Panorama

Beute im Millionenwert Diebe fesseln Schlossbesitzer mit Krawatte

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Die Einbrecher in Vaux-le-Vicomte erbeuteten Diebesgut im Wert von zwei Millionen Euro.

(Foto: imago images / viennaslide)

Es ist die größte Schlossanlage Frankreichs in Privatbesitz: Vaux-le-Vicomte bei Paris. Seit fast 50 Jahren ist die Anlage öffentlich zugänglich. Allerdings erhielten die hochbetagten Eigentümer auch in der vergangenen Nacht Besuch. Und der hatte ganz konkrete Interessen.

Die Besitzer des Prunkschlosses Vaux-le-Vicomte bei Paris sind ausgeraubt worden. Sechs Einbrecher hätten in der Nacht zum Donnerstag Beute im Wert von zwei Millionen Euro aus der Anlage aus dem 17. Jahrhundert gestohlen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die Diebe nahmen laut Polizei unter anderem mehrere Smaragde aus einem Tresor mit. Die Männer seien maskiert, aber nicht bewaffnet gewesen.

Nach Angaben der Schlossverwaltung ereignete sich der Einbruch nicht im Schloss selbst, sondern in einer Privatwohnung auf dem Gelände. Die Schlossbesitzer, Graf Patrice de Vogüé und Gräfin Cristina de Vogüé, wurden laut Polizei mit Krawatten aus dem Besitz des Grafen gefesselt. Der 90-Jährige und seine 78-jährige Frau blieben demnach unverletzt. Die im Schloss ausgestellte Sammlung sei nicht vom Einbruch betroffen, teilte die Schlossverwaltung mit.

Vorbild für Versailles

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Der Blick aus dem Wohnzimmer - in etwa.

(Foto: imago images / viennaslide)

Die Staatsanwaltschaft beauftragte die Justizpolizei von Versailles mit den weiteren Ermittlungen. Vaux-le-Vicomte gilt als Vorbild für den Ausbau von Schloss Versailles zur Residenz von "Sonnenkönig" Ludwig XIV. Ludwigs Finanzminister Nicolas Fouquet ließ Vaux-le-Vicomte südöstlich von Paris bis 1661 für sich erbauen.

Der Überlieferung zufolge brachte das herrschaftliche Schloss mit seinem prächtigen Garten dem Finanzminister aber kein Glück: Nach einer üppigen Feier mit einem Feuerwerk, einem ausladenden Buffet und mehr als tausend Gästen soll Ludwig XIV. neidisch auf Fouquet geworden sein. Er ließ seinen Minister lebenslang inhaftieren. Nach der Festnahme ließ der Monarch das Schloss beschlagnahmen - und Versailles ausbauen.

Seit 1968 öffentlich zugänglich

Das rund 50 Kilometer von Paris entfernte Vaux-le-Vicomte gilt mit seinen rund 500 Hektar Land als das größte französische Anwesen in Privatbesitz. Es ist von einer 13 Kilometer langen Mauer umgeben. 1968 öffnete Patrice de Vogüé das Schloss für die Öffentlichkeit, heute wird die Anlage von seinen drei Söhnen verwaltet.

Das Schloss, das auch als "Klein-Versailles" bekannt ist, wird jährlich von rund 250.000 Besuchern besichtigt. Zudem hat es sich zu einer beliebten Kulisse für Hochzeitsfeiern entwickelt: Der französische Basketballstar Tony Parker feierte dort im Jahr 2007 seine Vermählung mit US-Schauspielerin Eva Longoria. Auch Filme werden hier regelmäßig gedreht.

Quelle: n-tv.de, jwu/AFP