Panorama

Dienstanweisung an Mitarbeiter Emotionaler Bäcker steht in der Kritik

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Gerhard Bosselmann sieht sich in Erklärungsnot.

(Foto: imago images/localpic)

Sein Video rührte Hunderttausende. Nun steht Bäcker Bosselmann, der unter Tränen das baldige Aus seiner Läden beklagte, selbst in der Kritik. Grund ist ein Schreiben an seine Mitarbeiter.

Es war ein eindringlicher Appell, den Gerhard Bosselmann am Freitag auf Facebook verbreitete. "Der Mittelstand wird fallengelassen. Es ist eine Katastrophe", sagte der 63-jährige Bäcker aus Hannover unter Tränen. Hunderttausendfach wurde das Video des verzweifelten Mannes aufgerufen, der darin an alle appellierte, in Zeiten der Corona-Krise zum Bäcker "um die Ecke" zu gehen. Schon kurz danach bildeten sich Schlangen vor seinen Läden, selbst Bayerns Ministerpräsident Markus Söder äußerte sich zu dem Fall. Doch nun steht der Mittelständler selbst in der Kritik.

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Grund ist eine Dienstanweisung, über die die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" berichtet. "Krankmeldungen wegen Erkältung ohne Fieber werden nur mit vorgelegter Corona-Testierung akzeptiert. Andernfalls werden wir keine Lohnfortzahlung zahlen", heißt es in dem Schreiben, das der Zeitung vorliegt. Die Krankmeldung müsse auch bei Bosselmann persönlich erfolgen. "Ich bin entschlossen, bei begründeten Zweifeln die Mitarbeiter zu versetzen oder zu entlassen", droht er. "Danach steht Ihnen der Klageweg offen."

Auch wer das Unternehmen leichtsinnig gefährde, werde fristlos entlassen, heißt es weiter. "Wer in seiner Freizeit nicht ernsthaft und strikt zu Hause bleibt, sich auf Party, Kindergeburtstagen usw. oder Treffen mit Freunden leichtsinnig infiziert, gefährdet die Firma und die Kollegen. Diese Mitarbeiter werden sofort (!) fristlos entlassen wegen schwerer Unternehmensschädigung." Die Firma und die Arbeitsplätze zu erhalten, sei nicht alleine Aufgabe des Chefs, sondern aller.

Dabei sind Bosselmanns Anweisungen für den Krankenfall zweifelhaft. Tatsächlich sind wegen der Corona-Pandemie die Krankschreibungsregeln bundesweit gelockert. Inzwischen können sich Patienten mit leichten Erkrankungen der oberen Atemwege nach telefonischer Rücksprache mit dem Arzt für sieben Tage krankschreiben lassen, ohne in die Praxis kommen zu müssen.

"Ich stehe dazu"

In der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" verteidigte Bosselmann allerdings sein Schreiben. "Ich stehe dazu", sagte er. Wegen des Virus habe er 80 Prozent des Umsatzes eingebüßt und zehn Filialen schließen müssen. "Zugleich berichten mir drei Mitarbeiter, dass sie bei Corona-Partys oder einem Kindergeburtstag waren, und jetzt nicht wissen, ob sie weiterhin zur Arbeit kommen sollen."

"Ich habe vielleicht einen scharfen Ton gewählt", sagte Bosselmann. Wenn einzelne Mitarbeiter aber durch ihr Verhalten den gesamten Betrieb gefährdeten, müsse man deutliche Worte finden." Er habe das Gefühl, dass besonders junge Menschen die Gefahren noch unterschätzten. Mit dieser Einschätzung ist er nicht alleine. Seit Tagen warnen Politiker und Mediziner vor sogenannten Corona-Partys und appellieren eindringlich an die Bevölkerung, so wenig Kontakte wie möglich haben.

Im Internet hagelt es nun Kritik an dem Bäcker, der gerade noch als Held gefeiert worden war. Die Linken-Politikerin Anke Domscheidt-Berg entschuldigt sich etwa, dass sie zuvor das Video geteilt hatte, und findet scharfe Worte für Bosselmanns Verhalten gegenüber seinen Mitarbeitern. Andere User äußern sich ebenfalls entsetzt. Einer schreibt aber auch: "Hört auf rum zu hetzen, als wären wir alle besser."

Quelle: ntv.de, ghö