Panorama

Erinnerungen des Zweiten Offiziers Die 32 Sekunden von Lakehurst

32 Sekunden dauert die Zerstörung des Zeppelins L 129 "Hindenburg" am 6. Mai 1937. 36 Menschen kommen ums Leben. An Bord ist auch der Zweite Offizier Heinrich Bauer, der das Unglück später in Berichten schildert. "Er war ein Abenteurer", sagt sein Sohn heute.

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6. Mai 1937: Die "Hindenburg" explodiert bei der Landung in Lakehurst bei New York.

(Foto: dpa)

"Das Schiff schlug hinten auf, man hörte das Krachen und Brechen der Träger und das Heulen des Brandes", schreibt der Zweite Offizier und Wachhabende der LZ 129 "Hindenburg" über den Absturz des Luftschiffes am 6. Mai 1937 im amerikanischen Lakehurst. "In der Führergondel herrschte eine bedrückende Stille und Ruhe, einige Männer stöhnten, andere fielen zu Boden und jeder versuchte, bei der immer größer werdenden Schräglage sich irgendwo festzuhalten."

 Die Szenen, die Heinrich Bauer in seinen Aufzeichnungen nach dem Unglück beschreibt, umfassen gerade mal 32 Sekunden: Bei der Landung des Zeppelins bricht im Heckteil ein Feuer aus. Es verbreitet sich rasend schnell, das Schiff steht in Flammen und schlägt schließlich auf dem Boden auf. Einige Mitglieder der Besatzung können sich gerade noch aus der Führergondel retten, einige Passagiere springen verzweifelt durch die Fenster des Gästebereichs. 36 Menschen sterben: 13 Passagiere, 22 Crewmitglieder und ein Mitglied der Bodenmannschaft. Die LZ 129 "Hindenburg" wird völlig zerstört.

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Manfred Bauer in Friedrichshafen im Zeppelin-Museum.

(Foto: dpa)

Bauer ist zu diesem Zeitpunkt 35 Jahre alt. Ein Jahr zuvor hat er geheiratet, in seiner Heimat am Bodensee gilt der "Zeppeliner" längst als Held. Mehr als eineinhalb Millionen Kilometer hat er bis zum Unglück in Lakehurst mit Luftschiffen zurückgelegt - die Fahrt am 6. Mai 1937 ist seine 55. "Er war ein Abenteurer", sagt sein Sohn Manfred Bauer, der sich seit vielen Jahren in Büchern und Ausstellungen intensiv mit dem Lebensweg seines Vaters auseinandersetzt.

Im kürzlich erschienenen Buch "Mein Vater, Luftschiffkapitän Heinrich Bauer" hat er unter anderem dessen Aufzeichnungen zusammengetragen. Es ist eine sehr persönliche Spurensuche: Als Manfred Bauer 1946 zur Welt kommt, ist sein Vater schon nicht mehr der hoffnungsvolle Zeppeliner - sondern ein Mann, der schwer verwundet aus dem Krieg heimgekehrt ist. Nach der Katastrophe in Lakehurst geht die Ära der Zeppeline auch für Heinrich Bauer zu Ende: 1939 wird er eingezogen, 1945 schwer verwundet. Wegen schlechter medizinischer Versorgung verliert er einen Fuß und einen Teil des Beines. "Mein Vater hat nie viel über die Zeit bei Zeppelin gesprochen", sagt Manfred Bauer heute. "Und ich habe damals auch nicht oft nachgefragt."

Die 32 Sekunden, in denen die LZ 129 "Hindenburg" zerstört wurde, scheinen das Leben von Heinrich Bauer dennoch stark geprägt zu haben - in seinen Aufzeichnungen berichtet er ausführlich und eindringlich über das Geschehen während des Unglücks. "Das Schiff ging nochmals kurz hoch und in diesem Augenblick konnte ich zwei Leute hinauswerfen, die nicht abspringen wollten", schreibt er. Kurz darauf sprang er selbst aus der Gondel. "Hinter mir brach das Schiffsgerippe herunter und die niederschlagenden Flammen brannten mir noch das Nackenhaar ab."

Quelle: ntv.de, dpa

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