Panorama

Karl Lauterbach im ntv-Interview "Curevac wird keine Rolle mehr spielen"

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Karl Lauterbach empfiehlt: "Sich draußen aufzuhalten, ist weitestgehend ungefährlich und sollte auch genossen werden."

(Foto: imago images/Jürgen Heinrich)

Der Impfstoff von Curevac ist nur wenig wirksam, eine Zulassung ist fraglich. Der deutschen Impfkampagne versetzt dies einen Dämpfer, erklärt SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach im ntv-Interview. Er geht davon aus, dass dies auf dem Weg zu Herdenimmunität etwa drei Wochen kostet.

ntv: Wie coronafrei darf man sich im Moment fühlen?

Karl Lauterbach: Es ist in der Tat so, dass die Wetterlage das Virus sehr stark zurückdrängt. Neuere Studien, gerade wieder eine Studie der Oxford-Universität, haben gezeigt, dass der R-Wert um ungefähr 40 Prozent absinkt, wenn man sich im Sommerwetter befindet. Von daher ist es im Moment tatsächlich so: Sich draußen aufzuhalten, ist weitestgehend ungefährlich und sollte auch genossen werden.

Auch ohne Maske?

Ich persönlich glaube, dass zum jetzigen Zeitpunkt die Maske draußen nicht mehr notwendig ist, weil die Fallzahlen sind gering. Es ist zwar möglich, dass draußen die Infektion weitergegeben wird. Aber es kommt nicht mehr zu Kettenreaktionen, zu Super-Spreading. Und wenn es kein Super-Spreading gibt, gibt es auch kein exponentielles Wachstum. Man sollte von großen Veranstaltungen absehen, bei denen die Menschen lange beieinander stehen, um hereinzukommen und sich auf engem Raum aufhalten – das ist noch gefährlich, da wäre die Maske notwendig.

Sprechen wir über Impfungen, da gibt es eine Debatte über den Impfstoff von Curevac. Welche Auswirkungen erwarten Sie für die Impfkampagne?

Ich glaube tatsächlich, dass der Impfstoff von Curevac für die Impfkampagne in Deutschland keine Rolle mehr spielen wird. Weil schon jetzt ist klar: Selbst wenn er später zugelassen wird, wird es kein sehr starker Impfstoff sein. Daher wirft das die Impfkampagne etwas zurück.

Wie stark sind diese Auswirkungen?

Ich würde davon ausgehen, dass wir eine Herdenimmunität der Erwachsenen, also 75 bis 80 Prozent doppelt geimpfte Erwachsene, Mitte September erreichen. Das bedeutet, dass wir insgesamt durch den Ausfall von Curevac ein paar Wochen verlieren, vielleicht drei Wochen, aber nicht mehr.

Werden wir immer noch schnell genug sein beim Impfen, damit sich die Delta-Variante nicht stärker ausbreitet?

Die Delta-Variante wird sich sehr schnell in Deutschland verbreiten. Wir werden im Herbst die Delta-Variante auch als dominierende Variante bekommen. Davon gehe ich persönlich aus. Auf der anderen Seite wird durch die Impfungen bis dahin keine wirklich große vierte Welle entstehen. Meine Vermutung ist, dass die Herbst-Delta-Welle diejenigen betreffen wird, die nicht geimpft sind – und die Kinder. Und um die Kinder und Jugendlichen, die ja gerne geimpft worden wären, es aber nicht können, weil es keine STIKO-Empfehlung gibt, tut es mir besonders leid.

Mit Karl Lauterbach sprach Christopher Wittich

Quelle: ntv.de

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