Panorama

Mensch überträgt Keim auf Essen EHEC-Erreger in Bach gefunden

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Desinfektionsarbeiten auf dem Gemüse- und Blumenhof in Hessen.

(Foto: dpa)

Experten kommen bei der Suche nach dem EHEC-Infektionsweg einen Schritt voran: In Hessen ist der Keim nachweislich von einem Menschen auf Lebensmittel übertragen worden - und hat sich so ausgebreitet. Auch in einem Bach bei Frankfurt wird der Keim entdeckt. Anliegende Kleingärtner werden nachdrücklich vor den Gefahren gewarnt.

In einem Bach in Frankfurt ist der aggressive EHEC-Erreger 0104:H4 nachgewiesen worden. Der Erlenbach liegt wenige hundert Meter entfernt von dem Hof, bei dem jüngst der EHEC-Erreger auf Salatproben entdeckt wurde, wie ein Sprecher des hessischen Umweltministeriums sagte. Eine Verbindung des Baches zur Trinkwasserversorgung gebe es aber nicht. Es besteht daher auch keine Gefahr einer Kontamination des Trinkwassers.

Zwei an das Gewässer angrenzende Höfe nutzen das Wasser jedoch für die Bewässerung von Kartoffeln, Zuckerrüben und Stärkekartoffeln. Das wurde den Höfen nun untersagt. Wie die Keime in den Bach gelangt sind, ist noch unklar. Das Ergebnis der Proben soll in zwei bis drei Tagen vorliegen.

Auf die Salatblätter war der Erreger vermutlich mit dem Waschwasser eines Frankfurter Gemüsebetriebs gelangt. Der Betrieb wurde mittlerweile geschlossen und ausgelieferte Produkte zurückgerufen. Eine Desinfektion der gesamten Wasserversorgung wurde eingeleitet. Bei dem auf dem Hof gefundenen EHEC-Erreger handelte es sich aber nicht um den aggressiven und lebensgefährlichen Typ 0104.

Auch Gärtner verwenden das Bach-Wasser

Nach ersten Erkenntnissen der Behörden könnten die Keime in dem Bach durch eine in der Nähe gelegene Kläranlage in das Gewässer gelangt sein. Da an dem etwa 30 Kilometer langen Bach auch Kleingärtner das Wasser verwenden, wurden diese nachdrücklich vor den Gefahren gewarnt. Abgesperrt wurde der Bach nach Angaben des Ministeriumssprechers aber nicht. Es habe auch keine Säuberungsaktion gegeben.

Mensch überträgt EHEC auf Essen

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EHEC-Test im Labor: Die Übertragung von Mensch auf Lebensmittel ist bewiesen.

(Foto: dpa)

In dem Fall einer EHEC-Übertragung in Nordhessen soll der Keim tatsächlich von einer Catering-Mitarbeiterin auf die Lebensmittel übergesprungen sein. 20 Menschen wurden auf diesem Wege krank. Die Ergebnisse von Labortests liegen vor und bestätigten bisherige Vermutungen, wie Sozial- und Verbraucherministerium in Wiesbaden mitteilten. Wie genau der Keim auf die Lebensmittel gelangte und ob es ein Hygieneproblem in dem Betrieb gibt, werde nun untersucht, sagte der Sprecher des Kreises Kassel, Harald Kühlborn.

Werden grundlegende Regeln wie Händewaschen nach dem Toilettengang eingehalten, könne es eigentlich nicht zu einer Übertragung des Keims kommen. Möglich sei aber, dass ein infizierter Gebrauchsgegenstand des Betriebs eine Rolle spielte, sagte Kühlborn. Die Mitarbeiterin des Partyservices war den Testergebnissen zufolge mit dem aggressiven EHEC-Keim infiziert, als sie Speisen für eine Feier in Niedersachsen zubereitete, sie hatte aber noch keine Symptome.

Wichtig: Hände waschen

Sie übertrug den Keim auf mehrere Lebensmittel, später erkrankte sie an der durch EHEC verursachten Komplikation HUS (hämolytisch-urämisches Syndrom). Nach der Feier erkrankten auch 20 von 65 Gästen. Acht Gäste stammten aus Hessen, bei zwei von ihnen brach ebenfalls HUS aus.

Das Sozialministerium rief insbesondere EHEC-Kranke und deren Familienangehörige beziehungsweise Mitbewohner nochmals dazu auf, sich nach dem Toilettengang und vor dem Essen gründlich die Hände zu waschen. Selbst nach überstandener Krankheit, auch bei nur leichtem Verlauf, wird der Erreger weiter über den Darm ausgeschieden, warnte das Ministerium. Zuletzt waren mehr als 50 Menschen in Hessen bekannt, die an HUS litten.

Quelle: ntv.de, dpa