Panorama
Die Waschbären sollten wegen ihrer Daumen nicht in der Lage sein, die Mülltonnen in Toronto zu öffnen.
Die Waschbären sollten wegen ihrer Daumen nicht in der Lage sein, die Mülltonnen in Toronto zu öffnen.(Foto: picture alliance / dpa)
Dienstag, 18. September 2018

Der Waschbären-Krieg von Toronto: Die "Müll-Pandas" schlagen zurück

Seit Jahren suchen Waschbären die Hinterhöfe Torontos heim. Ihr Ziel: die Mülltonnen. Dank neuartiger verschließbarer Behälter glaubte die Stadt, den Krieg gegen die "Müll-Pandas" gewonnen zu haben. Doch die Waschbären sind schlauer als gedacht.

Für manche sind Waschbären vor allem niedlich - doch für viele Menschen in Toronto sind sie einfach nur "Müll-Pandas". Nervtötende Viecher, die durch Hinterhöfe schleichen und es auf die Mülltonnen abgesehen haben, besonders auf die mit weggeworfenen Lebensmitteln. Die Stadt rief gar einen Krieg gegen die Tiere mit der schwarzen Gesichtspartie aus, die manche an die Masken von Einbrechern erinnern. Viel höher angesehen waren sie bei vielen jedenfalls nicht.

Datenschutz

Doch den "Krieg" hat die Stadt auf recht souveräne Weise für sich entschieden: mit verschließbaren Mülltonnen. Seit die grünen Behälter 2016 mit einem Schließmechanismus aus Deutschland im Einsatz sind, sei die Zahl der Beschwerden deutlich zurückgegangen, heißt es in einer langen Reportage der Zeitung "Toronto Star" dazu. Doch im gleichen Text erzählt die Reporterin Amy Dempsey von einem Waschbären, der offenbar einfach in der Lage ist, den Verschluss zu öffnen.

Sie war auf das Thema aufmerksam geworden, weil sich in Toronto immer mehr Menschen Sorgen machten, die Waschbären würden einfach verhungern. Jene Waschbären, die kanadaweit berühmt dafür waren, besonders fett zu sein. Die Expertin zum Thema, die Wissenschaftlerin Suzanne MacDonald, versicherte nach einer Untersuchung, dass man sich diesbezüglich keine Sorgen zu machen brauche. Eher sei das Gegenteil der Fall.

Waschbär knackt Deckel in 30 Sekunden

Datenschutz

MacDonald war es auch gewesen, die die Mülltonnen mit Dutzenden Tieren getestet hatte. Anschließend war sie sich sicher, dass die Waschbären nicht in der Lage sein würden, den Drehmechanismus mit Schloss zu knacken. Ein wichtiger Grund sei, dass sie ihre Daumen nicht den restlichen Fingern gegenüber positionieren und daher den Drehverschluss nicht greifen könnten.

Doch Zweifel an dieser Einschätzung kamen auf, als sich ein Handyvideo im Internet verbreitete. Es zeigte, wie ein Waschbär eine Mülltonne umstieß und innerhalb von 30 Sekunden den eigentlich als sicher geltenden Verschluss aufdrehte. Die Stadtverwaltung ließ mitteilen, es habe sich lediglich um einen defekten Deckel gehandelt. Manchmal müsse man eben die Schrauben anziehen. Die könnten mit der Zeit ausleiern. Aber grundsätzlich funktionierten die Behälter. Schließlich habe es nur 24 Beschwerden bei einer halben Million Tonnen gegeben.

Datenschutz

Es war allerdings nicht der einzige Fall dieser Art - ein weiterer ereignete sich ausgerechnet im Hinterhof der Reporterin selbst. Auch ihr teilte die Stadt mit, ihre Tonne sei kaputt gewesen. Dempsey glaubte der Stadt, dass es kein flächendeckendes Problem gab und dass die Behälter wirklich waschbärensicher waren. In der Regel zumindest - denn sie hielt es für möglich, dass eine Art Super-Waschbär gelernt haben könnte, den eigentlich waschbärensicheren Mechanismus zu knacken. Sie installierte selbst eine Kamera, um zu sehen, was da in ihrem Hinterhof los war.

Tonne binnen Sekunden offen

Auf einem der Videos sieht man, wie sich ein sehr großer und wohlgenährter Waschbär, vermutlich ein Muttertier, am Deckel der bereits liegenden Tonne zu schaffen macht. Mit beiden Händen dreht sie daran herum, bis es Klick macht und der Deckel aufschwingt und sie im Inneren der Mülltonne verschwindet. Zwei Jungtiere stoßen kurz darauf dazu und bedienen sich ebenfalls aus der Tonne. Ein zweites Video zeigt auch, wie möglicherweise das selbe Tier den 100-Liter-Behälter umstößt und ebenfalls binnen Sekunden den Verschluss knackt.

Des Rätsels Lösung bleibt im Dunklen. Die Stadt bleibt bei ihrer Erklärung, dass der Deckel defekt sein müsse. Dempseys Theorie ist, dass die Waschbären durch das regelmäßige Umwerfen und Ziehen an dem Drehverschluss diesen so weit ausleiern, dass er nicht mehr ausreichend Widerstand bietet. Die Geschichte zeigt wohl vor allem eines: wie anpassungsfähig die Waschbären sind. "Je mehr wir versuchen, ihre Pläne zu durchkreuzen, desto härter müssen sie daran arbeiten, die Hindernisse zu überwinden, die wir ihnen in den Weg stellen", sagte die Wissenschaftlerin MacDonald dazu. "Es bringt mich zum Lachen", fügte sie hinzu. "Ich mag es, wenn sie gewinnen."

Quelle: n-tv.de