Einfach mal anders rangehenEndlich in den Wechseljahren

Keine Periode, keine Verhütung, kein Stress mehr. Zumindest in der Richtung. Da die meisten Frauen die Wechseljahre nur als einen Abschied sehen - von Jugend, Fruchtbarkeit und straffem Bindegewebe - wird es endlich Zeit, die Chancen des Neuanfangs zu entdecken!
Wechseljahre als Neustart - für Sie ein bisher fremder Gedanke? Verständlich, denn allein das Narrativ ist so negativ behaftet, dass es schwer fällt, etwas Positives darin zu sehen. Eine Expertin jedoch verrät, wie Frauen ihren Blick auf die Menopause verändern und durch kleine Veränderungen Leichtigkeit in ihr Leben bringen können, denn Wechseljahre, (Peri-)Menopause und alles drumherum gilt nach wie vor als etwas Unangenehmes. Nach dem Motto: Da muss man durch, der Körper verändert sich eben.
Und klar: Hitzewallungen, Schlafstörungen und Co. nerven einfach. Gleichzeitig laufen Job und Familie oft ungebremst weiter. Bei einigen Frauen kommt dazu, dass plötzlich Angehörige gepflegt werden müssen. Ganz schön viel also - auch emotional. Die Ärztin Petra Beschoner sagt: "Ganz klar dürfen Sie emotional sein! Es kommt nur darauf an, wie Sie Ihren Emotionen begegnen." Da ist zum einen die "Perspektive, diese Zeit nicht als Ende der Weiblichkeit zu betrachten, sondern als Beginn einer Phase ohne biologische Zwänge – frei von Menstruation, Verhütungsdruck und hormonellen Achterbahnfahrten", so die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie.
Auch der Re-Frame, jugendliche Unsicherheiten gegen innere Stärke einzutauschen, stärkt das Selbstbild: Mit den Jahren wächst meist die Fähigkeit, Grenzen zu setzen und die eigenen Bedürfnisse klarer wahrzunehmen. Viele Frauen spüren, dass sich nun ein Raum für neue Projekte, Beziehungen oder Selbstverwirklichung öffnet.
"Liebe Menopause ...!"
Doch wie gestaltet man diese Lebensphase aktiv und selbstbestimmt? Beschoner rät zu einer bewussten Reflexion. Ihr Vorschlag: der alten Lebensphase einen Abschiedsbrief und der neuen einen Willkommensbrief schreiben. Was will ich? Und was darf gehen? Sie rät zu einem "strukturierten Selbstfürsorge-Plan, der kleine Schritte für jeden Lebensbereich umfasst. Wichtig: Er sollte realistisch in den Alltag eingebaut werden können. Doch wie kann so ein Plan aussehen?
Im Job:
Erwartungen realistisch anpassen, gegebenenfalls Prioritäten neu verhandeln
Mikropausen einplanen und auch tatsächlich machen
Aufgaben delegieren, statt sämtliche Verantwortung stillschweigend zu tragen
In Partnerschaften:
Veränderungen offen ansprechen, etwa mit Sätzen wie: "Ich bin schneller gereizt, das liegt an meiner Situation, nicht an dir."
Gemeinsame Rituale pflegen und Intimität neu definieren, wobei letzteres bedeutet: Druck herausnehmen und Zärtlichkeit sowie emotionale Nähe in den Vordergrund stellen.
Auch in der Care-Arbeit: Unterstützung einfordern, also Partner, Kinder oder Angehörige aktiv einbeziehen, externe Hilfe prüfen, Perfektionismus loslassen, ein "Gut genug" akzeptieren.
Strategien für mehr innere Stärke
Um innere Stärke in den Wechseljahren zu finden, hilft alles, was die Stimmung stabilisiert und die eigene Resilienz, also die psychische Widerstandskraft, fördert. Zum Beispiel "regelmäßige moderate Bewegung, gute Schlafhygiene, Achtsamkeit und Stressabbau durch Meditation, Atemübungen oder Journaling. Auch der Austausch mit anderen Frauen in einer ähnlichen Lebensphase wirkt oft enorm entlastend", sagt die Ärztliche Leiterin der Akutklinik Bad Saulgau.
Kurz: Die Wechseljahre lassen sich nicht verhindern, aber sie lassen sich gestalten. Wer sie als Übergang begreift, darf neu sortieren, Grenzen ziehen und eigene Bedürfnisse ernster nehmen. Nun darf etwas beginnen, das vielleicht oft zu kurz kam: ein Leben mit mehr Selbstbestimmung, Gelassenheit und innerer Stärke.