Panorama

Für Hamburg sieht es gut ausDeutschland hofft auf Welterbetitel

27.06.2015, 14:34 Uhr
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Der Naumburger Dom mit der Stifterfigur der Uta von Naumburg zählt zu den bedeutendsten hochmittelalterlichen Kulturdenkmälern. (Foto: dpa)

Bisher hat Deutschland 39 Unesco-Welterbestätten, vom Aachener Dom bis zur Zeche Zollverein in Essen. Nun hoffen Kandidaten aus Hamburg und Sachsen-Anhalt auf Aufnahme, außerdem "Denkmäler und Stätten der Wikinger" in Schleswig-Holstein.

Hamburger Speicherstadt

Die Hamburger Speicherstadt gilt als größtes einheitlich geprägtes Speicherensemble der Welt. Bis 1927 entstanden auf dem Gebiet eines Wohnviertels 24 Speicherblöcke. In dem Lagerhauskomplex mit Backstein-Fassaden im neogotischen und neoromanischen Stil wurden vor allem Kaffee, Tee und Gewürze umgeschlagen und veredelt. Das Kontorhausviertel direkt nördlich der Speicherstadt entstand in den 1920er- und 30er-Jahren. Es besteht aus großen, im expressionistischen und sachlichen Stil der Zeit gehaltenen Bauten wie dem Chilehaus, ein Klassiker der modernen Büroarchitektur.

Die Saale-Unstrut-Region in Sachsen-Anhalt hat noch nicht aufgegeben, sei das Urteil noch so niederschmetternd: "Nicht zur Einschreibung empfohlen", lehnt der Internationale Denkmalrat (Icomos) die Aufnahme der hochmittelalterlich geprägten Kulturlandschaft mit dem viertürmigen Naumburger Dom im Mündungsbereich der Unstrut in die Saale ab. Aber für den Vorsitzenden des Fördervereins Welterbe an Saale und Unstrut, Ulrich Götz, ist das letzte Wort darüber noch nicht gesprochen. Das Welterbekomitee der UN-Kulturorganisation Unesco entscheidet bei seiner nächsten Sitzung in Bonn (28. Juni bis 8. Juli) über die Aufnahme von 36 nominierten Kulturerbestätten.

Unter den drei deutschen Kandidaten hat offensichtlich Hamburg mit seiner Speicherstadt und dem Kontorhausviertel die besten Chancen: Der Internationale Denkmalrat hat sie zur Einschreibung empfohlen. Die zwischen 1885 und 1927 entstandene Speicherstadt gilt als das größte zusammenhängende, einheitlich geprägte Speicherensemble der Welt. Das Kontorhausviertel gilt als erstes reines Büroviertel auf dem europäischen Kontinent.

Kritik am Antrag aus Sachsen-Anhalt

Naumburger Dom

Der Naumburger Dom ist der augenfälligste Zeuge der Kulturlandschaft im Mündungsbereich der Unstrut in die Saale. Aus den Strukturen des Hochmittelalters entwickelten sich hier Siedlungen und Städte, die ihre Grundrisse bis in die heutige Zeit weitgehend bewahren konnten. Burgen und Befestigungsanlagen, Klöster und Kirchen prägen das Bild in dem Gebiet, das Goseck, Naumburg, Saaleck und Freyburg einschließt. Der Naumburger Dom mit der Stifterfigur der Uta von Naumburg zählt zu den bedeutendsten hochmittelalterlichen Kulturdenkmälern.

Entscheidende Kriterien für die Aufnahme sind die Einzigartigkeit, historische Echtheit und die Unversehrtheit. In diesen Punkten gab es für den Antrag aus Sachsen-Anhalt in weiten Teilen Kritik, sagte Götz. Die Gutachter empfahlen die "hochmittelalterliche Herrschaftslandschaft" nicht einzuschreiben. Österreich und Rumänien hatten ebenfalls eine Abfuhr erhalten und ihre Bewerbungen vor der Sitzung zurückgezogen.

Naumburg und die Region kämpfen weiter, verteidigten ihren Antrag in einer Stellungnahme und eine Delegation wird auch nach Bonn kommen. "Wir machen uns ernsthaft Hoffnung", sagt Götz: Hoffnung, nicht abgewiesen zu werden. Alles andere wäre ein Erfolg - auch wenn sie den Antrag umfangreich überarbeiten müssten.

Deutsche Bewerbung unter isländischer Federführung

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Das Chilehaus im Kontorhausviertel in Hamburg. (Foto: dpa)

Wie es der Denkmalrat für die dritte deutsche Bewerbung unter isländischer Federführung empfiehlt: Deutschland, Island, Dänemark und Lettland wollen bedeutende Stätten der Wikingerkultur in Nordeuropa in einer transnationalen Welterbestätte zusammenzufassen. Dazu gehört das frühere Handelszentrum der Wikinger Haithabu und die Verteidigungswälle des Danewerk, beides in Schleswig Holstein.

Natürlich sollte man diese Empfehlungen sehr ernst nehmen, sagt die Sprecherin der Deutschen Unesco-Kommission Katja Römer. Aber die Empfehlung sei für die Kommission nicht bindend. "Wir haben in den letzten Jahren erlebt, dass zahlreiche Entscheidungen gegen die Empfehlung gefallen sind".

Erstes Weltkulturerbe in Hamburg

Darum wird die Delegation aus Hamburg mit "vorsichtigem Optimismus" anreisen, wie es die Sprecherin der Hamburger Kulturbehörde Laura-Helen Rüge umschreibt. Aber es schwingt wohl auch Vorfreude mit: Für Hamburg wäre es das erste Weltkulturerbe. Natürlich wäre das eine Ehre, sagt Rüge.

"Eine erfolgreiche Bewerbung würde aber sicher auch im erheblichen Maße dazu betragen, Hamburg noch stärker international bekanntzumachen", sagt sie mit Blick auf den Tourismus. Immer mehr Reiseveranstalter im amerikanischen und asiatischen Raum steuerten ausschließlich Welterbestätten an. Ist schon eine Feier geplant? Im Fall der Fälle werde später größer gefeiert, Anfang September am Tag des Denkmals.

Und Naumburg? "Egal, wie das mit dem Welterbe ausgeht, wir haben trotzdem gewonnen", sagt Ulrich. Die wissenschaftlichen Grundlagen, die neuen Erkenntnisse, das Verständnis und die Identifikation der Menschen mit der Region - das alles habe man mit dem Prozess seit 1989 erreicht. "Da ist ganz viel Stolz bei den Menschen entstanden."

Quelle: ntv.de, Elke Silberer, dpa

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