Panorama

Unglück im IranDrei Deutsche sterben bei Flugzeugabsturz

08.01.2020, 09:31 Uhr
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Kurz nach dem Start in Teheran gerät eine Boeing 737-Maschine in Schwierigkeiten und stürzt ab. Bei dem Unglück sind nach ukrainischen Angaben auch drei Deutsche ums Leben gekommen. Ursache soll ein technischer Defekt sein.

Eine ukrainische Passagiermaschine ist am Morgen in der Nähe des Imam-Chomeini-Flughafens der iranischen Hauptstadt Teheran abgestürzt. Nach Angaben der Hilfsorganisation iranischer Halbmond kamen alle Insassen ums Leben. Nach ukrainischen Angaben sollen auch drei Deutsche an Bord gewesen sein, wie Außenminister Wadim Pristaiko bei Twitter mitteilte. Das Auswärtige Amt hatte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur zuvor mitgeteilt: "Unsere Botschaft in Teheran bemüht sich mit Hochdruck um Aufklärung." Laut ukrainischen Angaben saßen insgesamt 176 Menschen in der Boeing 737. Nach Angaben des Außenministers stammten die Opfer aus sieben verschiedenen Ländern. 82 seien Iraner gewesen, 63 stammten aus Kanada. Unter den Opfern seien auch Briten, Schweden, Ukrainer und Afghanen. Die Behörden in Kiew kündigten an, die Passagierliste zu veröffentlichen.

+++ Am Nachmittag teilte das Auswärtige Amt, dass wohl doch keine Deutschen an Bord waren. +++

Russischen Medien zufolge war die Maschine von Ukraine International Airlines auf dem Weg von Teheran nach Kiew und stürzte kurz nach dem Abflug ab. Die iranische Luftfahrtbehörde führte den Crash auf einen technischen Defekt zurück, wie der iranische Nachrichtensender Chabar unter Berufung auf einen Sprecher der Behörde berichtete. Wie diese so kurz nach dem Absturz am zu dem Schluss eines Technikfehlers als Ursache kam, blieb zunächst offen. Auch die Ukraine sprach in einer ersten Erklärung von einem technischen Defekt. Inzwischen hat die ukrainische Botschaft eine erste Stellungnahme dazu zurückgezogen und eine zweite veröffentlicht. Darin heißt es, die Ursachen des Absturzes seien nicht ermittelt. Frühere Einschätzungen dazu seien nicht offiziell gewesen. In der ersten Stellungnahme war noch von Triebwerksversagen die Rede gewesen und "Terrorismus" als Ursache ausgeschlossen worden.

Die Grünen fordern eine genaue Untersuchung des Absturzes. Der Hinweis von iranischer Seite auf einen "technischen Defekt" als mutmaßliche Ursache sei aus seiner Sicht "ein bisschen schnell gekommen", sagte der Grünen-Außenpolitiker Omid Nouripour der RTL/ntv-Redaktion. Gleichwohl betonte Nouripour, eine technische Ursache des Absturzes sei "denkbar". Es gebe allerdings noch "sehr viele Fragen, die übrig bleiben".

Der Fluggesellschaft Ukraine International zufolge war die Maschine vom Typ Boeing 737 wenige Jahre alt und wurde erst vor zwei Tagen technisch überprüft. "Es war eines unserer besten Flugzeuge, mit einer ausgezeichneten zuverlässigen Mannschaft", betonte der Präsident des Unternehmens, Jewgeni Dychne, sichtlich bewegt in Kiew. Das Flugzeug des Baujahres 2016 sei direkt beim Hersteller erworben worden. Die Maschine habe erst am Montag die reguläre technische Überprüfung ohne Probleme durchlaufen. Vorläufig stellt die Airline trotzdem alle Flüge nach Teheran ein. Bei dem Unfall handelte es sich um den ersten tödlichen seit der Betriebsaufnahme der Ukrainian International Airlines im Jahre 1994, erklärte der Unfallforscher Jan-Arwed Richter vom Hamburger JACDEC-Flugsicherheitsbüro.

"Schreckliche Nachrichten aus dem Nahen Osten"

Boeing reagierte kurz nach dem Absturz mit einem Tweet: "Uns sind die Medienberichte aus dem Iran bekannt und wir tragen gerade mehr Informationen zusammen." Die um kurz nach 5.00 Uhr Ortszeit gestartete Maschine mit der Flugnummer PS752 stürzte ersten Erkenntnissen zufolge in ein offenes Feld nahe dem Teheraner Vorort Parand. Das Flugzeug hätte gegen 8.00 Uhr Ortszeit in der ukrainischen Hauptstadt Kiew landen sollen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach allen Menschen, die Angehörige bei dem Absturz verloren haben, ihr "tiefstes Beileid" aus. Es sei jetzt die Aufgabe von Flugsicherheitsfachleuten, die Ursachen des Absturzes zu untersuchen und so Antworten zu der schrecklichen Tragödie zu geben. Die Bundesregierung hat ebenfalls ihre Anteilnahme bekundet. Die Nachrichten seien erschütternd, schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert bei Twitter. "Wir nehmen Anteil an der Trauer um die Menschen an Bord."

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zeigte sich nach dem Absturz des Passagierjets der Ukraine International Airlines (UIA) im Iran tief erschüttert. "Schreckliche Nachrichten aus dem Nahen Osten", teilte er auf Facebook mit. Niemand habe das Unglück überlebt, bestätigte er. "Mein aufrichtiges Beileid an die Familien und Freunde aller Passagiere und Besatzungsmitglieder." Nach Angaben des Staatsoberhauptes will die ukrainische Botschaft im Iran nun alle Informationen über die Umstände "der Tragödie" zusammentragen. Die Namen der Toten würden nun aufgelistet, schrieb Selenskyj. Der 41-Jährige brach nach dem Unglück seinen Aufenthalt im Oman auf der arabischen Halbinsel ab.

Wohl kein Zusammenhang mit Vergeltungsangriff

Kurz nach den iranischen Raketenangriffen auf Militärstützpunkte im Irak in der Nacht zum Mittwoch hatte die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA US-Flugzeugen die Nutzung des Luftraums in Teilen des Nahen Ostens untersagt. Über dem Persischen Golf, dem Golf vom Oman, im Irak und im Iran dürften in den USA registrierte Flugzeuge "wegen erhöhter militärischer Aktivitäten und steigender politischer Spannungen" nicht mehr operieren, hieß es in einer Mitteilung am Dienstag. Es gebe ein erhöhtes Risiko, das ein Flugobjekt falsch identifiziert werde.

Ob ein Zusammenhang des Absturzes der ukrainischen Maschine mit der militärischen Eskalation des Konflikts zwischen dem Iran und den USA besteht, ist bisher völlig unklar. Wenige Stunden zuvor hatte es einen iranischen Vergeltungsangriff auf US-Soldaten im Irak gegeben. Die vom US-Verteidigungsministerium bestätigten Attacken auf die amerikanisch genutzten Militärstützpunkte Ain al-Assad im Zentrum des Iraks und eine Basis in der nördlichen Stadt Erbil in der Nacht zum Mittwoch gelten als Revanche für die Tötung des iranischen Top-Generals Ghassem Soleimani durch einen US-Luftschlag.

Quelle: ibu/dpa/AFP

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