Panorama

Ruf nach härteren Corona-Regeln Die Partys haben wohl bald ein Ende

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Das Gaststättengewerbe bangt um die wiedergewonnenen Freiheiten.

(Foto: picture alliance/dpa)

Gesundheitsminister Spahn stimmt die Deutschen schon mal auf das ein, was wohl bald kommen wird: Um einen zweiten Lockdown zu vermeiden, könnte es künftig wieder engere Grenzen für private Feiern geben. Spahn bekommt dabei viel Zustimmung aus Medizin und Wirtschaft.

Die Debatte um bundesweit einheitliche Corona-Regeln für private Feiern nimmt Fahrt auf. So schloss sich etwa der Ärzteverband Marburger Bund dem Ruf von Gesundheitsminister Jens Spahn an: "Um Ansteckungsrisiken auch im Herbst und Winter zu verringern, sollten sich die Länder bald auf einheitliche Regeln für private und öffentliche Feiern aller Art verständigen", sagte die Vorsitzende Susanne Johna den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Wichtig seien etwa Obergrenzen für Gäste und Konzepte fürs Lüften.

Spahn hatte zuvor darauf hingewiesen, dass Feierlichkeiten neben den Ansteckungen durch Reiserückkehrer zu den größten Gefahrenquellen in Deutschland zählten. Deshalb müsse man mit den Ländern noch einmal über die Grenzen und Regeln für Veranstaltungen reden. In den Bundesländern gelten ganz unterschiedliche Regelungen.

Zum Teil sind inzwischen wieder Innenveranstaltungen mit mehreren Hundert Teilnehmern erlaubt. Das sieht auch der Marburger Bund kritisch. So sind in Berlin laut aktueller Corona-Verordnung momentan Innenveranstaltungen mit bis zu 500 Menschen erlaubt. In Nordrhein-Westfalen dürfen bei "geselligen Veranstaltungen wie Hochzeiten" drinnen maximal 150 Gäste anwesend sein, in Bayern maximal 100.

*Datenschutz

"Je größer die Zahl der Feiernden gerade in geschlossenen Räumen ist, desto wahrscheinlicher ist ein Mensch dabei, der die anderen ansteckt", warnte Johna. Wenn die Infektionszahlen wieder stark stiegen, seien 150 Gäste bei einer Familienfeier oder einer Party in Innenräumen zu viel.

Viele seien sorglos, weil sie auf die hohe Quote der Genesenden schauten. Doch darunter seien auch Menschen erfasst, die an schweren Langzeitschäden litten. "Es gibt Schätzungen, dass der Anteil der an Covid-19 erkrankten Patienten mit Folgeschäden im oberen einstelligen Bereich liegt", sagte die Medizinerin.

Dehoga setzt auf Vernunft

Auch das Hotel- und Gaststättengewerbe rief zu Disziplin auf, um einen erneuten Lockdown zu verhindern. Der Branchenverband Dehoga appellierte an die Vernunft von Wirten, Personal und Gästen. "Es sollten alle darauf bedacht sein, die seit Mitte Mai gewonnenen Freiheiten des Ausgehens und Reisens zu verteidigen", sagte Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Ansteckungsgefahr sei zwar nicht zu bestreiten. "Insgesamt ist das Infektionsgeschehen in unseren Betrieben aber niedrig."

Neben Hotels und Gaststätten gebe es "auch andere Hotspots", etwa Urlaubsrückkehrer und private wie große Veranstaltungen im öffentlichen Raum, sagte die Dehoga-Chefin. "Es muss deshalb genau analysiert werden, wo die Schwachstellen liegen, bevor einschränkende Maßnahmen festgelegt werden." Vor allem Eventcaterer, die vorwiegend Familienfeste wie Hochzeiten beliefern, würden von erneuten Maßnahmen hart getroffen, warnte Hartges: "Großveranstaltungen und eine Vielzahl kleinerer Events finden ja noch gar nicht wieder statt. Die Verluste sind erheblich und viele dieser Betriebe fürchten um ihre Existenz." Deshalb müssten sich alle an die Spielregeln halten, forderte sie.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund rief zu einer gesamtgesellschaftlichen Anstrengung auf, um einen erneuten Lockdown zu verhindern. "Dieser hätte schwere Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Gesellschaft", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg. "Viele Geschäfte im Bereich des Einzelhandels und der Gastronomie würden ein erneutes Herunterfahren des öffentlichen Lebens kaum verkraften."

Die Schlüssel zu einer erfolgreichen Verhinderung einer zweiten Welle sieht Landsberg in einer gezielten Teststrategie. Priorität hätten aus der Sicht der Kommunen Schulen und das Wirtschaftsleben. Beides müsse offen gehalten werden, um Arbeitsplätze zu sichern.

Quelle: ntv.de, jog/dpa