Qualvolle Zucht-Bedingungen Das üble Drecksleben von Hamster und Co

Es sind grauenvolle Bilder, die Tierschutzaktivisten monatelang versteckt gefilmt haben. Bilder, die den Alltag der Kleintierbranche dokumentieren: Hamster, Meerschweinchen, Kaninchen und andere Haustiere - eingepfercht in verdreckten Plastikboxen.
Das Beste für Ihr Tier. So wirbt der beliebte Heimtierbedarf "Fressnapf" auf seiner Firmen-Website. Das Unternehmen sieht sich selbst nicht nur als reinen Fachhändler, sondern gleichzeitig als Verbündeten zwischen Mensch und Tier. "Tiere bereichern unser Leben – Tag für Tag", steht auf der Website. Deshalb bietet "Fressnapf" neben Zubehör und Tiernahrung auch Kleintiere zum Verkauf. 70.000 Vögel, Meerschweinchen, Kaninchen und Co werden pro Jahr an Haustierliebhaber verkauft.
Doch ist das Bündnis zwischen Tier und Unternehmen wirklich so eng? Die Antwort lautet: Nein. Undercover-Recherchen von Tierschützer zeigen, dass Zucht- und Zulieferbetriebe im Streben nach Profit wenig Skrupel mit Meerschweinchen und Co haben. Monatelang filmten Aktivisten der Tierrechtsvereinigung Peta verdeckt in Zuchtbetrieben und bei Händlern, nahmen Lieferwege großer Ketten wie "Fressnapf", "Das Futterhaus" oder "Dehner" unter die Lupe und deckten üble Zustände auf.
Auf Videos dokumentieren die Tierschützer, wie Kleintiere in überfüllten, verdreckten Käfigen oder winzigen Plastikbehältern gehalten werden. Diese sind kaum größer als eine Brotbox. Viele der Kaninchen, Meerschweinchen, Mäuse oder Kanarienvögel müssen in ihren Ausscheidungen leben, manche waren verletzt, einige waren bereits tot. Die schockierenden Aufnahmen zeigen sogar, wie es in einem Vogelkäfig zu Kannibalismus kommt. Der Branche gehe es um "Monetik statt Ethik", bringt Peta-Aktivist Edmund Haferbeck das Ergebnis auf den Punkt.
Schlimmer als Versuchsmäuse
Auch die baden-württembergische Landestierschutzbeauftragte Cornelie Jäger ist schockiert über die Aufnahmen, die die ARD ihr zur Begutachtung vorgelegt hatte. "Die Grenze zur Strafbarkeit ist hier erreicht und teilweise schon überschritten", so Jäger. Die Grundvoraussetzungen für eine tierschutzgerechte Unterbringung der Tiere würden hier gänzlich fehlen. Zudem seien die hygienischen Bedingungen unzumutbar. Gegenüber dem "Spiegel" sprach Jäger sogar davon, dass Heimtiere oft schlechter gehalten würden "als Versuchsmäuse oder Masthühner".
Die ARD-Sendung "Report Mainz" und der "Spiegel" haben auf Basis der Peta-Filmaufnahmen die Branche durchleuchtet. Die fragwürdigen Züchter und Lieferanten sind in der Mehrzahl in Raum Osnabrück und in den Niederlanden angesiedelt. Konfrontiert mit den Vorwürfen über die unwürdige Tierhaltung räumen mehrere Firmen zwar die Missstände ein, erklären jedoch, dass sich die Tiere nur vorübergehend in ihren Hallen aufhalten würden.
"Fressnappf" & Co distanzieren sich
Die betroffenen Großmärkte, wie "Dehner", "Das Futterhaus" und "Fressnapf" betonten auf Nachfrage der ARD, dass die auf den Filmsequenzen dokumentierten Zustände nicht ihren Richtlinien entsprächen. "Dehner" seien bislang keine Verstöße gegen die selbst gesetzten Vorgaben des Unternehmens bekannt geworden. Mit den Rechercheergebnissen konfrontiert, habe man die Lieferanten aufgefordert, den Vorwürfen "unverzüglich nachzugehen", heißt es. "Das Futterhaus" will seine Lieferanten wechseln.
Auch "Fressnapf" will seine Bezugsquellen für Heimtiere umstellen. Eine weitere Zusammenarbeit mit den hier betroffenen Züchtern und Lieferanten sei nicht geplant, heißt es. "Fressnapf" wörtlich: "Bilder dieser Art, aber vor allem Bedingungen dieser Art sind schlicht inakzeptabel. Das Unternehmen distanziert sich ganz ausdrücklich davon." Künftig wolle man Tiere über ein eigenes zertifiziertes Züchterprogramm beziehen.
So oder so, das Geschäft mit den "kleinen Lieblingen" brummt. Der Umsatz mit Heim- und Kleintieren wird bundesweit von Branchenkennern auf mehr als eine Milliarde Euro geschätzt. Rund 10 Millionen Heimtiere tummeln sich in deutschen Haushalten.