Der Frühling hält Einzug"Ein Rückfall in den Winter ist nicht in Sicht"
Von Schnee und Eis gibt's in Deutschland kaum noch eine Spur. Die Temperaturen klettern wieder höher, auch die Sonnenstunden nehmen zu. ntv-Meteorologe Björn Alexander erklärt im Interview, ob es am Wochenende mit dem Wetter genauso weitergeht.
ntv.de: Der Winter scheint verflogen und stattdessen ist Deutschland endlich aufgetaut. Wie sieht die Zwischenbilanz für die ersten warmen Tage aus?
Björn Alexander: Mit 20,2 Grad hat Heimbach in der Eifel am Mittwoch als erste Wetterstation in Deutschland in diesem Jahr die 20 Grad-Grenze überschritten. Und auch bis herauf in den Norden lenzte es vielfach - beispielsweise im Hamburger Raum mit Spitzen von 15 bis knapp 17 Grad. Tendenziell frischer präsentierten sich derweil noch die Osthälfte sowie die Nebelgebiete. Am unteren Ende der Skala rangierte die Ostsee beziehungsweise der Nordosten, wo zum Teil kaum mehr als 2 Grad erreicht wurden.
Die Frühlingswärme ist also noch nicht überall angekommen, oder?
Alles in allem läuft es in manchen Gebieten erwartungsgemäß zäh. Vor allem im Küstenumfeld machen sich die kalten Wasseroberflächen bemerkbar - und das wird sich bei Seewind auch nicht so schnell ändern.
Auf wie viel Wärme kann sich denn der große Rest des Landes noch freuen?
Am Freitag erwarten wir den vorläufigen Höhepunkt. Vom direkten Küstenumfeld mit einstelligen Höchstwerten von zum Teil nur 5 bis 9 Grad mal abgesehen, geht es verbreitet auf um die 15 bis 20 Grad. Noch wärmer wird es punktuell im Südwesten. Hier sind im Bereich Freiburg, Oberrhein und bis nach Stuttgart sogar Spitzen bis zu 23 Grad möglich. Wir befinden uns damit im Bereich der Allzeit-Februarrekorde.
Welche Temperaturen sind das?
Der offizielle Deutschland-Rekord im Februar liegt bei 23,1 Grad. Gemessen wurde er am 26. Februar 1900. Es handelt sich also um einen wirklich alten Rekord, was wiederum in Zeiten des Klimawandels sehr selten ist und zeigt, wie außergewöhnlich solche Werte deutlich über 20 Grad im Februar sind. Auf den nachfolgenden Plätzen in der Statistik findet sich ein gutes Dutzend Orte mit 22 bis 22,5 Grad. Größtenteils gemessen in den Februarmonaten 1960 und 1990. Last but not least gibt es noch eine inoffizielle Messung, die sogar nochmals über allen anderen thront.
Die da wäre?
24,5 Grad, die ebenfalls am 26.02.1900 gemessen wurden - und zwar im nordrhein-westfälischen Arnsberg. Dieser Wert ist aber durchaus zweifelhaft und wird somit vom Deutschen Wetterdienst (DWD) auch nicht offiziell anerkannt.
Zurück zum aktuellen Wetter: Bleibt der sonnige Frühling am Drücker?
Die gute Nachricht ist sicherlich: Auch wenn es nicht so warm weitergeht, ein Rückfall in den Winter ist in den kommenden Tagen nicht in Sicht. Gleichzeitig wird es wechselhafter. Jedoch gilt hier ebenso, dass uns der ganz große Absturz hin zu Dauerregen oder Sturm erspart bleibt.
Dann schauen wir doch mal auf unser Wochenende im Detail. Was erwartet uns?
Der Samstag bringt im Norden und Westen vermehrt Schauer und Wind, während es in Richtung Süden und Südosten sonniger und trocken weitergeht. Dazu gibt es bei viel Sonne bis 19 Grad, sonst meistens 12 bis 16 Grad. Einzig an der Küste werden es mit auflandigem Wind nur um die 5 bis 8 Grad.
Und am Sonntag?
Wird es generell unbeständig, mit örtlichen Schauern, aber auch freundlichen Phasen. Das Ganze geht mit einem kleinen Dämpfer bei den Temperaturen einher. Allerdings sind 8 bis 15 Grad natürlich alles andere als winterlich. Ein durchaus gelungener Einstand in den meteorologischen Frühling, der am Sonntag mit dem Monat März beginnt.
Zeit für eine kleine Winterbilanz: Wie sind die letzten drei Monate statistisch einzuordnen?
Verglichen mit den vergangenen drei Jahrzehnten verlief der Winter 2025/2026 in der Nordosthälfte zu kalt - zum Teil mit einer Abweichung von deutlich über einem Grad. Im übrigen Land gab es oftmals einen eher durchschnittlich temperierten Verlauf, im Westen und auf den höheren Bergen war es sogar teilweise über ein Grad zu warm.
Was sagt die Statistik in Sachen Sonne und Niederschläge aus?
Die Sonnenbilanz entspricht dem langjährigen Mittel. Beim Niederschlag war es hingegen insgesamt deutlich zu trocken. Im landesweiten Durchschnitt sind nur gut 75 Prozent der ansonsten üblichen Niederschläge gefallen.
Wohin wird das Wetterpendel im weiteren Verlauf des Frühlings schwingen?
Nächste Woche bleibt uns auf jeden Fall der Lenz erst einmal gewogen. Nebst einer leicht wechselhaften bis wolkigen Grundstimmung gibt es am Montag vor allem im Westen und in den Alpen einiges an Sonnenschein. Auch die Temperaturen legen wieder zu und bringen es - abseits der kühleren Küsten - auf 10 bis 17 Grad. Der Dienstag zeigt sich bei 5 bis 17 Grad nach Nebel häufiger freundlich und meist trocken. Und am Mittwoch erwarten uns neben der Sonne ebenfalls ein paar dichtere Wolken mit ein paar Schauern bei 4 bis 16 Grad. Kurzum: Der Frühling lässt es gelassen angehen.
Nur für die Allergiker scheinen es harte Zeiten zu werden?
Zumindest sollten spätestens jetzt Vorkehrungen getroffen werden, wenn Allergien gegen Frühblüher wie Erle und Hasel bestehen. Denn mit der Erwärmung legen die Pollen jetzt stramm nach und lassen die Belastungen rasch ansteigen. Derweil könnten nächste Woche im Süden und Westen auch schon Pappel und Ulme ins Allergiegeschehen einsteigen.
Und die Birke?
Lässt uns als einer der stärksten beziehungsweise aggressivsten Baumpollenallergenen glücklicherweise noch ein bisschen Zeit. Die höchsten Belastungen durch Birkenpollen gibt es für gewöhnlich im April und Mai, wobei frühe Standorte bereits im Laufe des Märzes mit den Pollen rechnen müssen.
