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Donnerstag, 24. November 2016

"Vorbote für eine weiße Weihnacht": Der Winter naht mit Kälte und Schnee

Ob tatsächlich Schnee am Heiligabend fällt, ist schwer voraus zu sagen. n-tv Meteorologe Björn Alexander erwartet allerdings für die ersten Dezemberwochen hierzulande alles andere als milde Temperaturen. Auch in Norditalien und den Südalpen bleibt es ungemütlich.

n-tv.de:  Weihnachtscountdown - nur noch einen Monat bis zum Fest. Gibt’s schon Trends für die Schneewahrscheinlichkeit?

Björn Alexander: Nach wie vor ist es noch ein bisschen sehr lang hin für computerunterstützte Prognosen. Die Wettermodelle, die wir benutzen, enden mit ihren Vorhersagen um den 10. Dezember herum. Aber auch das ist natürlich schon der absolute Glaskugelbereich.

Die milden Temperaturen der letzten Tage gehören bald der Vergangenheit an.
Die milden Temperaturen der letzten Tage gehören bald der Vergangenheit an.(Foto: dpa)

Und was sagt die meteorologische Glaskugel?

Dass es in den nächsten Tagen auf jeden Fall erst einmal kälter wird. Und auch im ersten Dezemberdrittel ist der Winter ganz sicher nicht chancenlos. Wenn ich mir jetzt diese letzte mir derzeit vorliegende Wetterkarte anschaue, dann könnte es nach der Schneeschauer bis ganz herunter ins Flachland geben. Das wäre also eine winterliche Lage, die vor allem in den Mittelgebirgen schon mal ein Vorbote für eine "weiße Weihnacht" sein könnte. Und vor allem dort ist es auch mal wieder Zeit für Schnee zum Fest.

Warum gerade in den Mittelgebirgen?

Weil diese Bereiche in den vergangenen Jahren relativ häufig schneelos zu Weihnachten waren.

Und das ist andernorts nicht so gewesen?

Im Flachland war es in der Vergangenheit zum Teil sogar relativ häufig weiß. Beispielsweise die tiefen Lagen im Westen, 2010 mit Rekordschneemengen und 2014, wo es dann immerhin zum Ende der Weihnachtstage weiß wurde.

Aber zweimal in den vergangenen 6 Jahren ist doch nicht oft.

Auf dem platten Land hier am Niederrhein schon. Nehmen wir beispielsweise Köln. Zwischen 1951 und 2010, also in 60 Jahren gab es in Köln nur sechs Mal Schnee zu Weihnachten. Also rein statistisch gesehen alle 10 Jahre einmal. Und auch die Aussage: "früher war mehr Winter" oder so ähnlich ist nicht unbedingt zutreffend - zumindest nicht in Köln und wenn es um die sogenannte "weiße Weihnacht" geht. Denn wenn man mal die Zeiträume von 1951 bis 1980 und von 1981 bis 2010 miteinander vergleicht, dann stellt man fest: im früheren Zeitintervall gab es die "weiße Weihnacht" nur zwei Mal, im späteren hingegen vier Mal.

Wie sieht es in anderen Regionen aus?

In Garmisch zum Beispiel verteilt es sich gleich mit jeweils 20 Mal "weiße Weihnacht" pro Zeitfenster. Dort kann man also mit einer statistischen von über 65 Prozent mit Schnee zum Fest rechnen. In Hamburg und Berlin ist Schnee zum Fest dagegen tendenziell etwas seltener geworden.

Wie viel seltener?

In Berlin: 13 Mal zwischen 1951 und 1980 gegenüber zehn Mal zwischen 1981 und 2010. Hamburg erlebte Schnee zum Fest im früheren Zeitraum zehn Mal gegenüber acht Mal in jüngerer Zeit. Das entspricht also für den Gesamtzeitraum von 60 Jahren etwa 30 Prozent in Hamburg (18 Mal in 60 Jahren). In Berlin (23 Mal in 60 Jahren) 35 bis 40 Prozent. Anders ausgedrückt: dort gab es etwa in jedem dritten bis vierten Jahr zu Weihnachten auch Schnee.  

Unabhängig von Statistiken und den Computermodellen: was sagt dein Bauchgefühl?

Ich glaube, dass wir nach wie vor gute Chancen auf einen richtigen Winter haben. Auf jeden Fall deutet momentan nichts auf eine Wiederholung des Dezembers 2015 hin. Der war - zumindest für Winterfreunde - ja das absolute Desaster mit einer Rekordtemperaturabweichung von 6 Grad über den Normalwerten.

Dann kommen wir zurück zu den nächsten Tagen: das erste Adventswochenende steht vor der Tür. Punsch oder Limonade?

Wohl eher die erwärmende Variante. Denn nach den sehr milden Zeiten zuletzt setzt sich jetzt von Osten her spürbar kältere Luft durch.

Wie kalt wird es?

Tagsüber werden am Wochenende meistens nicht mehr als 2 bis 8 Grad erreicht. Höchstens am Oberrhein und direkt an der Küste stellenweise vielleicht etwas darüber. Zudem weht ein zum Teil recht unangenehmer Ostwind. Nachts wird es damit natürlich auch wieder kälter. Tiefstwerte um den Gefrierpunkt und unter Aufklarungen Frost. Damit müssen Sie teilweise auch mit Reifglätte rechnen. 

Wie schaut es in Sachen Wetter aus?

Bilderserie

Passend zur Jahreszeit, denn es bleibt vielerorts novembrig grau mit Nebel oder Hochnebel. Nach jetzigem Stand könnte es am Samstag aber in Richtung Nordwesten und Norden auch mal ein paar mehr Lücken in der Nebeldecke geben. Am Samstag dürfte es dabei verbreitet trocken weitergehen. Sonntag ist im Süden und Südosten aber etwas Regen, Schneeregen oder Schnee nicht auszuschließen. 

Was bringt die neue Woche?

Am Montag wird die Luft sehr wahrscheinlich trockener, so dass die Nebelneigung geringer und die sonnigen Anteile häufiger werden. Jedoch wird auch die Luft nochmals kälter, so dass sich im Bergland leichter Dauerfrost durchsetzt und es verbreitet Nachtfrost geben wird. Und auch im Flachland sind tagsüber dann nicht mehr als 1 bis 5 Grad drin. Der Dienstag wird dann ähnlich. Ab der Wochenmitte sieht es momentan nach wechselhafterem, aber nach wie vor kühlem Wetter aus.  

Letzte Frage: wie ist aktuell die Situation in den Unwetterregionen im Bereich Südalpen und Norditalien?

Nach einer kurzen Pause schüttet es leider wieder. Bis Freitagabend werden im Bereich Küste/Bergland zwischen Genua und französischer Grenze nochmals 200 bis 300 Liter fallen, gleiches gilt für die westliche Poebene (von Turin nach Westen bis zu den Alpen) mit der Gefahr von Erdrutschen und Überschwemmungen. In den Hochlagen oberhalb von circa 2000 Metern geht der Regen in Schnee über, so dass neben extremer Einwinterung in den kommenden Tagen vermehrt mit Lawinenabgängen gerechnet werden muss.

Quelle: n-tv.de