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Trotz Temperatursturz Deutschland tanzt trocken in den Mai

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Im April fiel viel zu wenig Regen - nur etwa 30 Prozent des Monatssolls.

(Foto: dpa)

Nach den frühsommerlichen Apriltagen folgt am Wochenende die kalte Dusche in Form von Regen und einem Temperatursturz. Der n-tv Meteorologe Björn Alexander erklärt im Interview, warum es für den anstehenden Feiertag dennoch Hoffnung gibt.

Heftige Gewitter und Dürre scheinen sich in diesen Tagen die Hand über Deutschland reichen zu wollen. Welche Seite macht das Rennen am letzten Aprilwochenende?

Eigentlich weder das eine noch das andere. Denn am Wochenende klammern wir die Extreme einfach mal aus. Zuvor beenden teils heftige Gewitter auch in den östlich gelegenen Landesteilen den Aprilsommer. Die freien Tage bringen uns dann keine 20 Grad mehr und überwiegend wechselhaftes Wetter. 

Dann ist auch die hohe Waldbrandgefahr vorüber?

Definitiv. Am Sonntag herrscht oft die Waldbrandgefahrenstufe 1 oder 2. Nur vereinzelt ist es im Bereich der Lüneburger Heide, in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern die mittlere Stufe 3 (von 5). 

Erst Aprilwetter und anschließend tanzen wir mit besserem Wetter in den Wonnemonat? Schließlich ist ja kommende Woche bereits der 1. Mai.

Björn Alexander

Björn Alexander

Nach jetzigem Stand sieht es zum Monatswechsel wieder ganz gut aus. Der Osten startet zwar nass in die neue Woche und am Dienstag könnte es auch im Süden noch lange wolkig bei etwas Regen sein. Ansonsten bessert sich das Wetter deutlich, so dass wir mehrheitlich trocken in den Mai tanzen dürften.  

Wie schaut es am Maifeiertag aus?

Der Mittwoch sollte uns häufig sonniges und trockenes Wetter bringen. Die Temperaturen pendeln sich bei 12 Grad an den Alpen und oft bei 14 bis 18 Grad im übrigen Land ein. Stellenweise sind vielleicht auch mal bis knapp 20 Grad möglich. Das ist nach den sommerlichen Werten zuletzt zwar schon ein paar Etagen tiefer. Es passt aber ganz gut in die Jahreszeit und der anstehende Regen ist ja inzwischen mehr als nötig. Denn der April hat - nach einem deutlich zu nassen März - bislang bereits ein ordentliches Regendefizit eingefahren. 

Wie viel Regen fehlt uns denn bisher?

Bislang sind im April im landesweiten Durchschnitt kaum 20 Liter pro Quadratmeter gefallen. Das sind in etwa 30 Prozent des Monatssolls. Es fehlen also deutschlandweit um die 40 bis 45 Liter Regen auf den Quadratmeter. 

Zuletzt wurden immer wieder Vergleiche zum letzten Jahr in puncto Dürre aufgestellt. Ist die Situation vergleichbar?

Meines Erachtens nicht. Einerseits haben wir natürlich ein extremes Wetterjahr hinter uns, das in den tieferen Boden- und Gesteinsschichten in Bezug auf die Wassersituation sicherlich noch nicht folgenlos überstanden ist. Die meteorologische Situation sah vor einem Jahr ebenfalls ganz anders aus. Der Februar und der März 2018 waren zu kalt (der Februar gut 2 Grad, der März knapp 1 Grad unterm langjährigen Mittelwert). Der Februar 2019 war hingegen fast 4 Grad zu warm, der März 2019 brachte einen Temperaturüberschuss von circa 3 Grad. Damit ist der Frühling schon sehr weit fortgeschritten. Der Wasserbedarf und die Verdunstung sind wesentlich größer und eine trockene Phase macht sich wesentlich stärker bemerkbar. 

Also ist die Sorge vor einem weiteren "Dürresommer" berechtigt?

Die ist auf jeden Fall berechtigt und es ist ein ziemlich bedrohliches Szenario. Auf eine extreme und längerfristige Trockenheit sind wir - wie wir es im vergangenen Jahr wohl alle festgestellt haben - nicht vorbereitet, da Wasser für uns ja in der Vergangenheit immer und überall verfügbar war. Vielleicht sollten wir uns generell Gedanken zum Management rund um unsere wichtigste Ressource Wasser machen. In der Zukunft könnte nämlich Regenmangel in Kombination mit dem Abschmelzen der alpinen Gletscher sehr wohl zum Problem werden.

Um aber noch einmal auf die Frage nach dem "Dürresommer" im Jahr 2019 zu kommen: Es gibt keine realistischen Vorhersagen für die kommenden Monate und rein statistisch ist die Wahrscheinlichkeit für ein weiteres extremes Dürrejahr wie 2018 eher gering. Denn in der Vergangenheit hat es immer mal wieder sehr trockene Jahre gegeben, die sich schlussendlich als Ausreißer entpuppten. 

Dann wollen wir mal hoffen, dass es so bleibt. Welches Jahr war denn noch trockener?

2018 wurde mit um die 600 Liter/Quadratmeter nur 75 Prozent des Solls erreicht. Damit ist 2018 zwar eines der trockensten Jahre. Mindestens vier Jahre seit Beginn der regelmäßigen Wetterbeobachtungen waren aber trockener. Spitzenreiter ist das Jahr 1959 mit 551,6 Litern/Quadratmeter. Und auch aus geschichtlichen Schilderungen sind uns enorm trockene Jahre überliefert. Beispielsweise das Jahr 1540, in dem es in Mitteleuropa fast ein Jahr so gut wie nicht geregnet hat. Zeitzeugen berichteten, dass man selbst große Ströme wie Elbe, Rhein oder die französische Seine zu Fuß durchqueren konnte.  

Von der meteorologischen Zeitreise zurück zum kommenden Wochenende: Was zeigen uns die Wetterkarten?

Am Samstag bekommen wir wechselhaftes Aprilwetter mit Regengüssen und örtlichen Gewittern. Vor allem in Gewitternähe sowie generell in der Südwesthälfte weht der Wind hierbei stark bis stürmisch. Die Temperaturen bringen es auf höchstens 8 Grad in der Eifel und 18 Grad in den östlichen Landesteilen. Uns steht also ein Temperatursturz von um die 10 Grad bevor. 

Wie sieht der Sonntag aus?

Auch nicht viel anders. Es bleibt beim Schauerwetter bei maximal 7 bis 17 Grad. Und damit sinkt die Schneefallgrenze in den Alpen bis 1000 Meter. Allenfalls der teils stürmische Wind wird weniger stark wehen. Am Montag bringt sich die Sonne in einigen Regionen wieder besser ins Spiel, der Regen wird seltener und die Höchstwerte steigen auf 8 bis 18 Grad.

Quelle: n-tv.de

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