Panorama
"Brummi-Andi" muss sich vor dem Landgericht Aachen wegen 17 verschiedener Delikte verantworten.
"Brummi-Andi" muss sich vor dem Landgericht Aachen wegen 17 verschiedener Delikte verantworten.(Foto: dpa)
Freitag, 12. Oktober 2018

Kriminell schon als Kind: "Crash-Kid-Andi" ist jetzt Zuhälter

Von Nicole Ankelmann

Derzeit steht Andreas B. aus Monheim in Aachen vor Gericht - wegen 72 Straftaten. Ein Urteil wird Mitte November erwartet. Bekannt geworden ist der Intensivtäter einst als "Crash-Kid-Andi", seine Strafakte ist außergewöhnlich lang.

Seinen Spitznamen "Brummi-Andi" erntete der früher auch als "Crash-Kid-Andi" bekannte Andreas B. aus dem nordrhein-westfälischen Monheim, als er 14 Jahre alt und damit gerade strafmündig war. Am 24. März 2000 stahl er in der Niederlanden einen Sattelschlepper und überrollte damit einen Polizisten, der ihn nach einer 30-stündigen Irrfahrt stoppen wollte. Der Beamte starb, Andreas B. wurde zu einer Jugendstrafe von vier Jahren verurteilt.

Es war nicht die erste Spritztour dieser Art. Mit elf Jahren fing Andreas B. an, Fahrräder und Mopeds zu stehlen. Später klaute der Sohn eines Lkw-Fahrers, dessen Eltern sich trennten, als er neun Jahre alt war, auch die Lastwagen seines Vaters und fuhr damit durch die Gegend.

Ein Jahr vor dem Vorfall in den Niederlanden schickte das Jugendamt den damals 13-Jährigen zu einer "erlebnispädagogischen Maßnahme" nach La Gomera. Dort klaute er das Auto einer Betreuerin, um damit nach Teneriffa zu verschwinden. Zwar wurde er an der Fähre von der Polizei gestoppt, trotzdem gelang es ihm, ein Boot zu stehlen und tatsächlich mehrere Wochen auf Teneriffa unterzutauchen. Dann folgte der tödliche Unfall in den Niederlanden.

Frühzeitige Entlassung wegen "günstiger Sozialprognose"

Geläutert zeigte sich "Brummi-Andi" nach seiner Verurteilung nicht. Im Gegenteil. Mit 16 vergewaltigte er einen Mithäftling, seine Haftstrafe verlängerte sich auf sieben Jahre. Trotzdem kam er nach vier Jahren auf Bewährung frei und konnte es wieder nicht lassen. Noch während seiner Bewährungszeit überfiel er mit mehreren Komplizen einen Drogendealer aus Wuppertal, den er aus der JVA kannte. Die Männer stürmten mit Gaspistolen und Jagdmessern bewaffnet die Wohnung ihres Opfers und nahmen alles von Wert mit. Die Bande wurde erwischt, für Andreas B. folgten neun Jahre und drei Monate Jugendstrafe.

Aufgrund einer "günstigen Sozialprognose" konnte er das Gefängnis 2008 wieder verlassen und heiratete seine Langzeit-Freundin Sandra, mit der er zwei Kinder in die Welt setzte. Ein glückliches Familienleben gab es dennoch nicht. Andreas B., über die Maßen eifersüchtig, glaubte, ein Bekannter wolle ihm seine Frau ausspannen. Er schlug mit einem Warndreieck auf den vermeintlichen Nebenbuhler ein. Der konnte flüchten, Andi verfolgte ihn - ohne Führerschein - mit dem Auto. Vor der Wohnung des Mannes schlug er ihn mit einem Schraubenschlüssel nieder. Wieder wurde Andreas B. verhaftet, landete vor Gericht und wurde wegen Körperverletzung zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt.

Zuhälterei minderjähriger Mädchen

Zwölf Jahre Knast hatte "Brummi-Andi" 2017 bereits hinter sich, als er bei einem erneuten Prozess wegen Fahrens ohne Führerschein beteuerte, sich geändert zu haben. Schon wenig später tauchten auf Facebook Videos von Andreas B. auf, die ihn genau dabei zeigten. "Ich fahre ohne Führerschein, wann ich will", sagte er darin. Und er filmte sich dabei, wie er eine Frau verprügelt. Die Polizei aus Düsseldorf und dem Kreis Mettmann suchte mehrere Monate lang vergeblich nach Andreas B. aus Monheim. Die Kollegen in Aachen zogen ihn Anfang Februar schließlich aus dem Verkehr.

Im Kreis Heinsberg soll sich der heute 33-Jährige als Zuhälter zweier minderjähriger Mädchen verdingt haben. Weigerten sich die Teenager, für ihn auf den Strich zu gehen, soll er sie brutal geschlagen haben. Er habe ihnen immer wieder gedroht, ihren Familien etwas anzutun, heißt es in der Anklage. Eine junge Mutter, der er drohte, er werde ihrem Sohn "den Kopf abschneiden" und ihre "Sippschaft" würde in einem Säurefass enden, traf sich 21 Mal mit Freiern. Das gesamte Geld ging an Andreas B. Dem Gericht liegen Whatsapp-Sprachnachrichten vor, in denen er Dinge sagt wie: "Du wirst auf allen vieren zu mir kriechen."

Die Anklage umfasst 17 verschiedene Delikte, insgesamt sind es 72 Punkte - darunter gefährliche und fahrlässige Körperverletzungen, vollendete und versuchte Zwangsprostitution, Zuhälterei, Drogenhandel, Geldfälschung, Brandstiftung, Bedrohungen, Trunkenheit am Steuer, Unfallflucht und Fahren ohne Führerschein. Nun droht "Brummi-Andi" also wieder einmal eine hohe Haftstrafe. Bis zu zehn Jahre könnten es werden, wenn nach zehn Verhandlungstagen Mitte November vor dem Landgericht Aachen das Urteil fällt.

Quelle: n-tv.de