muss, so dass er mit eigener Hilfe durch bestimmte Stellen hindurchmanövriert wird." Was eine Rettung aus dieser Tiefe bedeutet, sprenge jede Vorstellung, beschreibt Petermeyer, der selbst in ähnlichen Tiefen war. "Es ist extrem verwinkelt, es geht um die Ecke. Es ist schmierig, es ist lehmig, es ist rutschig. Es ist eine Riesenherausforderung, die uns bevorsteht. Wir brauchen alle einen langen Atem."

Keine Ahnung, was im Gehirn los ist

Die Diagnostikmöglichkeiten der Ärzte vor Ort sind beschränkt. Die beiden Mediziner, die nach Tagen bei dem Verletzten ankamen, können weder eine Röntgenaufnahme noch eine Computer-Tomographie machen, was sonst der erste Schritt wäre. Sie wissen also nicht genau, wie es im Gehirn des Verunglückten aussieht. Für den Transport haben sie spezielle Medikamente bestellt, mit denen sie einen "medikamentösen Schutzmantel" um den Mann legen wollen.

Westhauser wird jeden Schutz brauchen, den er bekommen kann. Denn der Weg hinaus aus der Höhle wird alles andere als einfach. Es gibt senkrechte Schächte von mehr als 100 Metern, teils 180 Metern Höhe. Normalerweise steigen Höhlenkletterer hier am Seil mit einer sogenannten Steigklemme auf. Dafür ist der verletzte Höhlenforscher viel zu schwach. Helfer müssen ihn in einer Spezialtrage hochziehen. Je nach den Raumverhältnissen am jeweiligen Standplatz der Retter können sie unter Umständen mit einem Flaschenzug arbeiten.

Die Retter müssen Westhauser durch enge und verwinkelte Stellen bringen. Die Helfer sind aber zuversichtlich: Die Frage, ob Stellen für die Rettung zu eng sind, scheint geklärt: "Wir gehen davon aus, dass wir die Passagen ohne Erweiterung passieren können", sagte Einsatzleiter Nils Bräunig. Auch glitschige Stellen sind ein Problem, denn die vielen Helfer haben den Schlamm verteilt. Deshalb haben sie für die Rettung Fußtritte aus Metallstiften gebaut, Haken gebohrt und Seile gezogen.

Große Belastung für Retter

Der Abstieg in die Höhle fordert schon von absolut trainierten und gesunden Höhlenkletterern das Äußerste. Doch diesmal müssen sie dabei noch einen Schwerverletzten nach oben tragen. Ein Vorteil für die Rettungsmission: Im Einsatz sind sie besten Höhlenretter aus Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz. Deren psychische Anspannung ist immens. "Sie sind unglaublich erschöpft und mental stark belastet", schilderte der stellvertretende Chef der Bergwacht Bayern, Stefan Schneider. Damit immer genug ausgeruhte Retter zur Verfügung stehen, werden die Teams stets ausgewechselt. Insgesamt sind derzeit sieben internationale Höhlenretter-Teams mit rund 30 Leuten in der Riesending-Schachthöhle unterwegs.

Bisher steht die Mission unter einem guten Stern, Westhausers Zustand ist angesichts der dramatischen Umstände gut und auch das Wetter spielte halbwegs mit. Nur einige Gewitter sind angesagt, kein Starkregen. Das ist eine gute Nachricht, denn wenn viel Regen fällt, kann das die unterirdischen Gänge und Canyons in Wasserfälle und reißende Bäche verwandeln. Und wenn Stellen unpassierbar sind oder die Retter durchnässt werden, könnte sich die Rettung verzögern.

Wann und wie genau Westhauser nach oben gebracht wird, ist noch offen. Sobald alles vorbereitet sei, könne die Aktion starten, heißt es lediglich. Aufgrund der schwierigen Verhältnisse in der Höhle könne eine genaue Zeitangabe allerdings nicht gegeben werden, schränkte ein Sprecher der Bergwacht ein. "Was hier oben eine Stunde ist, sind da unten schnell zwölf Stunden." Die Retter hoffen, dass sie jeden Tag eines der vier auf der Strecke eingerichteten Biwaks erreichen. Und natürlich, dass alle heil draußen ankommen.

Quelle: n-tv.de, sba/dpa